Esprit-Chef Heinz Krogner im Interview: "Das ist ein Haufen Holz"

Esprit-Chef Heinz Krogner im Interview: "Das ist ein Haufen Holz"

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Die Esprit-Chefs Heinz Krogner (l) und Thomas Grote posieren am Montag (16.03.2009) auf einer Tribüne der Düsseldorfer Multifunktionsarena. Die Multifunktionsarena in Düsseldorf wird ab dem 01. Juli 2009 nicht mehr LTU-, sondern Esprit-Arena heißen. Der Kooperationsvertrag wurde für eine Dauer von mindestens fünf Jahren abgeschlossen und beinhaltet eine jährliche Investition eines sechs- bis siebenstelligen Betrags durch die Modefirma. Foto: David Ebener dpa (c) dpa - Bildfunk

Heinz Krogner, starker Mann der Modemarke Esprit, über gebremste Expansionspläne, den Umbau der Konzernspitze und den Fehler, Pullis in 20 Farben zu produzieren.

WirtschaftsWoche: Herr Krogner, lange hat man wenig von Esprit gehört, jetzt sorgen Sie für reichlich Wirbel: Erst kündigt Ihr Markenchef Thomas Grote, der eine Zeit lang als Ihr Kronprinz und Nachfolger galt, jetzt ziehen Sie sich als Vorstandschef zurück – steckt Esprit in der Krise?

Krogner: Den Plan, mich als Vorstandsvorsitzender zurückzuziehen, hatte ich schon lange, ich hatte mich auch schon zu einem großen Teil aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Klar ist aber auch: Esprit steckt nicht in einer bedrohlichen Situation. Zwischen aktuell 15 oder 17 Prozent Gewinn nach Steuern, die wir in der Vergangenheit stets erzielt haben, und einem Verlust liegen Welten. Erst wenn unser Umsatz um mehr als 35 Prozent sänke, würde es kritisch. Aber davon sind wir meilenweit entfernt. Viele Aktionäre anderer Häuser wären dankbar, wenn ich ihnen zehn Prozent Rendite abliefern würde. Das interessiert mich aber nicht. Mich interessiert nur, dass ich von dieser Größenordnung so wenig wie nötig abweichen will. Unsere Benchmark ist die eigene Vergangenheit.

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Sie wollen trotz der weltweiten Krise weiter zweistellige Renditen erreichen?

Ja klar, wir dürfen nicht einstellig werden – das ist doch eine Frage der inneren Einstellung. Eine Firma muss auf Kurs bleiben, denn nur starke Firmen haben starke Mitarbeiter. Schwächelt ein Unternehmen, sind die guten Mitarbeiter weg, und die schwächeren fühlen sich wohl. Das können wir uns nicht erlauben.

Trotzdem bekommt auch Esprit die Krise zu spüren – sinkt nach dem Gewinn im ersten Halbjahr jetzt auch der Umsatz?

Ja, die Krise macht sich bei uns mindestens auf zwei Seiten bemerkbar: Wir arbeiten beim Verkauf ja zum einen mit Partnern zusammen, die im Franchisesystem eigene Shops betreiben. Bislang haben wir jedes Jahr im Schnitt an jedem Arbeitstag einen solchen Laden aufgemacht, 250 Geschäfte, alle zwischen 300 und 1000 Quadratmeter groß. In kleineren Städten machen wir das mit Partnern, in großen wie in Paris auf den Champs-Élysées machen wir das selber.

In dem Tempo können Sie nicht weitermachen?

Nein, in diesem Jahr machen wir nur noch 170 Läden auf, weil die Franchisenehmer keine Finanzierung von den Banken bekommen. Das heißt, 80 geplante Neueröffnungen fallen aus – das ist ein Haufen Holz. Und nach vorn raus wird es noch dünner, weil die Partner, die eigentlich Schlange stehen, um mit uns zusammenzuarbeiten, kein Geld von der Bank bekommen.

Und die zweite Seite?

Der zweite Punkt ist, dass wir die Krise auch bei unserem zweiten Vertriebskanal, den Warenhäusern, spüren. Die meisten Einzelhändler haben Probleme, ihre Warenbestellungen von den Banken finanziert zu bekommen. Hinzu kommt, dass auch die Kreditversicherer bei den Limits radikal kürzen. Einer unserer größten Kunden in Europa hatte ein Limit von zehn Millionen Euro – jetzt hat er noch drei Millionen. Als Lieferant muss ich mir Sorgen machen, dass er die Ware nicht bezahlen kann. Also liefere ich nicht.

Unterm Strich sinkt also bei Esprit neben dem Einzelhandels- auch der Großhandelsumsatz?

Ja, das ist durchaus möglich. Dabei können wir den Händlern nicht einmal böse sein. Solange sie Ware auf Lager haben, haben sie ja noch Lebenskraft. Aber wenn die Bestände verkauft sind, haben sie nichts mehr. Deshalb wird der Tag des Umschwungs kommen, an dem sie wieder beginnen zu bestellen. Aber das dauert noch. Dagegen kann man nichts machen, das müssen wir aussitzen.

Aber Sie machen doch zwölf Kollektionen im Jahr, die Mode ändert sich. Zwingt das Händler denn nicht förmlich dazu, aktuelle Ware nachzubestellen?

Ja, es wird ja auch verkauft, wenn auch nicht auf hohem Niveau. Und viele Teile kann der Händler aus seinem eigenen Lager auffüllen, ehe er neue Ware bestellt. Die Leute kaufen wegen der Krise weniger, da haben Sie schnell zehn Prozent weniger Umsatz.

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