Ergo-Chef Torsten Oletzky: "Wir haben einen Nerv getroffen"

Ergo-Chef Torsten Oletzky: "Wir haben einen Nerv getroffen"

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Torsten Oletzky

von Reinhold Böhmer und Anke Henrich

Der Chef des Versicherungskonzerns Ergo, Torsten Oletzky, über Wege aus den Skandalen um die Sextour nach Budapest, Fehler in den Riester-Formularen und umstrittene Unfallpolicen.

WirtschaftsWoche: Herr Oletzky, Ergo steht seit sechs Wochen unter Dauerbeschuss, weil Ex-Mitarbeiter dubiose Geschäftspraktiken an die Öffentlichkeit bringen: Lustreisen nach Budapest, falsche Riester-Verträge, aufgeschwatzte Versicherungen. Fragen Sie sich abends vor dem Schlafengehen manchmal, welche Bombe am nächsten Morgen einschlägt?

Oletzky: Die zurückliegenden sechs Wochen waren kein Spaß, sondern haben das Image der Ergo beeinträchtigt. Das schmerzt, denn dafür haben wir viel getan. Wir klären die Vorwürfe lückenlos auf und werden mithilfe der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers jeden Stein umdrehen.

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Sie haben für 70 Millionen Euro eine Werbekampagne gestartet, in der Sie behaupten, Ergo nehme die Kunden ernst. Wen haben Sie so vergrätzt, dass er den Erfolg der Kampagne mit Enthüllungen über Bordellreisen und zweifelhafte Policen zu untergraben versucht?

Natürlich ist das zeitlich kein Zufall. Aber mehr werde ich dazu öffentlich nicht sagen...

... weil gegen die Vorwürfe in der Sache nichts einzuwenden ist?

Einige der Vorwürfe sind berechtigt, aber es wird auch viel Falsches behauptet.

Gehen wir die Punkte einzeln durch. Da war die Budapestreise 2007, bei der Ihr Unternehmen Prostituierte für besonders erfolgreiche Vertriebsmitarbeiter anheuerte.

Das war und ist komplett inakzeptabel. Die damals Verantwortlichen haben das Haus verlassen. Solche Reisen sind seitdem im Konzern unmöglich.

Noch mehr als die Bordelltour nehmen Ihnen die Kunden die überzogenen Gebühren bei der Riester-Rente übel.

Zu den Fehlern in den Konditionen der Riester-Verträge ist es nicht aus Absicht gekommen, sondern weil 2004/2005 beim Nachdruck eines Formulars aus Versehen alte Kostensätze übernommen wurden. Es war schlicht eine fehlerhafte Druckvorlage, wie wir mühsam herausgefunden haben. Unser Fehler war, dass wir auf erste Hinweise 2005 nicht konsequent reagiert haben.

Wie viele Versicherte sind von diesem Fehler betroffen, und was kostet Sie die Wiedergutmachung? Anwälte auf Kundenfang sprechen von Kosten bis zu 160 Millionen Euro.

Nach unseren Erhebungen sind rund 12.000 Versicherte betroffen. Wir rechnen mit Kosten dafür von fünf bis sechs Millionen Euro.

Trotzdem müssen Sie fürchten, dass diese Klage-Profis gegen Ergo vor Gericht ziehen.

Nein, davor fürchte ich mich nicht.

Und was ist mit den Kunden, denen Ihre Vertreter aufgeschwatzt haben, aus den Lebensversicherungen zur Altersvorsorge oder zur Hinterbliebenenabsicherung auszusteigen und stattdessen eine umstrittene Unfallversicherung abzuschließen?

Die Unfallpolice ist für viele Kunden durchaus sinnvoll. Es kommt auf die Situation und den Vertrag an. Wir haben bei den ersten Anzeichen von Fehlberatungen 2009 – vor den Presseveröffentlichungen – reagiert, haben bedarfsgerechten Verkauf und umfassende Beratungsdokumentation angemahnt sowie die Regelungen verschärft, wenn Lebensversicherungen zu Unfallversicherungen umgewandelt werden. Wir haben die Anreize zur Umwandlung für unsere Vertriebspartner gekappt.

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