Energieversorger: Warum bei E.On, RWE und Co. die Nerven blank liegen

Energieversorger: Warum bei E.On, RWE und Co. die Nerven blank liegen

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Absturz - Die Neun-Monats-Bilanz von E.On und RWE fiel prächtig aus. Doch die Milliardengewinne konnten nicht verhindern, dass der E.On-Kurs seit Mai dieses Jahres um rund 20 Prozent abstürzte. Anleger sehen E.On und RWE als gefesselte Riesen, die keine mitreißende Strategie haben.

von Andreas Wildhagen

In den Chefetagen zerstritten, bei den Verbrauchern verhasst, von den Anlegern gemieden – ausgerechnet auf dem wirtschaftlichen Höhepunkt wachsen bei den Energiekonzernen die Zweifel an ihrer Zukunftsfähigkeit. Wohin taumeln E.On, RWE & CO?

Johannes Teyssen, der Chef des Düsseldorfer Energiekonzerns E.On, spricht gern in einem Ton, den niedersächsische Landbewohner pflegen: vordergründig mitteilsam, doch im Grunde immer das Gleiche auf den Lippen. Selten oder nie lässt sich der gebürtige Hildesheimer aus der Reserve locken. Wenn ihn etwas wurmt, bedient er sich kleiner Lästereien und Sottisen, die er dann aber umso giftiger abschießt.

Vorvorige Woche Mittwoch, in der Konzernzentrale von E.On in Düsseldorf, ist wieder so ein Moment. Die aufgeräumte Art, mit der Teyssen die Neunmonatszahlen und die Konzernstrategie vorträgt, merken Vertraute schnell, kaschiert mehr, als seine Worte aussagen. Ruhig präsentiert der 51-Jährige die Neunmonatszahlen – ein Rekordergebnis.

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Teyssen ist seines Vorgängers überdrüssig

Doch in Wahrheit will Teyssen etwas anderes. Trotz der acht Milliarden Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern muss er zugeben, das die E.On-Aktie seit seinem Amtsantritt im Mai um 20 Prozent in den Keller stürzte. Wer hat Schuld an dem Desaster? Teyssen wendet sich an 50 Journalisten und erzählt, wie peinlich ungeschickt sich sein Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann in Sitzungen des Gremiums gelegentlich anstelle. „Er findet den Knopf des Mikrofons nicht“, lässt Teyssen die Runde wissen, „und kann erst sprechen, wenn ein Helfer hinzukommt.“

Die Botschaft Teyssens schien klar: Er ist seines Vorvorgängers überdrüssig. Letztlich war der es, der E.On die heutige Gestalt und die Anmutung gab, die den Börsianern nun immer suspekter wird.

Nicht nur bei E.On, auch eine halbe Autostunde entfernt beim Branchengiganten RWE in Essen liegen die Nerven blank. Als Finanzchef Rolf Pohlig einen Tag nach Teyssen ebenfalls glänzende Quartalszahlen präsentiert, kann auch er nicht mehr an sich halten. Der 57-Jährige, seit Langem mit Konzernchef Jürgen Großmann über Kreuz, nutzt die krankheitsbedingte Abwesenheit seines Vorsitzenden und säuselt: „Jürgen und ich kommen aus derselben Stadt, sein Klassenlehrer war mein Mathematiklehrer.“ Und dann der Tiefschlag: „Es ist Sache des Aufsichtsrates“, so Pohlig, „den Vorstand so zusammenzustellen, dass die Meinungen zusammenpassen.“ Klarer hätte er das Zerwürfnis im RWE-Vorstand nicht beschreiben und zum Showdown aufrufen können.

Verklagt und verhasst

Im Jahr elf der Liberalisierung schlittert die Branche in ihre wohl tiefste Sinnkrise seitdem der deutsche Industrielle Emil Rathenau 1887 bei Berlin den ersten Strommast im Lande aufstellen ließ. Machtkämpfe halten Einzug in Chefetagen und Aufsichtsräte. Stromkunden verklagen die Unternehmen und hassen sie wegen ihrer ständigen Strompreiserhöhungen. Börsenanalysten finden die Geschäftspolitik „uninspiriert“ und schicken die Aktienkurse in den Keller. Noch nie leisteten so viele Deutsche Widerstand gegen Atommülltransporte. Gleichzeitig sehen Fiskalpolitiker aller Couleur in Berlin und in den Landtagen in den eben noch Gehätschelten willkommene Melkkühe, um die öffentlichen Kassen zu füllen.

Keine Frage, ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Milliardengewinne fehlt E.On, RWE und Co. eine konsistente Strategie, wie sie die neue Gemengelage meistern und in den kommenden Jahren wachsen können. Fast schon verzweifelt wirkte Teyssen mit seiner Idee am vorvorigen Mittwoch, in Schwellenländern ins Geschäft mit Kraftwerken einzusteigen, die ausschließlich Strom produzieren und den in fremde Netze einspeisen. E.On-Nachbar Steag hat mit drei solchen Anlagen in Kolumbien, in der Türkei und auf den Philippinen nicht die besten Erfahrungen gemacht. Die Konzernmutter Evonik will sich von der Tochter unter anderem auch deshalb trennen.

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