Nicht mit der Masse schwimmen Auch bei der Wahl der Studienfächer geben sich die Abiturienten wenig experimentierfreudig: Die Mehrheit der Studienanfänger im Wintersemester 2002/03 zog in die Fakultäten der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ein. Auf Rang zwei kamen die Sprach- und Kulturwissenschaften, die Ingenieurwissenschaften belegten mal wieder nur die hinteren Ränge. Dabei sind ausgerechnet Ingenieure Mangelware: Sie stehen mit 63 Prozent ganz oben auf den Suchlisten der Unternehmen, so eine aktuelle Befragung des Marktforschungsinstituts Gallup. Der Markt für Juristen und Philologen ist hingegen schon heute ziemlich eng. Uniform mit der Masse zu schwimmen birgt zudem eine weitere Gefahr: „Wenn sich alle auf die gleichen Ausbildungsgänge stürzen, ist die Konkurrenz um gute Jobs besonders groß, und keiner hebt sich mehr ab“, warnt Karin Schober, Leiterin des Referats Berufsberatung bei der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg. Die logische Konsequenz: Wer sich positiv hervortun und seine Chancen steigern will, muss mit zusätzlichen Qualifikationen auftrumpfen. An Möglichkeiten, den eigenen Lebenslauf aufzupeppen, mangelt es nicht. An fast jeder Hochschule gibt es zum Beispiel ein Sprachenzentrum, wo Studenten aller Fakultäten Fremdsprachen erlernen können. Vor allem exotische Sprachen wie Arabisch und Chinesisch bringen heute Pluspunkte bei der Bewerbung. Geschickt ist es auch, Fächer aus verschiedenen Fachbereichen miteinander zu kombinieren, etwa Informatik mit BWL. „Misch- und Zusatzqualifikationen helfen definitiv dabei, den eigenen Marktwert zu erhöhen und die Jobperspektiven zu erweitern“, bestätigt Bernhard Hohn von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn. Karrieresprungbrett Mittelstand Diese Erfahrung hat auch Janina Rauscher, 26, gemacht. Nach Abschluss ihres Grundstudiums in Geografie, Physik und Botanik an der Uni Würzburg hat sie sich zusätzlich für BWL immatrikuliert. „Durch das BWL-Studium hat sich für mich ein völlig neues Tätigkeitsfeld aufgetan, das ich vorher nicht in Erwägung gezogen habe“, sagt sie. Demnächst wird sie ihre Diplomarbeit schreiben – „höchstwahrscheinlich bei einem Unternehmen in China“. Und für die Zeit danach hat sie schon Adressen von Firmen, die sich für ihr Doppelprofil interessieren. Das geht auch Erat Ender so. Er hat konsequent darauf gesetzt, parallel zum Studium möglichst viel praktisches Wissen anzusammeln. „Ich habe mir dazu ein mittelständisches Unternehmen gesucht, bei dem ich die einzelnen Arbeitsbereiche von der Pike auf erproben konnte“, sagt der 26-Jährige, der Internationale Betriebswirtschaft an der Uni Erlangen-Nürnberg studiert. Gestartet hat er sein Praxisprogramm bei einem Zulieferer in der Automobilindustrie – als einfache Aushilfskraft in der Produktion. Danach wechselte er in den Wareneingang und später in den Versand. „So habe ich das operative Geschäft in kürzester Zeit kennen gelernt“, erklärt er seine Strategie. Mit diesem Wissen und seinem neu erworbenen kaufmännischen Know-how wurde der Student schnell interessant für die Geschäftsführung. Die offerierte ihm kurz darauf, an Projekten zur Optimierung der Produktionsabläufe mitzuwirken. Dank seiner Türkisch- und Englischkenntnisse wurde er von seiner Firma sogar zu Kunden in die Türkei, nach Indien und in die USA geschickt. Sein bisheriges Highlight: ein fünfmonatiger Arbeitsaufenthalt in Michigan, USA. Dort organisierte er bei einem Unternehmen der Automobilbranche die Fließbandarbeit komplett neu. Erat ist sich sicher: „Mein selbst gestricktes Traineeprogramm hat mich für eine internationale Karriere fit gemacht.“ Offen sein für Neues Aktiv die eigene Zukunft zu gestalten und notfalls auch mal einen Strategiewechsel vornehmen – geradeso könne man auch den Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich begegnen, ist Führungskräftetrainerin Rieskamp überzeugt. „Bei der hohen Arbeitslosigkeit und den starken wirtschaftlichen Zyklen darf man sich nicht einseitig auf ein Berufsziel kaprizieren“, mahnt auch Arbeitsmarktexpertin Karin Schober. „Schließlich hat man sich mit der Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium noch lange nicht auf einen bestimmten Beruf festgelegt.“ Ein Elektrotechnik-Studium muss nicht zwangsläufig in einer Tätigkeit als Ingenieur münden, ein Jurastudium nicht in der Anwaltskanzlei oder im Gericht, wie auch der Berufsweg von Matthias Klagge zeigt. Der Anwalt hat den Gerichtssaal inzwischen mit dem TV-Studio getauscht und spielt nun in einer Gerichtsshow mit. „Bei der schwachen Konjunktur muss man offen sein für Neues“, erklärt er seine Entscheidung. Positiver Nebeneffekt: Seit seiner regelmäßigen Präsenz auf der Mattscheibe rufen in seiner Anwaltskanzlei auch wieder Mandanten an – und beauftragen ihn für reale Fälle. Bei aller Flexibilität oder Zielstrebigkeit: Ganz ohne fremde Hilfe kommt man in der Regel nicht aus. „Man braucht jemanden, der sich dort, wo man hin will, gut auskennt und mit ein paar Tipps weiterhilft“, sagt Karriereforscherin Bischoff. Mentoren sind wichtig für den Erfolg – das haben nicht nur mehr als 70 Prozent der von ihr befragten Führungskräfte bestätigt, sondern beweisen auch zahlreiche prominente Beispiele. Wie auch das von Jungschauspieler Daniel Brühl.
Viel passiert ist nicht. Die nachrichtenarme Zeit haben Institutionen und Verbände genutzt, um auf den desolaten Zustand...





















