Energieversorgung: Wie Kleinanbieter den Energieriesen Kunden abjagen

Energieversorgung: Wie Kleinanbieter den Energieriesen Kunden abjagen

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Nordsee-Windpark: 50 süddeutsche Stadtwerke wollen den Wind vor der Küste Ostfrieslands einfangen

von Andreas Wildhagen

In Deutschland entsteht ein neuer Markt: Viele kleine Energieanbieter und Stadtwerke funken den Großen ins Geschäft mit dem Strom. Die Branche wandelt sich, und die Davids der Branche sind den Goliaths dicht auf den Fersen.

Wie im Sturm wollen gleich drei deutsche Unternehmen die Irische See erobern. In dem rauen Seegebiet zwischen Großbritannien und Irland sollen ausgerechnet bayrische Ökostromträume hohe Wellen schlagen. Das Vorhaben, 13 Kilometer vor der Küste von Wales einen riesigen Windpark ins Meer zu setzen, klingt so abenteuerlich, expansiv und riskant zugleich, dass man kaum darauf kommt, es könne den Köpfen bajuwarisch-bodenständiger Kommunalversorger entstammen. Und doch ist es so.

Der knorrige Kurt Mühlhäuser, 66, Chef der Stadtwerke München (SWM), ist stolz darauf, „mit enormen Anstrengungen die Produktion von Ökostrom für München“ in die Wege zu leiten, und definiert das Ziel präzise: „Wir wollen bis 2015 so viel Ökostrom in eigenen Anlagen erzeugen, dass damit alle rund 800 000 Münchner Privathaushalte versorgt werden können.“ Das Ziel wird bald fast erreicht sein. 160 Windräder sollen in vier Jahren Wind und Sturmböen hoch oben im Nordseeausläufer einfangen und für 700 000 Münchner Stromverbraucher, das heißt für 90 Prozent der Stadthaushalte, Ökoenergie produzieren. Mit 30 Prozent sind die Stadtwerke München an dem zwei Milliarden Euro teuren Projekt beteiligt. Partner sind der Essener Energieriese RWE und Siemens.

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Stadtwerke heizen den Wettbwerb an

Die Botschaft dieses fast schon dramatischen Investments: Große Investitionen in der Energiewirtschaft, früher ein Vorrecht global denkender Strategievorstände in den Großkonzernen, werden nun auch zur Chefsache bei den Kleinen, denen man sonst nur das turnusgemäße Ablesen von Haushaltszählern, das Organisieren von Kochkursen zur Kundengewinnung oder vielleicht den Bau eines kleinen Gaskraftwerks am Rande der Stadt zutraute. Stadtwerke-Chef Mühlhäuser sagt: „Wir wollen in der Champions League mitspielen.“

Die Davids der Branche sind den Goliaths dicht auf den Fersen, sie bieten sich als Kooperationspartner mit direktem Kontakt zum Verbraucher an. Sie werden den Wettbewerb anheizen, und das vor allem auf drei Gebieten:

bei der Produktion von Windstrom,bei der Übernahme von Netzen durch Kündigung von Netz-Konzessionsverträgen mit den Kommunen über die Nutzungsrechte für die Stromleitungen,auf dem Geschäftsfeld der Energieeffizienz.

Sehr viel konkreter als das noch in der Planung befindliche Projekt in der Irischen See ist der Windpark „Bard Offshore 1“, bei dem die Tübinger Stadtwerkegemeinschaft Südweststrom einsteigen will. Die Konstruktionsfirma Bard mit Sitz in Emden errichtet zurzeit 100 Kilometer von der ostfriesischen Küste in Wassertiefen bis zu 41 Meter Offshore-Windkraftanlagen mit einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro. Hauptgesellschafter von Bard ist der Deutsch-Russe Arngolt Bekker. Der 74-Jährige machte zum Ende der Sowjetzeit im Energiesektor ein Riesenvermögen, das er nun zum Teil in der Nordsee für die Erzeugung erneuerbarer Energien ausgibt.

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