Energiewende : Im Schneckentempo zum Atomausstieg

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Energiewende : Im Schneckentempo zum Atomausstieg

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Atomrelikt Mülheim-Kärlich. Die angeschlagenen Versorger tragen zur Verunsicherung der Wirtschaft bei

von Henning Krumrey, Andreas Wildhagen und Cordula Tutt

Mit dem Ausstieg aus der Atomkraft wollte die Bundesregierung einen Meilenstein setzen. Doch viel geschehen ist seitdem nicht. Ein Wust zu verabschiedender Gesetze, fehlende Planungen und vage Investitionsbedingungen schüren bei Unternehmen die Angst vor einem Fehlschlag. Ein erster Praxis-Check der sieben wichtigsten Erfolgsfaktoren.

Stromausfälle gehörten bisher nicht zu den Großrisiken, die Unternehmen in Deutschland einzukalkulieren hatten. Während in den USA der Saft jedes Jahr im Schnitt drei Stunden und 20 Minuten ausbleibt, sind es hier nur 16 Minuten. Hermann Hüwels, Leiter der Umweltabteilung beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag, erwartet nun aber „breitflächige Stromausfälle“ und glaubt: „Wir müssen den einen oder anderen Unternehmer noch wecken.“

Auslöser der Weckrufe sind die Verunsicherungen, für welche die Bundesregierung zunehmend sorgt, seit sie vor gut drei Monaten acht Kernkraftwerke vom Netz nahm und den Atomausstieg bis 2022 beschloss. Denn ob die erneuerbaren Energien rechtzeitig, sicher und zu wirtschaftlichen Preisen die Atomkraft ersetzen, ist seitdem alles andere als klarer geworden. Entsprechend wächst der Unmut in den Unternehmen: „Deutschland wird als Produktionsstandort unattraktiver“, schimpft Bayer-Chef Marijn Dekkers. Der Leverkusener Chemieriese erwägt bei weiter steigenden Strompreisen sogar die Verlagerung von Produktion ins Ausland. „Die Gefahr des Stromausfalls erhöht sich“, wettert Aurubis-Chef Drouven, „die Energiewende macht uns Angst.“

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Keine Blaupause

Als hätte es eines Beweises für die Furcht bedurft, standen beim bisher einzigen kommerziellen Windpark Baltic 1 in der Ostsee bis eben mehr als vier Wochen alle 21 Windräder still. Ein Schlepper mit Monteuren hatte Mitte September bei planmäßigen Wartungsarbeiten eine Umspannplattform gerammt. Betrieben wird der Windpark vom atomlastigen, baden-württembergischen Energiekonzern EnBW.

Als „Meilenstein“ hatte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) die Energiewende noch im Juli gelobt und als „ein gesellschaftliches Pionierprojekt“. Doch ungeteilte Zuversicht hat er damit nicht ausgelöst. Keiner der im Weltenergierat zusammengeschlossenen, internationalen Experten aus Unternehmen, Verwaltung, Wissenschaft und Umweltverbänden glaubt, dass die Deutschen den Wandel vollständig und pünktlich schaffen, ermittelte das Gremium in einer internationalen Umfrage. Und auch als Blaupause für die Energiepolitik ihrer Länder sehen die Weltenergieräte das deutsche Konzept nicht. Zwei Drittel von ihnen halten lediglich einzelne Elemente für übertragbar, insbesondere den Ausbau erneuerbarer Energien und den Kampf gegen das Kohlendioxid.

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