
DÜSSELDORF. Erstmals übernehmen Finanzinvestoren einen Teil des überregionalen Stromnetzes. Der Aufsichtsrat von Vattenfall Europe will heute über den Verkauf seiner Höchstspannungsleitungen an ein Konsortium aus Goldman Sachs und Töchtern von Allianz und Deutscher Bank entscheiden, wie es am Wochenende in Kreisen des Unternehmens hieß. Schon in wenigen Wochen dürfte Eon ebenfalls den Verkauf seines Netzes abschließen. Die Konkurrenten RWE und Energie Baden-Württemberg (EnBW) dagegen halten hartnäckig an ihren Netzen fest.
"Die Entscheidung ist gefallen", hieß es in den Kreisen. Das Konsortium werde Vattenfalls Übertragungsnetz im Nordosten Deutschlands übernehmen. Ein Sprecher wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren. Er bestätigte lediglich, dass der Verkauf noch in diesem Jahr abgeschlossen sein soll.
Mit 9 700 Kilometern hat Vattenfall das drittgrößte der Höchstspannungsnetze - der Stromautobahnen, die den Strom überregional transportierten, bevor sie über regionale Netze weiter verteilt werden. Vattenfall versorgt 18 Millionen Bürger. 2008 setzte die Tochter Vattenfall Europe Transmission 3,6 Mrd. Euro um - allerdings inklusiver hoher Erlöse aus der per Gesetz verfügter Einspeisung von erneuerbarer Energie, die weitergereicht werden. Das Unternehmen selbst konnte Entgelte für den Transport von rund 584 Mio. Euro kassieren.
Der Kaufpreis wird in Branchenkreisen auf rund 500 Mio. Euro taxiert. Das ist deutlich weniger als zunächst erwartet. Zu Beginn des Prozesses vor einem Jahr hatte Vattenfall noch ein Dutzend Interessenten angelockt. Damals war über eine Summe von einer Mrd. Euro spekuliert worden. Durch die Finanzkrise wurde der Prozess dann aber belastet.
Lange Zeit galt der Verkauf des Stromnetzes als Tabuthema in der Branche. Während es im Ausland, beispielsweise in Großbritannien, schon lange reine Netzbetreiber gibt, wollten die deutschen Stromkonzerne die komplette Kette von der Stromproduktion über den Transport bis zum Vertrieb kontrollieren. In den vergangenen Jahren drängte aber vor allem die EU-Kommission auf eine Entflechtung, um Konkurrenten einen fairen Zugang zum Netz zu gewährleisten. Eon verpflichtete sich im Rahmen eines Kartellverfahrens zum Verkauf des Netzes. Vattenfall-Chef Lars Göran Josefsson entschied sich freiwillig dazu.
Für beide Unternehmen ist der Netzbetrieb besonders schwierig. Ihre Gebiete liegen an der Nord- beziehungsweise Ostsee. Sie müssten wegen des geplanten Ausbaus der Windkraft in den kommenden Jahren Milliarden in den Ausbau des Netzes und den Anschluss der Parks investieren. In der Stromproduktion könnten sie mit diesem Geld hohe zweistellige Renditen erzielen. Für die Finanzinvestoren ist das Kalkül ein anderes. Sie investieren in ein Geschäft, dass ihnen wegen der Regulierung durch die Bundesnetzagentur zwar keine übertrieben hohen, aber langfristig kalkulierbare Renditen im höheren einstelligen Bereich verspricht.
Das Konsortium aus Allianz, Deutscher Bank und Goldman Sachs hatte sich auch für Eons Netz interessiert, mit 10 700 Kilometern geringfügig kleiner als das der Nummer eins, RWE. Angedacht war damit eine Netz AG. Inzwischen gilt aber der niederländische Netzbetreiber Tennet in Branchenkreisen als Favorit.













