EU-Rekordstrafe: Bitterer Abschied für Intel-Manager Craig Barrett

KommentarEU-Rekordstrafe: Bitterer Abschied für Intel-Manager Craig Barrett

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Intel-Verwaltungsratschef Craig Barrett

Die Rekordstrafe der EU wegen systematischen Foulspiels gegen Wettbewerber AMD kann Intel verkraften. Finanziell zumindest. Moralisch hat der Chipgigant verloren.

Vorweg – ich mag Craig Barrett. 35 Jahre diente der hagere Hühne treu Intel, schuf gemeinsam mit Gründer Gordon Moore und Mentor Andy Grove den größten Chiphersteller der Welt. Barrett steuerte die Silicon Valley Ikone in die Dot.com-Blase und investierte sie wieder heraus. Manchmal zuviel und zu früh, wie im Markt für Mobiltelefonchips. Bodenständig blieb der ehemalige Stanford-Professor jedoch immer.

Optimistisch – zumindest nach außen – musste er als Hüter einer der wichtigsten börsennotierten Firmen ohnehin sein. Keine Frage – wenn Barrett nächste Woche von seinem Posten als Verwaltungsratschef von Intel zurücktritt und sich in den Ruhestand verabschiedet, geht eine Ära zu Ende. Wirtschaftlich steht Intel trotz der derzeitigen Absatzschwäche im PC-Geschäft relativ gut da, dominiert mit achtzig Prozent Anteil den Markt für Computerprozessoren und punktet derzeit mit guten Produkten. Intel-Chef Paul Otellini weckt sogar Hoffnungen, dass das derzeitige globale Tal der Tränen bald durchschritten sein könnte.

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Der Verfolgungswahn-Kult und seine Folgen

Doch das wird es nicht sein, was die Ära Barrett definieren wird. Vielmehr könnte er als derjenige in die Geschichte eingehen, der Intel in eine moralische Krise steuerte. Systematisch hat Intel seinen Konkurrenten AMD gefoult, mit Preisnachlässen und Werbezuschüssen PC-Hersteller davon abgehalten,die Mikroprozessoren des Wettwerbers zu bestellen. EU-Wettbewerbshüterin Nelly Kroes hält das nach jahrelanger Prüfung für ausreichend bewiesen wie schon zuvor ihre südkoreanischen und japanischen Amtskollegen.

So symphatisch Barrett als Mensch ist – die schlimmsten dieser Wettbewerbsverstösse geschahen während seiner Amtszeit – in einem von seinem Mentor Andy Grove begründeten Klima in dem nur die Paranoiden überlebten und folglich zum Lebens- und Marktanteilserhalt laut EU auch zu illegalen Mitteln griffen.

Es sieht ganz so aus, als ob Barrett einen Teil seines Ruhestandes nicht auf seiner Ranch in Montana und seinem Anwesen in Arizona, sondern in Anwaltskanzleien und Gerichtssäälen wird verbringen müssen. In Amerika wird jetzt geheult, dass die Europäer mit ihren Strafen gegen Intel und Microsoft die Computerindustrie unterhöhlen wollen, um die Dominanz der US-Unternehmen zu stoppen.

Gelenkt natürlich aus Berlin, weil AMD seine Mikroprozessoren in Dresden herstellen lässt. Dabei wird geflissentlich vergessen, dass es sich beim Geschädigten AMD um ein amerikanisches Unternehmen handelt. Und was ist an Intels Argument dran, dass Verbraucher durch Preisnachlässe letztlich nicht geschädigt wurden? Kurzfristig vielleicht nicht. Auf lange Sicht schon, wenn Intel plötzlich keine Konkurrenz mehr hat und neue Herausforderer nicht mehr finanziert werden, weil kein Investor die Traute dazu hat.

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