Erdöl-Förderung: Katastrophe mit teuren Folgen

Erdöl-Förderung: Katastrophe mit teuren Folgen

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Die Bohrinsel "Deepwater Horizon". Bedeutet die Umweltkatastrophe das Ende der Tiefseebohrungen?

von Hans Jakob Ginsburg

Endet mit der Katastrophe um Deepwater Horizon im Golf von Mexiko die Tiefseebohrung nach Erdöl? Wenn es so kommt, würde das Erdöl schnell viel knapper als heute - und vermutlich viel teurer.

Man muss kein Ingenieur sein, um zu der Vermutung zu kommen, der Wechsel an der Spitze von BP sei ein Zeichen, dass der britische Konzern und die von ihm angeheuerten Unternehmen das gruselige Leck im Golf von Mexiko endlich in den Griff bekommen. Nach allen Gesichtspunkten der PR wäre es die reine Idiotie gewesen, einen neuen BP-Chef zu installieren, an dem auf Dauer der Ruch der Katastrophe genauso kleben würde wie an seinem Vorgänger Tony Hayward. BP, meint das „Wall Street Journal", wollte „keinen neuen Chef mit dem Stigma des Desasters im Gold in den Sattel heben". Robert Dudleys Bestellung ist also ein viel sicheres Zeichen für die überfällige Schließung des Bohrlochs, viel sicherer als die vielen halbwahren Verlautbarungen des Konzerns seit Beginn der Katastrophe vor einem Vierteljahr.

Also wenigstens kein „Armageddon-Szenario", dem der einflussreiche amerikanische Erdölanalyst Kent Moors vor einer Woche noch eine 50-50-Wahrscheinlichkeit zugebilligt hat. Es geht ja nicht einfach um die Unmengen Öl, die nach dem Deepwater-Horizon-Unglück die Natur und die Existenz der Küstenfischer an der Südküste der USA auf Jahre verkrüppeln. Moors rechnet jetzt vielmehr mit einem weltweiten Überdenken der Pläne für Tiefwasserbohrungen: „Die Tragödie könnte zu einem noch viel größeren Rückgang des Angebots von anderen Regionen in aller Welt führen", schreibt er in seinem Newsletter „The Oil & Energy Investor".

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In geringen Wassertiefen ist nur noch wenig Öl zu finden

Für die gerade auch in Deutschland wieder an Fahrt gewinnende Konjunktur ist das betrüblich. Denn unter dem Festland oder auch unter dem Meer in geringen Wassertiefen ist nicht mehr viel Öl zu finden – jedenfalls außerhalb der Länder des Opec-Kartells. Das ist ja auch der einzige Grund dafür, dass die großen Ölkonzerne wie BP in den vergangenen Jahren die riskante und kostspielige Offshore-Förderung vorangetrieben haben. Nach bisherigen Planungen wäre die gesamte zusätzliche Erdölförderung in den USA in näherer Zukunft aus Tiefseevorkommen im Golf von Mexiko (mindestens 240 Meter Wassertiefe) gekommen. Neue Tiefseebohrungen haben die Konzerne daneben vor allem vor den Küsten Brasiliens, Vietnams, Nigerias, Ghanas und Russlands geplant. Bis 2015, schätzt Moors, wäre zehn bis zwölf Prozent der Weltproduktion aus der Meerestiefe gekommen.

All das ist jetzt gefährdet, selbst wenn US-Gerichte das in Washington verkündete Moratorium stoppen und vietnamesische oder brasilianische Politiker ein anderes Risikobewusstsein als ökologisch argumentierende Europäer: Die Ölgesellschaften müssen auf ihr Image bei den Verbrauchern bedacht sein. Im Fall weiterer Tiefseebohrungen müssen sie sehr viel mehr Geld als heute für Sicheheitsmaßnahmen ausgeben: Wenn die Politiker sie nicht dazu zwingen, werden es die Versicherungsgesellschaften tun.

Schon darum wird das Erdöl auf unabsehbare Zukunft mindestens so teuer bleiben wie heute. Aber wahrscheinlich wird es teurer. Die heutige weltweite Nachfrage liegt bei gut 86 Millionen Fass pro Tag – mit deutlich steigender Tendenz angesichts der anziehenden Weltkonjunktur. Produziert wird prinzipiell genau so viel, aber von Texas über die Nordsee bis in viele russische Fördergebiete wird die Ausbeute immer geringer. Saudi-Arabien könnte leicht mehr fördern: Seine "spare capacity" beträgt angeblich fünf, wahrscheinlich eher drei Millionen Barrel pro Tag. Kein anderer Produzent könnte seine Förderung kurzfristig und ohne große Investitionen steigern, selbst wenn er wollte. Da bleibt der ölhungrigen Welt nur noch die Aussicht auf wenig umweltverträgliche und sehr teure Erschließung der Ölsände und Ölschiefer in Nordamerika – und eben die Tiefsee.

Oder eben der beschleunigte Abschied vom Öl.

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