Energiekonzern: Machtkampf bei RWE

Energiekonzern: Machtkampf bei RWE

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Machtkampf bei RWE

Beim Energieriesen RWE ist Dortmunds Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer der große Drahtzieher. Kann er Konzernchef Jürgen Großmann ausbremsen?

RWE-Beschäftigte sind empfindlich.

An seinem ersten Arbeitstag vor 15 Monaten meldete sich der Stahlunternehmer Jürgen Großmann, dem die Georgsmarienhütte in Osnabrück gehört, als neuer Chef in der Empfangshalle der Essener Konzernzentrale: „Ich arbeite ab heute hier.“ Die Attitüde kam gut an, Konsens und Anpassungsfähigkeit werden bei RWE groß geschrieben.

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Doch die heimelige Atmosphäre hielt nicht lange. Schon ein paar Tage später fiel Großmann in Ungnade, weil er im Foyer eine Ausstellung seines Lieblingsmalers Markus Lüpertz eröffnete. Der stammt aus Düsseldorf, wurde von RWE bis dahin aber nicht gefördert und war somit nicht ruhrgebietstauglich. „Großmann setzt sich über die gewachsene Sponsorenkultur hinweg“, blaffte ein Arbeitnehmervertreter.

Die Brüskierung der Lokalmatadoren hätte Großmann eine Warnung sein müssen. Jetzt trachtet ein richtiges politisches Schwergewicht nach der Macht: RWE-Aufsichtsrat Gerhard Langemeyer, im Hauptberuf Oberbürgermeister von Dortmund und Sozialdemokrat.

Die Stadt ist mit einem Anteil von 3,55 Prozent größter kommunaler Aktionär von RWE, Deutschlands zweitgrößtem Energiekonzern mit rund 43 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 63.000 Beschäftigten – und das kommunale Lager mit 25 Prozent größter Anteilseigner des Energiekonzerns. OB Langemeyer hat deshalb das größte Gewicht im Kontrollgremium – und das muss er nutzen, um die eigene Haut im Dortmunder Rathaus zu retten.

SPD-Stadtoberhaupt Langemeyer gilt vielen Genossen als zu selbstherrlich

Denn in Nordrhein-Westfalen sind im Juni Kommunalwahlen, in der die oppositionelle SPD ein Zeichen gegen die Landesherrschaft von CDU und FDP setzen will.

SPD-Stadtoberhaupt Langemeyer gilt vielen Genossen als zu selbstherrlich. SPD-Fraktionschefin Hannelore Kraft will, dass sich Langemeyer der Basis zur Kandidatenwahl stellt. Da muss Langemeyer punkten – notfalls auch im RWE-Aufsichtsrat.

So hintertreibt der Sozialdemokrat die von Großmann verfolgte Neuordnung von RWE. Die Stadt Dortmund würde nach Großmanns Plänen tatsächlich nicht gut aussehen. Viele Arbeitsplätze aus der Energiewirtschaft dürften nach Essen abwandern. Vor allem aber soll Großmanns Vorhaben, dass RWE sich am bulgarischen Atomkraftwerk Belene beteiligt und auch in Rumänien ein Kernkraftwerk plant, im Namen des von Sozialdemokraten erzwungenen Atomausstiegs deutscher Energiekonzerne gestoppt werden. RWE ist bevorzugter Bieter von 49 Prozent von Belene. Das dürfe nicht sein, so Langemeyers Credo. Weder Großmann noch Langemeyer wollen sich dazu äußern.

Der Machtpoker ist in vollem Gang.

Vorläufiger Höhepunkt war die Aufsichtsratssitzung am vergangenen Donnerstag, auf der das 20-köpfige Kontrollgremium unter dem Vorsitz des ehemaligen WestLB-Chefs Thomas Fischer die Alleingänge Großmanns kontrovers diskutierte. „Kein Kommentar“, hieß es dazu nur aus dem Konzern. Doch unabhängig von allen formalen Beschlüssen im Kontrollgremium, steht nun fest: Großmann soll künftig stärker an die Kandare genommen werden. Große Sachinvestitionen und Vorhaben werden grundsätzlich nicht mehr allein im Vorstand entschieden, sondern sollen im Aufsichtsrat fallweise in die Mangel genommen werden. Die Aufsichtsräte wollen bei RWE das tun, wozu sie per Gesetz verpflichtet sind – es aber aus Langmut selten taten –, den Vorstand in seinen Großentscheidungen penibel kontrollieren. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Aber der heilige Schwur, genauer hinzusehen, hat Methode. Er scheint auch der Anfang einer Mobbingstrategie gegen Großmann zu sein. Der RWE-Chef soll nach dem Willen von Arbeitnehmervertretern, Gewerkschaftern und Kommunalvertretern fortan im engeren Rhythmus den Kontrolleuren Rede und Antwort stehen. Unabhängig davon soll er, geht es um wichtige Weichenstellungen, zu Einzelgesprächen mit Aufsichtsräten antreten, vor allem mit Vertretern der Kommunen.

Auch andere Großprojekte Großmanns stoßen auf Widerstand

So plant Großmann einen großen Ruhrversorger unter dem RWE-Dach.

Die Stadtwerke Bochum und Dortmund sollen sich nach seinem Willen zusammenschließen – zu einem Unternehmen, an dem RWE die Mehrheit hat. Nicht nur dagegen laufen Kommunalvertreter, die auf Selbstständigkeit pochen, Sturm. Dortmunds OB Langemeyer wurmt, dass Großmann wichtige Stabsfunktionen ins benachbarte Essen holen will. RWE leistet sich noch eine kostspielige Art Doppelsitz

Ob die Kontrolle Großmann tatsächlich schwächen wird, muss sich erst zeigen. Denn im Aufsichtsrat sitzt nicht nur ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz, mit dem er durch das Stahlgeschäft verbunden ist und dessen Wort im Ruhrgebiet viel gilt. Mitglied des Gremiums ist auch Heinz-Eberhard Holl, ehemaliger Oberkreisdirektor von Osnabrück. Der steht zwar den Kommunen sehr nahe, sitzt aber auch in den Aufsichtsgremien von Großmanns Georgsmarienhütte.

Merke: Auch der Nebenerwerbsmilliardär verfügt über ein Sicherheitsnetz im zerstrittenen Energiekonzern – weit über RWE hinaus.

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