Erfolglose Ebay-Tochter: "Skype hat kein Geschäftsmodell"

Erfolglose Ebay-Tochter: "Skype hat kein Geschäftsmodell"

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Skype Gründer Niklas Zennström

Ebay will den Internet-Telefonie-Anbieter Skype endlich loswerden und an die Börse bringen. Doch für den einst revolutionären Dienst bleibt das Grundproblem bestehen: Millionen nutzen Skype, doch kaum jemand bezahlt.

Der Schwede Niklas Zennström hat ein großes Talent dafür, mit revolutionären Ideen im Internet ganze Branchen unter Druck zu setzen. Ob mit der Musiktauschbörse Kazaa, dem Internet-TV Joost oder der Internet-Telefon-Software Skype. Die jüngsten Opfer sind große Telekommunikationsanbieter wie T-Mobile, die sich massiv gegen den Einsatz von Zennströms bekanntestem Kind, Skype, wehren.

Denn seit kurzem gibt es Skype für Apples iPhone und allein in den ersten 36 Stunden wurde das kleine Programm eine Million Mal herunter geladen. Die Nutzer können darüber kostenlos mit anderen Skype-Kunden telefonieren, zahlen müssen sie nur für die anfallenden Daten, die meist über Pauschaltarife bereits abgegolten sind. Daher versucht T-Mobile die Skype Nutzung auf dem iPhone in Deutschland zu verhindern.

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Acht Prozent der Auslandsgespräche laufen über Skype

Bereits im Festnetzgeschäft haben die Deutsche Telekom und ihre Wettbewerber massiv Marktanteile an den Internet-Konkurrenten verloren, nach Angaben des US-amerikanischen Marktforschers Telegeography werden bereits acht Prozent der weltweiten Auslandsgespräche über Skype abgewickelt.

Doch aus dem populären Dienst lässt sich kaum Profit schlagen. Skype-Nutzer telefonieren untereinander kostenlos, nur an den Gesprächen von Skype in die normalen Telefonnetze verdient die Ebay-Tochter. Allerdings auch nicht viel, da die Skype-Tarife meist günstiger als die etablierten Anbieter sind.

551 Millionen Dollar kamen so im vergangenen Jahr an Umsatz zusammen, von den mehr als 400 Millionen Kunden gab also jeder Nutzer im Monat gerade einmal 11 Cent für das Skypen aus. 

Ebays Milliardengebot für Skype "ökonomisch absurd"

Das Problem ist schon lange bekannt und Ebay-Chef John Donahoe hat seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr keinen Hehl daraus gemacht, dass er die ungeliebte Tochter gerne loswerden würde.

3,1 Milliarden Dollar hatte Ebay nach der Übernahme im Jahr 2005 für Skype bezahlt. Schon damals hatten Experten den Preis als überhöht kritisiert. „Die Kaufsumme ist ein ökonomisch absurdes Gebot“ sagte beispielsweise Torsten Gerpott, Telekommunikationsexperte der Universität Duisburg.

Das mussten später auch die Kalifornier einsehen: im Jahr 2007 schrieb Ebay 1,4 Milliarden Dollar ab. Es gab kaum Synergien, eine lange geplante Integration von Skype auf Ebay wurde nie umgesetzt. Möglicherweise fürchtete Ebay, damit auch noch sein Kerngeschäft zu schädigen: denn hätten Verkäufer und Bieter sich direkt per Skype kurzschließen können, wäre es auch einfach gewesen, Ebay als Zwischenhändler und damit einen Teil der dortigen Gebühren auszusparen. 

Ebay investiert 1,2 Milliarden Dollar in das Kerngeschäft

Nun will Donahoe die Fehlinvestition wirklich abstoßen: Ebay gab gestern bekannt, dass es Skype in der ersten Hälfte des kommenden Jahres an die Börse bringen will. Das Unternehmen konzentriert sich damit wieder auf das Kerngeschäft mit dem Onlinehandel.

So will Ebay den südkoreanischen Konkurrenten Gmarket für 1,2 Milliarden Dollar übernehmen. 67 Prozent der Anteile des an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq gelisteten Unternehmens hat sich Ebay bereits gesichert. Die Internet-Empfehlungsseite StumbleUpon widerum hat Ebay an ihre Gründer zurückverkauft, von denen es das Startup 2007 für 75 Millionen Dollar gekauft hatte.

Bei der Summe, die Ebay für Skype an der Börse erlösen könnte, sind sich die Analysten uneins: Von 500 Millionen bis 3,1 Milliarden Dollar reichen die Schätzungen. Ausschlaggebend ist zum einen, welchen Teil von Skype an die Börse gebracht wird.

Doch auch ob Skype als eigenständiges Unternehmen viel erfolgreicher sein kann ist fraglich, denn das Grundproblem besteht weiter. „Ich sehe kein Geschäftsmodell für Skype“, sagt Telekommunikationsexperte Gerpott. Dem Dekan der Mercator School of Management ergeht es wie so vielen Skype-Nutzern: „Aus Endkundensicht ist es toll, ich nutze es selber gerne, will aber nicht dafür zahlen“.

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