Energiekonzerne: "General Electric muss deutscher werden"

Energiekonzerne: "General Electric muss deutscher werden"

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John Krenicki, Leiter der Energiesparte des US-Technologiekonzerns General Electric

John Krenicki ist einer der mächtigsten Energiemanager der Welt, er leitet die Energiesparte des US-Technologiekonzerns General Electric (GE). In den vergangenen Tagen war er auf Europa-Tour, inspizierte das Gasmotorenwerk im österreichischen Jenbach und machte sich Gedanken über den deutschen Energiemarkt und Wettbewerber Siemens.

Nein, direkt zur Schmiergeldaffäre bei den Münchner Wettbewerbern will er sich nicht äußern, auch will er nicht direkt darauf eingehen, dass die deutsche Industrie, besonders die Kraftwerksbetreiber Siemens als ihren Haus- und Hoflieferanten ansehen und Fremde wie Alstom und GE ungern als Systempartner anheuern. Aber er wäre wohl nicht amerikanischer Manager, wenn er nicht die Anpassungsfähigkeit des Konzerns an den jeweiligen Markt als erstrebenswert ansehen würde.

Er sagt gegenüber wiwo.de: „General Electric muss deutscher werden, da sich GE als ein europäischer und wichtiger nationaler Player in jedem Markt positionieren möchte.“ Das heißt, GE plant ein CO2-freies Kohlekraftwerk auch in Deutschland. Wo es stehen soll, ist noch nicht ausgemacht. Aber die Lagerstätten für das dann abzuleitende CO2, möglicherweise in flüssiger Form, hat Krenicki schon ausgemacht: „Ich kann zwar keine Prognose abgeben, ich weiß aber, dass es im norddeutschen Raum vielversprechende Optionen gibt mit Blick auf ehemalige Gaslagerstätten, die bereits exploriert sind und somit in Frage kämen“. Gegenüber Siemens soll dabei in Deutschland das Feld der CO2-Abscheidung bei Kohlekraftwerken nicht geräumt werden. GE setzt auf Angriff.

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Krenicki ist kein ausgesprochener Experte für die Lünebürger Heide oder für das Emsland, beides Regionen von Niedersachsen, aber ein bisschen Deutschland-Know-how hat er. Zwei Jahre lang, zwischen 1997 und 1999, war er Chef der GE-Bayer-Silocones, ein früheres Gemeinschaftsunternehmen von Amerikanern und Leverkusenern – ein Joint-venture, an dem GE mit 51 Prozent die Mehrheit hatte. Krenicki arbeitete in Erkrath in Köln. Nicht weit von dort sollen bisheriger Planungen zufolge erste CO2-Leitungen der RWE-Braunkohlekraftwerke nach Norddeutschland gelegt werden. Auch Bayer plant so eine Röhre, die bei vielen Bürgern, die in der Nähe wohnen, ungute Gefühle auslösen. Proteste sind, wie bei allen großen Vorhaben der Energieindustrie, schon programmiert.

Der Blick nach Norddeutschland lässt Krenickis Herz für die CCS-Technologie, das ist die Kunst der CO2-Abscheidung, wahrlich höher schlagen. In diesen Regionen haben Experten in 800 Metern Tiefe Salinen entdeckt, die sich zur CO2-Endlagerung eignen. Es sind ausgebeutete Öl- und Gaslagerstätten, die für eine Speicherung von CO2 in Frage kommen, dort herrscht Sauerstoffarmut und ein hoher Salzgehalt, der isoliert das übrige Gestein isoliert.  Es sind dort unten allgemein lebensfeindliche Bedingungen anzutreffen, so dass ökologisch nichts zu befürchten ist. In diesen geologischen Gebieten haben Experten einen Speicherraum für rund fünf Milliarden Tonnen ausgemacht. Der CO2-Ausstoß der deutschen Kohlekraftwerke beträgt 360 Millionen Tonnen im Jahr.

Das erste CO2-freie Kraftwerk in Europa soll aber nicht deutsch sein, sondern britisch. Der Stromerzeuger Powerfuel Power Ltd beauftragte GE jüngst mit der Ausrüstung eines Gas-und Dampf-Kombikraftwerks im früheren Kohleabbaurevier Hatfield. Ende 2011 soll die Anlage in Betrieb gehen. Zwölf weitere Standorte sind in Europa in Planung. General Electric ist damit das erste Technologieunternehmen, das mit einem konkreten Plan der CO2-Abscheidung an die Öffentlichkeit tritt.

Anfang der Woche kündigte auch E.On in Rotterdam an, mit Hochdruck an einer Abscheidetechnologie zu arbeiten. Aber das kann E.On nicht allein. Das Untenehmen braucht einen kompetenten Techno-Partner, der ihm unter die Schulter greift. Wird das Siemens sein oder GE? Wenn GE „europäischer“ sein will, könnte Krenicki hier seinen ersten Großauftrag aus Deutschland in der CCS-Technologie an Land ziehen.        

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