Energiekonzerne: Abschied von den Stromnetzen

Energiekonzerne: Abschied von den Stromnetzen

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E.On verkauft sein Stromnetz

von Andreas Wildhagen

Der Energiekonzern E.ON hat sich nach Ablauf des dritten Quartals zuversichtlicher als bislang zu seinen Jahreszielen geäußert. Der bereinigte Konzernüberschuss werde voraussichtlich nur noch drei bis fünf Prozent unter dem Vorjahr liegen, teilte der Versorger mit. Bislang hatte E.ON Einbußen von fünf bis zehn Prozent erwartet. Der Konzern hatte nach einer jahrelangen Einkaufstour angekündigt, sich von Beteiligungen im Wert von rund zehn Milliarden Euro zu trennen. Davon sind nach Angaben des Unternehmens bereits sechs Milliarden umgesetzt. Am Dienstag hatte der Konzern den Verkauf seines Höchstspannungsnetzes in Deutschland an den niederländischen Netzbetreiber Tennet für 1,1 Milliarden Euro bekanntgegeben. Auch Vattenfall verkauft sein Stromnetz.

Im mecklenburgischen Schwerin-Görries wird seit einigen Wochen kräftig gebuddelt. Nahe dem bestehenden Umspannwerk, direkt neben der alten Kasernenbrache werden zurzeit gigantische Masten in ihren Fundamenten verankert – 77 Meter hoch und mit Querauslegern, die gut zehn Meter breit sind. 70 Kilometer weiter westlich – in Krümmel, in der Nähe des wegen seiner Störfälle berüchtigten Atomkraftwerks – bietet sich dasselbe Bild. Bauherr ist der Energiekonzern Vattenfall – 50 Millionen Euro investiert das Unternehmen, damit der Strom künftig schneller als bisher über eine neue Hochspannungsleitung von Mecklenburg nach Hamburg geschickt werden kann.

Der Aufwand, den Vattenfall im Norden der Republik treibt, signalisiert Expansion und Aufschwung. Aber das täuscht. Denn Vattenfall macht zwei Dinge gleichzeitig: Einerseits baut der Konzern das insgesamt 9700 Kilometer lange Netz mit viel Aufwand aus – andererseits will er sein Netz bis Jahresende verkaufen. Verhandlungen mit einem Bieterkonsortium rund um Deutsche Bank, Allianz und dem Investmenthaus Goldman Sachs sind im vollen Gange. Geschätzter Kaufpreis: 500 Millionen Euro.

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Neuer Staatssekretär als Waffe

Mit der Verkaufsankündigung macht der staatliche schwedische Konzern, der in Deutschland praktisch die gesamte ehemalige DDR-Energiewirtschaft plus die Kommunalversorger in Berlin und Hamburg betreibt, eine Kehrtwendung wie sie radikaler nicht sein könnte. Zugleich bringt Vattenfall-Konzernchef Lars Göran Josefsson damit die drei anderen Großversorger in Deutschland in Zugzwang – und verschafft sich das Image eines Vorreiters, was Konzernentflechtung und freieren Wettbewerb angeht.

Auch E.On ist nachgezogen und kündigte gestern an, sein Netz für 1,1 Milliarden Euro an den niederländischen Netzbetreiber Tennet zu verkaufen. Damit wirken die beiden anderen Stromversorger RWE und EnBW wie störrische Außenseiter, wie der real existierende Beweis für den seit jeher von Verbrauchern und Industrie vorgetragenen Verdacht, dass die Konzerne mit -ihren Stromnetzen das Land in Versorgungszonen aufteilen, um Wettbewerb zu verhindern.

Sobald der Verkauf des zusammen rund 33 000 Kilometer langen Stromnetzes von E.On und Vattenfall abgeschlossen ist, sind gut zwei Drittel des gesamten deutschen Stromnetzes in den Händen unabhängiger Betreiber. Das im Besitz von RWE und EnBW verbleibende Drittel wäre dann die letzte Bastion überkommenen Monopoldenkens, bei dem Produktion, Vertrieb und Transport in einer festen Hand liegen.

Vorwurf der Wettbewerbsbehinderung

Doch es gibt einige, die diese Bastion schleifen wollen, weil sie wettbewerbsfeindliches Verhalten von Konzernen nicht länger dulden mögen. Ganz vorn die EU-Wettbewerbskommission, die die deutschen Energieversorger E.On und RWE wegen Verdachts auf Marktmissbrauch schon seit geraumer Zeit mit Razzien und Klagen überzieht. Auch das Bonner Kartellamt hat die Versorger im Visier. Dessen scheidender Präsident Bernhard Heitzer – er wechselt spätestens im Januar als Staatssekretär ins Wirtschaftsministerium – ist überzeugt, dass der Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt nicht funktioniert.

Vom Vorwurf der Wettbewerbsbehinderung können sich nur die Energiekonzerne befreien, die ihre Netze verkaufen und in unabhängige Hände geben – also an reine Netzbetreiber, die nichts mit Stromverkauf und Stromproduktion zu tun haben. Dieses Kriterium erfüllen in Europa vor allem das britische Unternehmen National Grid und die börsennotierte italienische Terna. Infrage kämen aber auch amerikanische Unternehmen wie die ITC Transmission aus Detroit. ITC konzentriert sich ausschließlich auf den Transport von Strom.

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