Energiepolitik: Gazprom expandiert in Deutschland

Energiepolitik: Gazprom expandiert in Deutschland

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Gazprom Gasleitungen: Starkes Argument für sächsische Politiker

von Florian Willershausen und Andreas Wildhagen

Der Energieriese will seine Beteiligungen in Deutschland aufstocken und direkt an Endkunden liefern. Während Gazproms Expansionspläne sonst für einen Aufschrei sorgten, gibt es diesmal Beifall für die Russen.

Der russische Energieriese Gazprom ist aus dem Sommerschlaf erwacht und macht pünktlich zu Beginn der Heizsaison Schlagzeilen. Erst will der Konzern in Leipzig seinen Anteil an Deutschlands drittgrößtem Gashändler aufstocken, der Verbundnetz Gas (VNG). Dann warnt Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin in Brüssel wieder einmal davor, dass die Ukraine mit der Bezahlung ihrer Gasrechnungen in Verzug kommen könnte, und deutet an, dass Gazprom auch in diesem Winter dem Land den Gashahn zudrehen könnte.

Gazprom als Waffe Putins – zunehmend macht dieses Image dem Konzern zu schaffen. Seit Jahren versucht er, seine Präsenz in Westeuropa auszubauen, vor allem im Endkundengeschäft. Schon heute hält Gazprom 50 Prozent am Kasseler Energiehändler Wingas, die andere Hälfte gehört der BASF-Tochter Wintershall. Wingas ist nach E.On Ruhrgas die Nummer zwei im deutschen Markt. Gazprom jedoch will mehr, doch stets sorgen Gerüchte über einen Einstieg des Konzerns bei Stadtwerken oder Regionalversorgern für politische Entrüstung.

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Argumente für Gazprom

Diesmal allerdings bleibt ein solcher Aufschrei aus. Indem der französische Gasversorger GdF Suez seine gut fünf Prozent an der VNG an Gazprom abtritt, würden die Russen in Leipzig an Einfluss gewinnen. Im Gegenzug soll GdF einen Anteil an der Ostseepipeline bekommen, an der Gazprom 51 Prozent hält. Nach dem Tausch würden Gazprom 10,52 Prozent der VNG gehören. Gemeinsam mit dem alten Wingas-Partner Wintershall, der 15,78 Prozent an der VNG hält, reichte das sogar für die Sperrminorität.

In Leipzig sieht man dies gern – nicht nur, weil einige ältere Gaseinkäufer die Gazprom-Manager aus jahrzehntelangen Kontakten gut kennen, die bis in DDR-Zeiten zurückreichen. Diese „persönlichen Geschäftsverbindungen gehören zum wichtigsten Vermögensbestand, über den die VNG verfügt“, sagte VNG-Chef Klaus-Ewald Holst. Auch verhindert ein größeres Engagement der Russen, dass die baden-württembergische EnBW über ihre Oldenburger Tochter EWE nach der Mehrheit im Konzern greifen kann.

Derzeit hält die EWE fast 48 Prozent an der VNG. Da ist die Angst nicht unbegründet: Durch den stärkeren Einstieg der Russen sichert das VNG-Management seine Unabhängigkeit, da die Baden-Württemberger ihren Anteil nun eher absenken dürften. Zudem verhindert es, dass EnBW irgendwann den Unternehmenssitz in Leipzig infrage stellt. Das dürfte auch bei sächsischen Politikern ein Argument für die Russen sein.

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