Ermittlungen: EADS-Insiderskandal: Angriff auf Enders

Ermittlungen: EADS-Insiderskandal: Angriff auf Enders

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Airbus-Chef Enders: Auch ohne Verurteilung wrid es künftig enger

Mit den Ermittlungen im EADS-Insiderskandal will die französische Seite den deutschen Einfluss im Konzern schwächen – und Airbus-Chef Thomas Enders.

Als gelernter Luftlandesoldat weiß Thomas Enders, wie wichtig gute Vorbereitung ist. Darum hat der Airbus-Chef in seiner Nähe stets einen Koffer mit Kleidung zum Wechseln, Büchern zu historischen Themen – „und eine gute Flasche Bordeaux“, sagt Enders.

Den Koffer braucht er nicht für spontane Geschäftsreisen, sondern wahrscheinlich für ein, zwei Nächte in Polizeigewahrsam. Das zweifelhafte Vergnügen hatte bisher noch jeder, den die Pariser Staatsanwaltschaft im Verfahren um mögliche Insidergeschäfte bei der Airbus-Konzernmutter EADS vernommen hat. Vorige Woche war der Ex-Airbus-Chef Gustav Humbert in Beugehaft, im Juni Ex-EADS-Vorstand Jean-Paul Gut, und im Mai verbrachte Noël Forgeard, der bis zum Sommer 2006 mit Enders die EADS geleitet hatte, zwei Nächte als Gast der Behörden. Eine Vorladung von Enders wird in Kürze erwartet.

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Den Anlass für die Ermittlungen lieferten Top-Manager und die Großaktionäre Daimler und Lagardère, die in großem Stile EADS-Aktien verkauften, ehe der Konzern im Juni 2006 eine verspätete Auslieferung des Superjumbos A380 eingestand und daraufhin der Kurs einbrach. Aus Sicht der Ermittler wussten alle Beteiligten bereits seit einem Jahr von den Schwierigkeiten beim Bau des Riesenvogels und tätigten demnach ein strafbares Insidergeschäft.

Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt zwar gegen insgesamt 17 noch amtierende oder ehemalige EADS-Führungskräfte, die im November 2005 oder im März 2006 Papiere im Wert von rund 30 Millionen Euro verkauft haben. Hauptziel ist jedoch ganz offenbar Enders. Denn die Ermittlungen gegen den Deutschen an der Konzernspitze sind aus Sicht der Franzosen der wohl vielversprechendste Weg, einen lang gehegten Traum zu verwirklichen: Die bislang deutsch-französische EADS unter gallische Vorherrschaft zu bringen.

Der Konzern entstand 1999 aus dem Zusammenschluss der Daimler-Tochter Dasa und der französischen Aerospatiale Matra. Weil diese mehr Umsatz machte als die deutsche, wollten viele Pariser Politiker und Gewerkschafter die Parität auf den Führungsebenen kippen. Doch alle Versuche scheiterten am deutschen Veto.

Der Versuch im vorigen Jahr, eine französische Herrschaft zu installieren, ging sogar nach hinten los: So konnte Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zwar einen französischen Vorstandschef installieren. Doch er erkannte zu spät, dass damit ein Deutscher die fast schon als französisches Nationalheiligtum betrachtete Konzerntochter Airbus führen musste.

Spaltungsversuche bisher ohne Wirkung

Und es kam nicht irgendeiner, sondern Enders. Ein Manager, der mit seinem Fokus auf Effizienz und Globalisierung ein rotes Tuch für weite Teile der französischen Politik ist, die mit Vorliebe nationale Champions baut. „Mein Job ist nicht, möglichst viele Arbeitsplätze in Europa zu halten, sondern ein wachsendes, international erfolgreiches und finanziell robustes Unternehmen zu schaffen“, sagte Enders im Mai im WirtschaftsWoche-Interview. Zur unangenehmen Überraschung der französischen Seite bremste „ihr“ Konzernchef Louis Gallois Enders nicht, sondern unterstützte ihn.

Damit traten beide, ohne es zu wollen, eine erneute Offensive für eine französische EADS los, die im Wesentlichen über die Pariser Medien geführt wird. „In manchen Wirtschaftsteilen herrscht eine Stimmung wie auf den Sportseiten während eines großen Fußballturniers“, klagt ein deutscher EADS-Manager. Der Tenor: Die französische Regierung möge endlich die Deutschen stoppen. Die Handelskammer am Airbus-Sitz in Toulouse forderte Wirtschaftsministerin Christine Lagarde auf, sie solle verhindern, dass Deutsche „französisches Know-how und die französischen Arbeitsanteile an sich ziehen“.

Fragwürdige Aktienverkäufe

Aktienverkäufe von EADS-Vorständen (Auswahl) (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Darstellung)

Unter Druck gerät dabei auch der als zu weich erachtete Gallois. Aus seiner Äußerung, die Anwesenheit von 2000 Spezialisten aus Hamburg in Toulouse sorge für „Spannungen“, machte eine Nachrichtenagentur die Forderung nach einem Rauswurf der Deutschen, weil die „ihre Zeit mehr am Kaffeeautomaten als in der Halle verbringen“. Kaum hatte Gallois das dementiert, streuten Konzernkreise, er sei » amtsmüde und werde durch die Chefin des Nuklearkonzerns Areva ersetzt. Die solle mit Rückendeckung der französischen Regierung EADS aufteilen in einen militärischen Zweig für die Deutschen und Airbus, natürlich rein französisch.

Die Gewerkschaft Force Ouvrière warf Gallois und Enders vor, sie hätten den im Rahmen des Sparprogramms Power8 geplanten Verkauf der französischen Airbus-Werke an den Zulieferer Latécoère gestoppt, um einen starken französischen Zulieferer zu verhindern. Kurz zuvor galt der Verkauf noch als Mittel, die industrielle Basis von Airbus in Frankreich zu schwächen.

Bisher haben all diese Spaltungsversuche kaum Wirkung gezeigt. Doch nun bieten die Insider-Ermittlungen eine Chance, Enders und einen großen Teil des deutschen Einflusses loszuwerden.

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