Energiekonzerne: Die Zukunft der vier Strom-Mächte

Energiekonzerne: Die Zukunft der vier Strom-Mächte

Bild vergrößern

Atomkraftwerk Biblis (RWE)

von Andreas Wildhagen

Einigkeit war mal: Nach den Wahlen hat jeder der großen Energiekonzerne in Deutschland völlig unterschiedliche Interessen.

Es ging einmal die Mär vom Energiekonsens durch die deutschen Landen. Der setzte voraus, dass sich Stromerzeuger und Politik an einen Tisch setzen und Dinge beschließen, die für alle schmerzhaft sind. Die einen wollten Atomstrom für 4 Cent die Kilowattstunde erzeugen und sie für 22 Cent an den Haushaltskunden verkaufen - die anderen wollten die Gefahren der Kernenergie zumindest zeitlich begrenzen. Das nannte sich gleich zweimal Energiekonsens - einmal 2001, als die Laufzeitbegrenzungen für damals noch 18 deutsche Atommeiler beschlossen wurden (das längst stillgelegte AKW Stade an der Elbe, schräg gegenüber dem Hamburger Nobelvorort Blankenese, gehörte noch dazu). 2010, im vergangenen Herbst, wurde das Rad unter der schwarz-gelben Regierung in die andere Richtung gedreht. Diesmal waren Laufzeitverlängerungen an der Reihe. Energiekonzerne und Bundesregierung einigten sich ein weiteres Mal, nur ganz anders.

Energiekonzerne driften auseinander

Die große Konsens-Schaukel geht mal zurück, mal vor. Auf ihr müssen aber Protagonisten sitzen, die sich in ihren jeweiligen Interessen zumindest untereinander schon vorher einig sind. Die Regerungskoalition zum Beispiel muss sich über Stop, Moratorien oder Laufzeitverlängerungen jeweils einig sein. Und auch die Energieindustrie muss einen Block bilden, der mit klarem Profil den Interessen der Politiker entgegentritt.

Anzeige

Das ist seit Sonntag anders. Die vier großen Energieversorger, einst in Einigkeit fest, zersplittern sich in ihren Zielen und Interessen. Die Versorger E.On und RWE zum Beispiel haben öffentlich kundgetan, gegen das dreimonatige Moratorium der Kanzlerin, in dem sieben Kernkraftwerke zunächst stillstehen, erst einmal zu klagen. Das wird zur Zeit in den Rechtsabteilungen der Versorger geprüft. Bis zum 18. April müssten diese Klagen in den jeweiligen Umweltministerien der Länder und im Kanzleramt eingehen, damit sie noch rechtliche Wirkung erzielen. E.On-Chef Johannes Teyssen dagegen, hat bereits die Wirksamkeit solcher Klagen relativiert. Gegen eine solche Anweisung sei auch das Aktienrecht nicht instrumentalisierbar, sagte er dem Sinne nach. Aktionärsinteressen werden vom Management beider Versorger ins Feld geführt, die durch eine plötzlichen Stopp der Gewinnmaschinen AKW nicht ausgetrocknet werden dürften. Das Atomgesetz vom Herbst 2010 stünde dagegen.

E.On hat die weichste Formulierung einer Klageandrohung bisher formuliert, es werde geprüft. RWE dagegen hat bisher am entschlossensten eine Klage gegen das Moratorium angekündigt. Dabei müsste gerade RWE vorsichtig sein, denn an die 20 Prozent seiner Aktionäre sind Kommunen, deren Landräte und Oberbürgermeister zur Zeit nicht mehr so sicher sind, ob sie einen klaren Atomkurs - RWE betreibt zum Beispiel die Meiler Biblis A und B - als RWE-Aktionäre unterstützen sollten. Ist das Moratorium der Kanzlerin in ihrem Interesse, dann wäre der maßgebliche und bestimmende Aktionär auf der Seite der Atomskeptiker. Das Argument "Aktionärsinteresse" wäre beim Versuch, den Stopp der sieben ältesten deutschen Kernkraftwerke aufzuhalten, nur ein stumpfes Schwert.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%