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Erfolglose Ebay-Tochter: "Skype hat kein Geschäftsmodell"

von Oliver Voß

Ebay will den Internet-Telefonie-Anbieter Skype endlich loswerden und an die Börse bringen. Doch für den einst revolutionären Dienst bleibt das Grundproblem bestehen: Millionen nutzen Skype, doch kaum jemand bezahlt.

Skype Gründer Niklas Quelle: Reuters
Skype Gründer Niklas Zennström Quelle: Reuters

Der Schwede Niklas Zennström hat ein großes Talent dafür, mit revolutionären Ideen im Internet ganze Branchen unter Druck zu setzen. Ob mit der Musiktauschbörse Kazaa, dem Internet-TV Joost oder der Internet-Telefon-Software Skype. Die jüngsten Opfer sind große Telekommunikationsanbieter wie T-Mobile, die sich massiv gegen den Einsatz von Zennströms bekanntestem Kind, Skype, wehren.

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Denn seit kurzem gibt es Skype für Apples iPhone und allein in den ersten 36 Stunden wurde das kleine Programm eine Million Mal herunter geladen. Die Nutzer können darüber kostenlos mit anderen Skype-Kunden telefonieren, zahlen müssen sie nur für die anfallenden Daten, die meist über Pauschaltarife bereits abgegolten sind. Daher versucht T-Mobile die Skype Nutzung auf dem iPhone in Deutschland zu verhindern.

Acht Prozent der Auslandsgespräche laufen über Skype

Bereits im Festnetzgeschäft haben die Deutsche Telekom und ihre Wettbewerber massiv Marktanteile an den Internet-Konkurrenten verloren, nach Angaben des US-amerikanischen Marktforschers Telegeography werden bereits acht Prozent der weltweiten Auslandsgespräche über Skype abgewickelt.

Doch aus dem populären Dienst lässt sich kaum Profit schlagen. Skype-Nutzer telefonieren untereinander kostenlos, nur an den Gesprächen von Skype in die normalen Telefonnetze verdient die Ebay-Tochter. Allerdings auch nicht viel, da die Skype-Tarife meist günstiger als die etablierten Anbieter sind.

551 Millionen Dollar kamen so im vergangenen Jahr an Umsatz zusammen, von den mehr als 400 Millionen Kunden gab also jeder Nutzer im Monat gerade einmal 11 Cent für das Skypen aus. 

Ebays Milliardengebot für Skype "ökonomisch absurd"

Das Problem ist schon lange bekannt und Ebay-Chef John Donahoe hat seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr keinen Hehl daraus gemacht, dass er die ungeliebte Tochter gerne loswerden würde.

3,1 Milliarden Dollar hatte Ebay nach der Übernahme im Jahr 2005 für Skype bezahlt. Schon damals hatten Experten den Preis als überhöht kritisiert. „Die Kaufsumme ist ein ökonomisch absurdes Gebot“ sagte beispielsweise Torsten Gerpott, Telekommunikationsexperte der Universität Duisburg.

Das mussten später auch die Kalifornier einsehen: im Jahr 2007 schrieb Ebay 1,4 Milliarden Dollar ab. Es gab kaum Synergien, eine lange geplante Integration von Skype auf Ebay wurde nie umgesetzt. Möglicherweise fürchtete Ebay, damit auch noch sein Kerngeschäft zu schädigen: denn hätten Verkäufer und Bieter sich direkt per Skype kurzschließen können, wäre es auch einfach gewesen, Ebay als Zwischenhändler und damit einen Teil der dortigen Gebühren auszusparen. 

Ebay investiert 1,2 Milliarden Dollar in das Kerngeschäft

Nun will Donahoe die Fehlinvestition wirklich abstoßen: Ebay gab gestern bekannt, dass es Skype in der ersten Hälfte des kommenden Jahres an die Börse bringen will. Das Unternehmen konzentriert sich damit wieder auf das Kerngeschäft mit dem Onlinehandel.

So will Ebay den südkoreanischen Konkurrenten Gmarket für 1,2 Milliarden Dollar übernehmen. 67 Prozent der Anteile des an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq gelisteten Unternehmens hat sich Ebay bereits gesichert. Die Internet-Empfehlungsseite StumbleUpon widerum hat Ebay an ihre Gründer zurückverkauft, von denen es das Startup 2007 für 75 Millionen Dollar gekauft hatte.

Bei der Summe, die Ebay für Skype an der Börse erlösen könnte, sind sich die Analysten uneins: Von 500 Millionen bis 3,1 Milliarden Dollar reichen die Schätzungen. Ausschlaggebend ist zum einen, welchen Teil von Skype an die Börse gebracht wird.

Doch auch ob Skype als eigenständiges Unternehmen viel erfolgreicher sein kann ist fraglich, denn das Grundproblem besteht weiter. „Ich sehe kein Geschäftsmodell für Skype“, sagt Telekommunikationsexperte Gerpott. Dem Dekan der Mercator School of Management ergeht es wie so vielen Skype-Nutzern: „Aus Endkundensicht ist es toll, ich nutze es selber gerne, will aber nicht dafür zahlen“.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.04.2009, 01:50 UhrAnonymer Benutzer: Johann

    Ja, Herr Jong-il, sagen Sie das den Arbeitslosen, den Minijobern, den Leiharbeitern.
    Sie haben sicherlich eine helle Freude an der Strom-und Gasrechnung. ich nicht.
    Warum freuen wir und über die Staatsbeteiligung aus den arabischen Ländern und verteufeln den einheimischen Staatskapital.
    Sie müssen den Gewinntransfer beachten. in dem ersten Fall fließt
    das Geld in die andere Staatskasse, in dem anderen in uns. Staatshaushalt.
    bitte weniger ideologische Demagogie und mehr Logik.

    Mit freundlichen Grüßen

    Johann

  • 16.04.2009, 22:38 UhrAnonymer Benutzer: Jong-il

    Hallo Johann,

    melde Dich doch mal bei mir. bei uns läuft die Wirtschaft wie geschmiert und Preise sind festgeschrieben. Ganz so, wie Du das aus der DDR gewohnt bist. Meist gibt es zwar für nichts lange Schlangen, aber Du kannst Deine harte Ostmark gegen einen Sack Reis aus einer der letzten Hilfslieferungen eintauschen.

    Liebe Grüße

    Dein Jong-il

  • 16.04.2009, 21:21 UhrAnonymer Benutzer: Johann

    Ökonomisch gesehen machen wir uns das Leben durch die Gewinnmaximierung selber kaputt.
    Zahle, zahle, ich will gewinne sehen, möglichst das Maximum. Nur gut.
    Muss ich alles zahlen, steigen meine Lebensunterhaltungskosten.
    Dann gehe ich an den Arbeitgeber, verlange mehr Gehalt und Lohn.
    Die Löhne sind dann zu hoch und schmälern die Gewinne.
    Der Arbeitgeber schmeißt mich raus, oder geht ins Ausland. ich bin dann noch ärmer.
    ich zahle, aber ich kann den Preis nicht reduzieren. Ein Gang zur Konkurrenz ist sinnlos, Die Preise sind überall gleich zu hoch. Senkt jemand die Preise, lockt er die Kunden und dann
    Gehen die Preise wieder hoch.
    Als zahlender Kunde soll ich auf Verlangen eine Preiskalkulation bekommen,
    aus der ersichtlich ist, wie hoch die Kosten und der Gewinn ist.
    Aus Sicht der Kunden ist ein Gewinn eine Spende, der gegenüber
    von der Seite des Anbieters keine Leistung steht. Diese sind alle in
    den Kosten abgegolten. Wir ärgern und über überhöhte Gehälter der Spitzenmanager,
    aber finden die übermäßigen Gewinne der Unternehmen toll. Wo ist die Logik?
    Gehe ich in jedes Geschäft und betrachte die Preise und stelle mir die automatisierte Produktion vor, ist die Kostenschätzung zu dem Preis unverhältnismäßig
    Gering. Dazu kommt eine generell zu kurze „Lebenserwartung „ der Produkte

    Gruß Johann

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