_

Energieversorger: Warum das E.On-Netz verstaatlicht wird

von Andreas Wildhagen

Der kommunale holländische Netzbetreiber Tennet kauft das Netz des Düsseldorfer Stromkonzerns. Damit beginnt ein Experiment: Reine Netzbetreiber wollen viel Geld verdienen.

Ein E.On-Mitarbeiter: Der Quelle: dpa
Ein E.On-Mitarbeiter: Der deutsche Energiekonzern hat sein Stromnetz an den niederländischen kommunalen Netzbetreiber Tennet verkauft Quelle: dpa

Im großen, holzgetäfelten Konferenzsaal des Düsseldorfer Stromkonzerns E.On waren deutsche und holländische Journalisten zusammengekommen, um E.On-Chef Wulf Bernotat und dem hageren Mel Kroos, Chef des holländischen Stromnetzbetreibers Tennet, zu lauschen. Für 1,1 Milliarde Euro geht das E.On-Stromnetz nun an Tennet.

Anzeige

Das deutsche Netz schlängelt sich in der Mitte Deutschlands von Flensburg bis an den Starnberger See, berührt weder Ostdeutschland, wo sich Vattenfalls Stromgeflecht befindet, noch den Westen der Republik, wo RWE der Platzhirsch ist. Zusammen mit dem holländische Netzteil sieht das Tennet-Netzgebiet in Europa nun aus wie der Schattenriss einer Rohrzange. In ihm wollen die Holländer nun zeigen, dass der Transport von Strom ein lohnendes Geschäft ist.

Das wurde bisher von den großen Energieversorgern E.On, RWE, Vattenfall und der baden-württembergischen EnBW vehement bestritten. Zu gering sei die Rendite klagten sie, zu hoch seien der Investitionsaufwand. Die Bundesnetzagentur wacht darüber, dass nicht zuviel in den Netzen verdient wird. Neun Prozent Eigenkapitalrendite dürfen die Betreiber bei Neuinvestitionen machen, 7,6 Prozent bei alten Hochspannungsleitungen. Das ist für Versorger nur ein Zubrot: Denn Kernkraftwerke bringen 20 Prozent und mehr. Und die Chance auf verlängerte Laufzeiten, die von Schwarz-Gelb im Koalitionsvertrag eröffnet wurde, macht die Atomkraftwerke nun fast schon zukunftsfähig. Zehn Jahre länger könnten sie laufen als von Rotgrün in einem Atomausstiegsgesetz beschlossen wurden. Wozu dann noch die Netze?

Zumal die Netze es sind, die den Argwohn von Kartellwächtern in Brüssel und Bonn erregen. In Bonn sitzt nicht nur die Bundesnetzagentur, sondern auch das Bundeskartellamt. Und dessen Chef Bernhard Heitzer glaubt nicht an den Stromwettbewerb in Deutschland. Durch die Netze und die Grenzkuppelstellen, dort, wo der Strom in andere Länder hindurchfließt, seien die Märkte noch weitgehend abgeschottet, kritisiert er spitz. Heitzer wird nun an Einfluss gewinnen. Er wechselt vom Posten des Kartellamtspräsidenten auf den Stuhl eines Staatssekretärs im Bundeswirtschaftsministerium, wo Rainer Brüderle als Altliberaler und Mittelständler eher für die vom Strompreis gebeutelten Kunden ficht als für die großen Versorgerkonzerne.

17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.11.2009, 20:42 UhrAnonymer Benutzer: Steigenberger

    Stimme ihnen voll zu Herr O.

    Die Politik hat es sich seit Rot-Grün bequem gemacht via Strom u. Gasverbrauch, aber auch Heizöl u. benzin/Diesel die Verbraucher ordentlich abzukassieren.

    immer neue Abgaben wurden von dazu fähigen ministerialbürokraten erfunden, beim Strom gibt es die Stromsteuer + die Netzgebühr+die konzessionsabgabe+Entgelt nach KWK-Gesetz = Einspeisung erneuerbarer energie ! + Messstellenbetrieb+ Umsatzsteuer; alles bläht die kosten zu über 40 % auf zulasten der bürger ! - Dazu gehört auch die kumpanei von Politikern mit den grossen Energieversorgern, man sitzt lukrativ in aufsichtsräten, beiräten, Foren etc u. singt das Lied der Grosskonzerne, alles um die bevölkerung zu verdummen u. abzukassieren.

    wir brauchen wirklich Energiediscounter wie im Lebensmittelbereich, das wäre das beste u. breiteste u. schnellste Konjunkturprogramm für die Mehrheit der bürger = Energiepreise gnadenlos von abgaben befreien, frischen Wettbewerb rein u. Mon opol-Überpreise raus.

    Die Politiker u. Konzernbosse müssen auch lernen kleinere brötchen zu backen, die Zeit der Abzockerei ist bals vorbei; auch die EU. wird in diesem bereich noch segensreich wirken !
    Schon mal guten Rutsch ins Jahr 2010 , dem Jahr der "fallenden energiepreise" !

  • 12.11.2009, 16:24 UhrAnonymer Benutzer: Rüdiger Okun

    Die einzige die an dem Strom in Deutschland verdient ist die bundesregierung. Die Steuern und Abgaben fressen uns auf!
    Die Strombörse in Leipzig tut ihr eigenes dazu um uns zu verar..... und auszunehmen. Man muss zuerst die Strombörse abschaffen und die Steuern und Abgaben senken dann haben wir auch einen fairen Wettbewerb. Solange hier nicht geschieht, wird sich auch nichts ändern!

  • 11.11.2009, 22:23 UhrAnonymer Benutzer: Steigenberger

    Falls noch nicht bekannt :
    Die leipziger Strombörse ist ein Witz, die Preise werden von den Grossanbietern gnadenlos manipuliert; ferner ist dies eine nationale Strombörse, an der auch ausländischeAnbieter teilnehmen können, eine einheitliche europäische Strombörse ist nicht existent sondern ein Phantasieprodukt.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.