European-Business-School-Chef Jahns: "Wir brauchen mehr Fairness" - Seite 2

European-Business-School-Chef Jahns: "Wir brauchen mehr Fairness"

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Jahns: "Die Vollkasko-Raffgier bei den Managergehältern ist nicht in Ordnung"
Jahns: "Die Vollkasko-Raffgier bei den Managergehältern ist nicht in Ordnung"

Wie viele Absolventen haben Sie schon darauf eingeschworen?

Die ersten EBS-Absolventen werden den Eid 2011 ablegen. Schließlich geht es hier nicht um einen schnellen Marketing-Gag. Unsere Philosophie-Professoren haben ein Konzept für die Implementierung ethischer Fragestellungen auch in alle Lehrveranstaltungen außerhalb des Studium Universale entwickelt. Damit werden wir weltweit die erste Hochschule sein, die sich diesen Prinzipien nicht nur per Eid verpflichtet, sondern sie auch in ihrem Curriculum umsetzt. Wenn unsere Studenten den Eid ablegen, haben sie zuvor intensiv an diesen Wertfragen gearbeitet. Am Ende ihres Studiums können sie dann frei entscheiden, dieses Davoser Gelöbnis, also eine Art hippokratischen Eid abzulegen, wie er für Ärzte gilt.

Können Sie uns mal erklären, was das mit dem Job zukünftiger Manager zu tun hat?

Mehr als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Wie Manager unterliegen auch Ärzte einem Zielkonflikt – einerseits sind sie ihren Patienten verpflichtet, andererseits verdienen sie mit den Patienten Geld. Es geht also darum, unterschiedliche Interessen auszutarieren, das eine Ziel zu erreichen, ohne das andere zu vernachlässigen. Mit dem Eid sollen Manager versprechen, sich an die Prinzipien des Ehrbaren Kaufmanns zu halten – ihr Handeln soll nachhaltig, transparent und sozial sein, Umweltschutz und Generationengerechtigkeit gewährleisten und jede Form von Korruption ächten. Das funktioniert nur mit einem fest in der Persönlichkeit verankerten Wertesystem.

Und das soll die Probleme lösen?

Für sich genommen natürlich nicht. Deshalb ist unser Manager-Eid nur eines von mehreren Elementen. Das zweite betrifft die Ausbildung. Was heute an den Universitäten als Betriebswirtschaft gelehrt wird, ist eine Geschichte jahrzehntelanger Versäumnisse. Wie Führungskräfte dazu gebracht werden, über sich selbst und ihr Handeln kritisch zu reflektieren und die Erkenntnisse aus diesem Prozess dann zu antizipieren, danach sucht man in den Lehrplänen vergeblich. Das versuchen wir aufzufangen – durch Ethik-Unterricht als Pflichtfach.

Was treibt Sie als Spezialist für Einkaufs- und Lieferkettenmanagement zur Ethik?

Wer im Zuge der Globalisierung internationale Lieferketten aufbaut, muss Zulieferer auswählen und Logistik-Systeme aufbauen. Dabei gibt es viele Gelegenheiten, gegen die Prinzipien von Gerechtigkeit, sozialem Verhalten und Umweltschutz zu verstoßen. Um zwei Beispiele zu nennen: Nordseekrabben aus Kostengründen zum Auspulen nach Marokko zu fliegen, ist mit den Prinzipien eines Ehrbaren Kaufmanns ebenso wenig vereinbar, wie hierzulande Billigtextilien zu verkaufen, die in Bangladesch von Kindern hergestellt werden. Wir brauchen einen Global Sourcing Code, der die Gebote der Nachhaltigkeit in den Köpfen der Einkäufer verankert.

Aber das erhöht die Kosten und damit auch die Preise solcher Produkte.

Ja, das wird in vielen Fällen so sein. Zwischen 60 und 80 Prozent der Kosten eines Unternehmens entfallen auf den Einkauf. Die Kosten allein können aber nicht länger der Maßstab sein, Unternehmenserfolg darf sich nicht auf die Ausbeutung von Menschen und Natur gründen. Wir brauchen bei Lieferketten und Logistik eine nachhaltige Preis- und Kostenkalkulation, die auch die Umweltfolgen berücksichtigt. Meiner Meinung nach wären die meisten Menschen bereit, dafür auch einen höheren Preis zu bezahlen. Diesen schon begonnenen Umdenkungsprozess müssen wir weiter vorantreiben.

Wie wollen Sie Ihre Ziele durchsetzen?

Auf zwei Wegen. Um den Global Sourcing Code kümmern wir uns selber. Derzeit entwickeln wir zertifizierte Lieferketten, die anschließend mit mehreren Unternehmen in den Praxistest gehen. Den Managereid werden wir auf dem nächsten World Economic Forum in Davos im Januar zum Thema machen. Noch sind wir ganz am Anfang.

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28 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.01.2011, 13:28 UhrAnonymer Benutzer: Trickser

    @MT: Recht hast Du. Es wird einem übel, wenn man im Artikel liest: "es wird getrickst, was das Kleingedruckte hergibt." Der Trickser entlarvt sich selbst und seine Rechtsanwälte richten insbesondere in der Schweiz Tochtergesellschaften ein, deren Gesellschafterin ja anscheinend nicht dich EbS ist (die auch in der Schweiz keine Töchter haben sollte!), sondern Jahns' bekanntenkreis aus seinem beraternetzwerk. Ein Schelm, der böses dabei denkt.

  • 30.01.2011, 13:23 UhrAnonymer Benutzer: Politikversagen

    Eine Farce, was da passiert. Und bisher hat Herr Jahns nicht einmal die Traute, sich selbst zu den Vorwürfen zu äußern. Der Aufsichtsrat lässt per Kommunikationschefin (die arme Frau soll es ausbaden!) halbherzig dementieren. Alles sei geprüft und in Ordnung. Warum melden sich die Herren Jahns und der Aufsichtsrat nicht persönlich zu Wort? Ersterer vielleicht, weil er in Davos mit den anderen Young Global Leaders Ethikschwüre einstudiert? Letztere vielleicht, weil sie ihrer Aufsichtspflicht weniger nachgekommen sind, als es vielleicht ratsam gewesen wäre. Wer sitzt eigentlich im Aufsichtsrat und welche persönlichen Verbindungen gibt es da zu Herrn Jahns und seinem beraternetzwerk? Herr Jahns hat die EbS doch in den letzten Jahren massiv umgebeut. Hat er auch den Aufsichtsrat aktiv mit gestaltet? Der ihn und die anderen Verantwortlichen der Hochschule doch eigentlich kontrollieren soll! Was ist mit Frau Fuchs, ebenfalls Geschäftsführerin der EbS, die auf Fotos von Spendengalas gern auch mal mit unserer aktuellen Familienministerin auftritt. An der EbS ist Frau Fuchs für das Fundraising verantwortlich. Sie wird doch sagen können, woher welche Mittel aus Steuergelddern stammen. Land Hessen, Stadt Wiesbaden, Stadt Frankfurt. Was ist mit Fördergeldern der Forschungsgemeinschaft DFG, des Forschungsministeriums bMbF, der verschiedenen Forschungsgemeinschaften wie Fraunhofer und andere, die ja auch mit öffentlichen Mitteln arbeiten. Können Frau Fuchs und Herr Jahns da bitte einmal detailliert Auskunft geben, woher welche öffentlichen Mittel stammen und wie diese verwendet wurden! Schonungslose Aufklärung würde unser ehemaliger Ministerpräsident Koch das dann wohl nennen. Aber der hat die brachiale Förderung der EbS ja selbst nach Kräften unterstützt. Sein Wille zur Aufklärung wird gering sein.
    ich bin wirklich gespannt, was wir noch alles erfahren werden.

  • 27.01.2011, 11:26 UhrAnonymer Benutzer: MT

    Welch ein Hohn sind diese Aussagen, wenn man die aktuelle berichterstattung zu Herrn Jahns (Spiegel, hessische tagespresse, bild) liest. Der Mann, der den ehrbaren Kaufmann preist, ist ein blender und Riesen-Abzocker.

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