Europäische Großbank: Schuldenkrise bringt UniCredit unter Druck

Europäische Großbank: Schuldenkrise bringt UniCredit unter Druck

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Unicredit-Chef Federico Ghizzoni

Keiner anderen europäischen Großbank misstrauen Anleger derzeit mehr als der italienischen UniCredit. Das Kreditinstitut hält allein 40 Milliarden italienischer Staatsanleihen. Doch das ist nicht das einzige Problem.

Wer Federico Ghizzoni dieser Tage in der palastartigen Zentrale der italienischen Großbank UniCredit an der Piazza Cordusio im Zentrum Mailands aufsucht, trifft auf einen ebenso zurückhaltenden wie selbstbewussten Chef. Souverän und ausführlich beantwortet der 55-jährige Italiener kritische Fragen zu seinem Institut, das in Deutschland durch die Fusion mit der Münchner HypoVereinsbank (HVB) vor gut sechs Jahren auf Platz drei der privaten Banken rangiert. Besonnen erklärt er die aktuellen Verwerfungen – und warum Anleger und Beschäftigte der von Ex-HVB-Chef Dieter Rampl beaufsichtigten Bank keinen Grund zur Sorge haben müssten.

Innerhalb eines Jahres hat sich Ghizzonis Auftreten deutlich verändert. Als der vom Osteuropachef zum Vorstandsvorsitzenden beförderte Banker im vergangenen Herbst im Schlepptau von Verwaltungsratschef Rampl seine ersten öffentlichen Auftritte absolvierte, wirkte er übertrieben vorsichtig und unsicher. Es schien kaum vorstellbar, dass ausgerechnet er den Posten übernehmen sollte, auf dem vor ihm mehr als zehn Jahre der charismatische Ex-McKinsey-Berater Alessandro Profumo gethront hatte. Gegen seinen Vorgänger, dem Bewunderer den Ehrentitel "der Große" verliehen, erschien der gelernte Jurist, der sein gesamtes Berufsleben brav im Dienst der Bank verbracht hatte, wie ein allzu netter, älterer Verwaltungsfachangestellter.

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Ghizzonis Wandlung ist umso erstaunlicher, als sie hart mit der Wertentwicklung seines Instituts kontrastiert. Denn während sein Selbstbewusstsein erstarkte, ging es mit der Bank an der Börse bergab. Seit Ghizzonis Amtsantritt hat sich der Aktienkurs der UniCredit mehr als halbiert, allein im vergangenen Monat fiel er um 30 Prozent bis auf einen Tiefststand von 87 Cent. Die Bank zählt damit zu den größten Verlierern der an Abstürzen reichen vergangenen Wochen. Mehrmals wurde sie seit Juni vom Handel an der Mailänder Börse ausgesetzt.

Warnsignal für neue Krise

Keine andere europäische Großbank halten Investoren derzeit für riskanter. Das legen die Preise von handelbaren Derivaten zur Kreditabsicherung (CDS) nahe. Wer eine Forderung von einer Million Euro über fünf Jahre gegen UniCredit absichern will, musste dafür zuletzt eine Prämie von 38 000 Euro zahlen. Das sind rund 10 000 Euro mehr als Anfang 2009, als das allgemeine Misstrauen gegenüber Banken nach der Pleite von Lehman Brothers seinen bisherigen Höhepunkt erreicht hatte.

Glaubt man allein diesen Indikatoren, wäre UniCredit neben einigen anderen europäischen Großbanken und der Bank of America ein heißer Kandidat für eine zweite große Bankenschieflage. Auch wenn es für solche Befürchtungen nach Einschätzung fast aller Marktteilnehmer derzeit keinen Grund gibt, wächst die Sorge um die Verfassung vieler Banken. Auch wenn die Branche noch weit von der Schockstarre entfernt ist, wächst das Misstrauen zwischen den Geldhäusern wieder. Ebenso wie der rapide Verfall der Aktienkurse ist das ein Warnsignal für eine mögliche neue Bankenkrise – als Folge der Staatsschuldenkrise. Gerade Banken aus den verschuldeten Staaten Südeuropas sind davon besonders betroffen.

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