Energiekonzerne: Drama um Stromerzeuger

ThemaEnergiewende

Energiekonzerne: Drama um Stromerzeuger

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Johannes Teyssen

von Andreas Wildhagen

Die größten deutschen Energieversorger E.On und RWE haben kein schlüssiges Konzept für die Zeit nach der Energiewende. Nur: Alles soll jetzt anders werden. Dazu könnte bald auch die Verlagerung ins Ausland gehören.

Johannes Teyssen ist ein Mann der klaren Worte. Der Richtersohn mit den in erst kurzer Amtszeit als E.On-Vorstandschef ergrauten Haaren sagte vor einem Jahr diesen denkwürdigen Satz: „E.On ist wie eine Dombauhütte, ständig muss das Unternehmen restauriert und umgebaut werden.“ Das war im Mai 2010, als Teyssen gerade das Ruder beim größten deutschen Energiekonzern übernommen hatte. Heute ist er genauso frappierend ehrlich: „Wir haben keine Pläne, aber Ziele“, sagte er vorige Woche nach einer zweitägigen Strategietagung mit dem Aufsichtsrat. Selten sind die Worte eines Konzernchefs so schonungslos und niederschlagend offen ausgefallen wie die Teyssens.

Das Selbstbewusstsein der ganzen Branche in Deutschland ist ramponiert. „Energie ist zu billig“, tönte noch vor zwei Jahren Teyssen-Vorgänger Wulf Bernotat – fast platzend vor Siegesgewissheit in der politischen Auseinandersetzung. „Wir wollen nicht Berater der Bundesregierung sein“, sagt Teyssen heute und schmilzt vor Unterwürfigkeit geradezu dahin.

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Die Zeit der Dinos ist vorbei

Beim Rivalen RWE dagegen vollzieht sich der Wandel von prallem Selbstbewusstsein zur Wortkargheit etwas verspätet. Noch-RWE-Lenker Jürgen Großmann antwortete kürzlich ungerührt auf den Vorwurf, er wirke im Umbruch der Energiebranche nach dem Atomunfall von Fukushima wie einer der letzten Dinosaurier: „Die Dinosaurier haben 164 Millionen Jahre die Welt regiert.“ Seit Anfang voriger Woche ist der eingefleischte Anhänger von Kernkraftwerken quasi entmachtet, seine Wortgewalt zielt künftig ins Leere.

Zu seinem Nachfolger ab Juli 2012 kürte der Aufsichtsrat den 47-jährigen Holländer Peter Terium, einen Mann der Kammertöne. Teriums designierter Stellvertreter Rolf Martin Schmitz, Deutschland-Chef von RWE und früher Leiter des Kölner Stadtwerks Rheinenergie, hält den Ball analog dazu stets so flach, dass dieser kaum mehr auszumachen ist. „Die Sache zur Sache machen“, ist das Schmitz-Motto. Dröger kann man es nicht sagen. Das Großmann’sche Verbalfeuer, das hohen Unterhaltungswert hatte, kühlt damit in der Essener Zentrale deutlich ab.

Bei den Spitzen von E.On und RWE herrscht nun ein Vierklang der Verzweiflung: Sprachlosigkeit, Sparen, spärliche Investitionsideen und Suche nach Partnern, die Geld mitbringen oder Geschäfte besser verstehen als man selbst.

Noch nie waren Energiemanager so rat- und mutlos wie heute. Nach der Energiewende der Politik stehen sie mit offenem Mund und leeren Händen da. Grund für die ungewohnte Sprachlosigkeit ist das Fehlen eines Konzeptes, mit dem die Führungsriegen von E.On und RWE den veränderten Rahmenbedingungen der Energiebranche in Deutschland begegnen können. Einzige Reaktion bei beiden Konzernen ist bisher Sparen. Neugeschäft? Dazu wird bei RWE nichts und bei E.On nur Spärliches gesagt.

Unter der Decke blieben bei E.On bisher Pläne zur Verlagerung von Teilen des Konzerns ins Ausland. Das Unternehmen plant die Gründung einer europäischen SE-Gesellschaft. Dann wäre E.On keine deutsche, sondern eine europäische Aktiengesellschaft. Intern sei klar: 2012 bis 2013 soll die SE-Gründung abgeschlossen sein, sagen E.On-Manager. Sie sehen das als entscheidenden Schritt Teyssens, um die Zentrale von E.On ins Ausland zu verlagern. Interner Planort: Brüssel.

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