Energiepolitik: Druck zur kompletten Entflechtung der Energieversorger steigt

Energiepolitik: Druck zur kompletten Entflechtung der Energieversorger steigt

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Strommasten vor einem Kraftwerk: Der Energieriese E.On will seine Stromnetze verkaufen - und liegt damit voll auf EU-Linie bei der Entflechtung der Stromkonzerne.

Schwierige Ausgangslage für Angela Merkel: Gestern stellte sich EU-Kommissionspräsident Barroso gegen das deutsche Modell zur Entflechtung der Stromversorger, bei dem die Erzeuger bei ihren Netztöchtern noch ein Wörtchen mitzureden hätten. Deutsche Stromkonzerne wie E.On schwenken längst auf den EU-Kurs einer kompletten Trennung von Stromerzeugung und Netzbetrieb ein - und bringen die deutsche Bundesregierung am heutigen EU-Gipfel in eine mißliche Lage.

Unmittelbar vor dem EU-Gipfel hat Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso einen deutschen Alternativvorschlag zur Entflechtung der Energieversorger abgelehnt. „Der Vorschlag Deutschlands und Frankreichs zur Entflechtung der Energiekonzerne reicht nicht aus“, sagte Barroso im Gespräch mit dem Handelsblatt (hier das Interview im Wortlaut) und fünf weiteren europäischen Zeitungen.

Die von der EU-Kommission vorgesehene eigentumsrechtliche Aufspaltung der Versorger in getrennte Unternehmen für Produktion und Netzbetrieb sei der beste Weg zu mehr Wettbewerb auf den Energiemärkten. „Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um dieses Modell durchzusetzen“, sagte Barroso dem „Handelsblatt“.

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 Die Bundesregierung lehnt die eigentumsrechtliche Aufspaltung der Energiekonzerne entschieden ab und will auf dem Treffen der EU-Staats-und Regierungschefs am heute und morgen in Brüssel für das deutsch-französische Alternativmodell werben. Dem Gegenvorschlag zufolge, den insgesamt acht EU-Länder favorisieren, hätte die Muttergesellschaft über das Budget der unabhängigen Netztochter noch mitzuentscheiden.

Bei den deutschen Stromkonzernen setzt offenbar ein Umdenken ein. Vor kurzem kündigte der Düsseldorfer Energieriese E.On an, sich von seinem Stromnetz trennen zu wollen. Nach WirtschaftsWoche-Informationen hat E.On bereits einen Interessenten für das 11.300 Kilometer lange Netz: Die spanischen Baukonzerne ACS und Acciona stehen für einen Einstieg bereit. Auch andere Stromerzeuger wie RWE  und EnBW denken bereits über eine Trennung von Erzeugung und Stromnetzen nach. Mit seiner Ankündigung hat E.On die deutsche Bundesregierung, die sich bisher strikt gegen eine komplette Aufspaltung in Stromerzeuger und Netzbetreiber wehrte, in eine peinliche Lage gebracht (hier finden Sie einen ausführlichen Hintergrundbericht). Der Vorteil für die Verbraucher: Die Strompreise dürften bei einer Aufspaltung laut Energieökonomen deutlich sinken.

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