Energieversorger: Strompreis hochgedreht

Energieversorger: Strompreis hochgedreht

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Stecker und Steckdose

von Andreas Wildhagen

Ökoumlagen verursachen zwar einen Teil der steigenden Strompreise. Doch die Anbieter langen oft stärker zu als nötig.

Eigentlich sollen Markennamen wie diese Vertrauen, Geborgenheit und eine gewisse Bezahlbarkeit ausstrahlen: Fair Strom, Family Energy oder Komfort Tarif. Doch trotz allem Wohlfühl- Wortgeklingel flattern Ende November Briefe mit Preiserhöhungen in die Briefkästen vieler Privathaushalte. 400 der 900 Stromversorger in Deutschland kündigten vergangene Woche an, ihre Tarife nach oben zu schrauben, im Durchschnitt um etwa sieben Prozent. Konzerne wie RWE mit ihrem RWE-Klassik-Strom sind dabei (plus 3,7 Prozent), Stadtwerke wie Rheinenergie Köln mit mehr als 14 Prozent und auch kleine Provinzversorger wie die Stadtwerke Lüdenscheid mit sieben Prozent oder die in Solingen mit mehr als neun Prozent. Die Briefköpfe mit den Fair-Family-Komfort–Marken wirken da plötzlich weit weniger freundlich.

Durchgängig gibt es vor allem einen Sündenbock für die happigen Aufschläge: die teure Einspeisung von Ökostrom in die Netze, zu denen die Versorger trotz preiswertem Atom- und Kohlestrom verpflichtet sind. Solar, Wind & Co. machen – glaubt man den Versorgern – den Extra- Schluck aus der Pulle unumgänglich.

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Anders sehen das allerdings so unterschiedliche Kritiker wie Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher, und Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur in Bonn. Der Chef der Kontrollbehörde, die darüber wacht, dass die Anbieter der Stromnetze ihre Monopolstellung nicht ausnutzen, hält die Begründung für die Erhöhungen für „mehr als ungerechtfertigt“. Und Verbraucheranwalt Peters brandmarkt die Aufschläge als „Milliarden-Raubzug der Stromkonzerne“.

Das Ökofieber kommt teuer – aber nicht so teuer, wie die Konzerne behaupten. E.On, RWE, Vattenfall und EnBW vermuten, dass die installierte Leistung der erneuerbaren Energien von derzeit rund 52 Gigawatt bis 2015 auf 86 Gigawatt steigen wird.

Die Kosten dafür können sie auf die Rechnungen der Haushalts- und Industriekunden abwälzen. Die Subventionen für die erneuerbaren Energien, die vom Stromkunden gezahlt werden, liegen 2010 bei 8,2 Milliarden Euro. Geschätzt wird in der Branche, dass diese Zuschüsse, die Verbraucher durch die Umlage zahlen, 2011 auf 13,8 Milliarden Euro steigen.

Preissenkungen gefordert

Dennoch kritisiert Verbandschef Peters: „Es stimmt, dass die Ökoumlage steigt, aber es stimmt genauso, dass die Versorger den Strom jetzt billiger produzieren können.“ Er spielt dabei auf die gesunkenen Rohstoffpreise der vergangenen Jahre an. „Die höheren Belastungen weiterzugeben und die gesunkenen Kosten nicht, das ist unfair.“

Amtlich kommt es vom Präsidenten der Bundesnetzagentur: „Die Vermarktung größer werdender Mengen erneuerbarer Energien wirkt sich senkend auf die Großhandelspreise aus“, argumentiert Chefregulierer Kurth. Demnach verbleiben den Konzernen bei einem durchschnittlichen Strompreis von 23,42 Cent pro Kilowattstunde abzüglich Abgaben und Netzentgelten 8,11 Cent. Die Energiebeschaffungskosten schätzt Kurth auf 5 Cent pro Kilowattstunde, da bliebe „Spielraum für Preissenkungen“.

Es droht allerdings bald ein weiterer Kostentreiber: Emissionsrechte. Bis 2020 soll der Ausstoß von CO2 in Europa um 40 Prozent sinken, bis Mitte des Jahrhunderts sogar um 80 Prozent. Mit dem Beginn der dritten Phase der EU-Emissionspolitik 2013 wird es noch teurer. Seit 2005 wurde den Versorgern ein Teil der Verschmutzungsrechte geschenkt. Ab 2013 müssen sie vollständig ersteigert werden.

Das schlägt den Versorgern ins Kontor. Denn sie sind mit ihren Kohlekraftwerken die größten Luftverschmutzer. Rund 160 Millionen Tonnen CO2 jährlich stößt RWE aus. Dafür muss der Konzern in diesem Jahr erstmals eine Milliarde Euro zahlen, ab 2013 sogar das Doppelte. Folge: Der Konzern investiert zusätzlich in erneuerbare Energien. Und der Preisdreh geht weiter nach oben.

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