Energieversorger : Vattenfall will Polengeschäft verkaufen

Energieversorger : Vattenfall will Polengeschäft verkaufen

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Ein Aktivist sitzt am Montag (25.10.10) in Berlin bei einer Demonstration gegen Atomkraft mit einer Flagge vor dem Reichstag.

von Andreas Wildhagen

Der staatliche schwedische Energiekonzern Vattenfall, der auch in Deutschland als drittgrößter Stromversorger vertreten ist, will sich unter dem neuen Vorstandschef Oeystan Löseth völlig neu aufstellen.

So sollen die europäischen Töchter einer genauen Wirtschaftslichtkeitsanalyse unterworfen werden. Kernregionen von Vattenfall sollen weiterhin Skandinavien, Deutschland und die Niederlande sein.

Dahingegen soll die Region Polen in nächster Zeit ganz aufgegeben werden. In Polen, so die interne Analyse von Vorstandschef Löseth, ist der Kraftwerkspark viel zu alt, als dass sich Investitionen dort in den nächsten dreissig Jahren lohnen würden. 

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Hinzu kommen Kosten für Emissionsrechte, die Polen für Vattenfall zu unwirtschaftlich werden lassen. 

Das Krümmel-Verhältnis zwischen Vattenfall und E.On ist gespalten

Für den Lenker des mitteleuropäischen Vattenfall-Geschäfts Toumo Hatakka ist dies ein herber persönlicher Rückschlag.

Denn bevor er vor zwei Jahren infolge der Zwischenfälle im Kernkraftwerk Krümmel bei Hamburg Nachfolger von Klaus Rauscher wurde, verantwortete er für den damaligen Vattenfall-Chef Lars Göran Josefsson das Energiegeschäft in Polen, fasste mit seiner Familie in Warschau Fuß und lernte polnisch. Für Josefsson-Nachfolger Löseth, der als Mitbegründer des früheren Billig-Stromanbieters Nuon streng vertriebsorientiert ist, sind große Kohlekraftblöcke mit hohen Emissionen nur überflüssige Klötze am Bein.

Die Stellung von Hatakka soll aber unter dem neuen Vattenfall-Chef unangefochten sein, heißt es. Hatakka wird nun in Stockholm daran gemessen, wie schnell er es schafft, die lukrativen Atommeiler Krümmel und Brunsbüttel - beide sind nach Zwischenfällen seit Sommer 2007 abgeschaltet - wieder ans Netz zu bringen.

Es gibt zwei Hürden bei diesem Versuch: In Schleswig-Holstein herrscht auch unter der schwarzgelben Koalition große Atomskepsis. Im urtümlichen Land zwischen den Meeren beäugt man große Industrieanlagen, die den Blick auf den weiten Horizont versperren meist überaus kritisch.

Daraus hat die Regierung unter Peter Harry Carstensen (CDU) gelernt, besonders der Koalitionspartner FDP unter Führung des streitbaren Wolfgang Kubicki will unter allen Umständen verhindern, dass Krümmel von Schwarzgelb in Kiel wieder satisfaktionsfähig ist - mit verheerenden Folgen für die kommenden, vorgezogenen Landtagswahlen im Herbst 2012, die aufgrund einer Wahlrechtsänderung ausgerufen werden mussten.

Der stellvertretende Ministerpräsident Heiner Garg (FDP) gilt als vorsichtiger Taktierer in der Sache Krümmel und Brunsbüttel, die beide auf schleswig-holsteinischen Terrain liegen.

Keiner der konsvervativen Politiker will sich von den Herausforderern SPD und Grünen vorwerfen lassen, die Atompolitik im Lande zu forcieren. So muss Vattenfall zumindest politisch damit rechnen, dass beide Meiler nicht vor Oktober 2012 wieder in Betrieb genommen werden.

Damit will sich Hatakka nicht abfinden, berichten Kernenergiemanager von E.On in Hannover. Sie sind von Vattenfall fest eingebunden worden in der Gesprächoffensive, die Hatakka offenbar gegenüber der Kieler Atomaufsicht für die Wiederinbetriebnahme von Krümmel und Brunsbüttel in Gang gesetzt hat.

E.On ist 50prozentiger Teilhaber von Krümmel und hat ein gewichtiges Wörtchen mitzureden - auch weil E.On Betreiber des weitgehend unbeanstandeten Kernkraftwerks Brokdorf ist, das als dritter Nordlicht-Meiler mitten in Schleswig-Holstein liegt.

Doch die Betreiberrolle bei Krümmel hat Vattenfall. E.On ist nur Teilhaber und Leidtragener der mißratenen Kommunikationspolitik unter Klaus Rauscher - und auch Lars Göran Josefsson, der Rauscher nach den Zwischenfällen kurzfristig zum Bauernopfer ernannt hatte - bevor er selber gehen musste.

E.On ist dabei Vattenfall nicht sehr gewogen gewesen. Der frühere E.On-Chef Wulf Bernotat ließ nach den Zwischenfällen von Krümmel sogar streuen, E.On wolle die Betriebsführerschaft von Vattenfall aufgrund eines behördlichen Bescheids übertragen bekommen.

Das konnte Hatakka damals abwehren. Doch das Krümmel-Verhältnis zwischen Vattenfall und E.On ist seitdem gespalten.

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