Erdöl: Ölmultis in der Krise - Seite 5

Erdöl: Ölmultis in der Krise

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Die früher boomenden Geschäftsbereiche des sogenannten Midstreams, also die Verarbeitung des Rohöls etwa zu Benzin, bringt in der Wirtschaftskrise massive Verluste ein. Beim US-Ölriesen Chevron summierten sich die Verluste im vierten Quartal auf 345 Millionen Dollar, bei Exxon auf 189 Millionen Dollar. Katastrophal sieht es bei Shell aus: Dort fiel im letzten Quartal 2009 ein Minus von knapp 1,8 Milliarden Dollar an. „Ich bin seit 25 Jahren bei Shell, aber solch harte Zeiten im Raffineriegeschäft habe ich noch nie erlebt“, stöhnt Shell-Lenker Voser.

Die Konsequenzen bekommen auch die Mitarbeiter zu spüren. Shell hat bereits 5000 Arbeitsplätze abgebaut. Doch das reicht Voser nicht. Nun will er die Kosten im Downstream-Bereich (Rohölveredelung, Vertrieb und Marketing) um mindestens eine Milliarde Dollar im Jahr senken und weitere 1000 Jobs streichen. 15 Prozent des Raffineriegeschäftes sollen verkauft werden, darunter auch die deutschen Standorte Heide und Harburg. Ob es einen Käufer gibt und in welchem Ausmaß er die Anlagen weiterfährt, steht in den Sternen.

Ende der Völlerei

Nicht minder zwingt BP-Chef Hayward seinen Konzern zum Sparen. Schon bald nachdem er im Mai 2007 seinen Vorgänger und Mentor Lord Browne of Madingley an der BP-Spitze ersetzte, stellte Hayward die Weichen neu. Er machte sofort klar, dass die Völlerei des Sonnenkönigs Browne, dessen zwölfjährige Amtszeit von massiver Expansion gekennzeichnet war, vorüber ist.

Haywards Zeichen sind für jedermann erkennbar. Nach dem Antrittsbesuch beim deutschen Tochterunternehmen in Bochum benutzte er den Zug, statt sich in einer Limousine zum Flughafen nach Frankfurt chauffieren zu lassen. Bei seinem Vorgänger Lord Browne wäre das undenkbar gewesen. Browne trug elegante Maßanzüge, reiste am liebsten im Privatjet und pochte ansonsten darauf, im Flugzeug auf Sitz 1A der First oder Businessclass platziert zu werden.

Das Feld wird geräumt

Unter Hayward musste die BP-Personalabteilung Manager entlassen, Hierarchien schleifen und die Kostenbasis um vier Milliarden Dollar im Jahr reduzieren. Alles in allem verließen BP weltweit rund 18000 Mitarbeiter – die Einwohner einer deutschen Kleinstadt – seit Beginn von Haywards Amtszeit. Per Saldo beschäftigt der Konzern heute rund 7500 Mitarbeiter weniger. Durch den Verkauf der BP-Tankstellen in den USA gingen weitere 10000 Stellen verloren.

Schon zieht die neue Zeit bei den Ölkonzernen Kreise, die bis vor Kurzem noch unvorstellbar waren. So wollen Shell und BP sich von Tankstellen trennen – zumindest in Frankreich. BP kündigte an, seine über 416 Tankstellen an das israelische Unternehmen Delek verkaufen zu wollen. 180 Millionen Euro sind dafür geboten. Das ist vergleichsweise viel Geld im Unterschied zu den 30 Millionen Euro, die Shell für seine 163 Tankstellen in Frankreich bekommen soll. Eine Gruppe um das Tankstellenunternehmen Avia hat dies geboten. BP und Shell wollen als böse Buben im Geschäft an der Zapfsäule nun zumindest in Frankreich nicht länger mitmachen.

Das hat es noch nie gegeben, dass gleich zwei Ölmultis in einem hochentwickelten Industrieland die weiße Fahne heraushalten und zum Rückzug blasen. Zwar wird versichert, dass ein solcher Schritt, so beteuern es beide Unternehmen, „für Deutschland nicht geplant sei“, aber die Botschaft hat sich festgesetzt: Die Ölmultis beginnen, das Feld zu räumen.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.03.2010, 19:02 UhrAnonymer Benutzer: Hägar

    Die Manager der ölmultis haben die Gewinne in Aktienrückkäufe investiert, um den börsenwert der Unternehmen zu steigern, weil damit ihre eigenen boni exorbitant gestiegen sind. Heute fehlt dieses Geld für die anstehenden Zukunftsinvestitionen. So ist das eben, wenn ein Wirtschaftssystem die falschen Anreize setzt! Gelernt haben Aufsichtsräte und Aktionäre daraus nichts, und auch die Politik ist zum Gegensteuern unfähig. Die Manager spielen weiterhin dasselbe Spiel, zum eigenen Vorteil.

  • 13.03.2010, 12:22 UhrAnonymer Benutzer: Moskauer

    man merkt in der jetzigen Situation wie arm die armen armen armen Öl-Multis sind...

  • 12.03.2010, 15:29 UhrAnonymer Benutzer: derÖler

    @michael.schatzmann Zitat: "ich sehe das durchaus als Chance für bP&Co. wenn man die Staatskonzerne das sterbende Ölfördern überlässt und sich selbst zukunftsfähigen Ressourcen zuwendet."

    ******************
    Das Ölfördern wird nicht sterben. im Gegenteil es gibt wesentlich mehr Öl auf der Erde als noch früher angenommen - noch bessser es entsteht fortwährend im innern der Erde. Sichwort: abiotische Ölentstehung.

    Ab ca. 34USD/barrel lohnt sich das Anbohren der Felder in Tiefen ab 3000m. Wenn man in Deutschland bohrt wird man an Erdbrüchen auf fündig. Die Schweizer bohren gerade im Mittelland. Schweden hat Gas in ein paar tausend Metern Tiefe gefunden. brasilien hat ein riesiges Feld in 3000-5000m Tiefe angebohrt und fördert ab 2012. Angola, Uganda, Kuba, Haiti, Rumänien, Türkei usw. sind andere beispiele wo Öl tiefer liegt.
    ich bin mir sicher Öl wird es noch zu günstigen Preisen und in genügender Menge trotz den Chinesen und inder auch in 200 Jahren geben.
    Vergessen Sie Peakoil, das ist ein Ammenmärchen und alle die mit Öl zu tun haben wissen das auch!

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