Energiepolitischer Appell: Ein Maschinenbauer kartet nach

KommentarEnergiepolitischer Appell: Ein Maschinenbauer kartet nach

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Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, Oliver Bierhoff, Teammanager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, der Vorstandsvorsitzende der Bahn AG, Rüdiger Grube, Eckhard Cordes, Vorstandsvorsitzender der Metro Group, der Eon-Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen, der Europa-Chef Vattenfall, Tuomo Hatakka, Hans-Peter Villis, Vorstandsvorsitzender der Energie Baden-Württemberg (EnBW), der Vorstandsvorsitzende der RWE AG, Jürgen Großmann

von Andreas Wildhagen

Nach der umstrittenen Anzeige der Stromwirtschaft gegen die Energiepolitik der Bundesregierung meldet sich nun ein Maschinenbauer zu Wort, der nicht unterschrieben hat. "Die Energiewirtschaft solle erst einmal mehr für mehr Wettbewerb sorgen", fordert er.

Nein, diesen Text unterschreiben wollte er nicht, sagt der Vorstand eines prominenten deutschen Maschinen- und Anlagenbauers fast schon zornig.

Die Anzeige, die vor zehn Tagen von RWE-Chef Jürgen Großmann mit Hilfe des BDI quasi als Initiative der deutschen Industrie gegen die Brennelementesteuer gestartet wurde, enthielt vierzig Unterschriften von so prominenten Industrievertretern wie Gerhard Cromme von ThyssenKrupp, Bahnchef Grube und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

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Auffällig waren diejenigen, deren Unterschrift fehlte, obwohl sie sich häufig zu Wort melden.

So blieb der "Energiepolitische Appell" von Teilen der Industrie höchst umstritten.

Vassiliadis ohne Einwilligung

Siemens-Chef Peter Löscher beispielsweise war nicht dabei. Bei Siemens erzählt man sich, dass es sogar zu einem persönlichen Telefongespräch zwischen Grossmann und Löscher gekommen sei, das von Löscher inhaltlich mit einem "Nein" beendet wurde.

Siemens wolle sich an solchen Aktionen nicht beteiligen. Punktum.

Peinlich war zudem, dass die Unterschrift des Gewerkschaftschefs Michael Vassiliadis, in der Energiewirtschaft höchst einflussreicher Lenker der IG BCE, völlig unautorisiert unter dem Text des sogenannten "Energiepolitischen Appells" stand. Vassiliadis wollte nicht unterschreiben, und hat es auch nie getan.

Die Anzeige führte mit seinem niemals gegebenen Einverständnis gehörig in die Irre. Er war nicht mit der Anzeige einverstanden und stand trotzdem darunter. Der kleinlaute Entschuldigungsbrief von RWE traf postwendend in der hannoverschen Hauptverwaltung der Gewerkschaft am nächsten Tag ein.

"Die Energiewirtschaft solle erst einmal mehr für mehr Wettbewerb sorgen"

Nun meldet sich der prominente Anlagenbau-Vorstand zu Wort - etwas verspätet und vor allem ohne mit Namen auftreten zu wollen.

Im Telefongespräch mit der WirtschaftsWoche betont er, sich nicht offen mit der Energiewirtschaft anlegen zu wollen. Warum? Das sagt er nicht. Wohl aber, dass ihm die Haare zu Berge stiegen, als man von ihm an einem Freitagnachmittag "eine Blankounterschrift unter einem Anzeigentext, der noch gar nicht vorlag", verlangte. Er sagte nein, aber auch, weil Industrieaktionen wie diese in früheren Zeiten keinen Erfolg hatten. So schaltete der BDI in den achtziger Jahren Anzeigen mit dem vollumundigen Text "Wir können nicht länger schweigen".

Das habe alles nichts genutzt, sei sinnlos verpufft. "Bei solchen Aktionen gibt es nur Verlierer", sagt der Anlagenbauer.

Aber dann wird er doch noch etwas härter im Ausdruck: "Die Energiewirtschaft solle erst einmal mehr für mehr Wettbewerb sorgen", sagt der Ingenieur.

"Ich ärgere mich über die viel zu enge Verbandelung der Energiewirtschaft mit der Politik. Und die Versorger schaffen es immer wieder, ihre Übergewinne mit Hilfe der Politik zu schonen", so der Industriechef. Außerdem "herrsche in der Energiewirtschaft noch immer viel zu viel Korruption vor, was in der Vergangenheit Ausflugsfahrten der Großversorger mit Kommunalpolitikern in die nordländischen Gasfelder zeigten". All das wäre in der Industrie ein Tabu.

Starker Tobak, harte Worte. Aber auch eine ehrliche, spontane Reaktion, eines Mannes, der kein Blatt vor den Mund nimmt.

Der Manager, der dieses sagt, ist bisher nicht als Querulant aufgefallen, geschweige denn als Kernkraftgegner. Für längere Laufzeiten ist dieser Industrievorstand auch. Er tritt gelegentlich für die Bundesregierung ein und zeigt sich öffentlich immer wieder als CDU-naher, konservativer, unternehmerisch denkender Manager, dem ein gutes Verhältnis zur Politik gelegentlich wichtiger ist, als "ein Schuss, der nach hinten losgeht".

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