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European-Business-School-Chef Jahns: "Wir brauchen mehr Fairness"

von Hans-Jürgen Kleese und Julia Leendertse

Christopher Jahns, Präsident der European Business School und Experte für Einkauf und Logistik, über die Lehren aus der Krise, die Tradition des Ehrbaren Kaufmanns und warum wir wieder mehr Ethik in der Wirtschaft brauchen.

Christopher Jahns
Christopher Jahns

Herr Professor Jahns, Sie verlangen von Führungskräften mehr Ethik bei unternehmerischen Entscheidungen. Solche Forderungen erwartet man eher von Kirchenvertretern als vom Rektor einer Kaderschmiede für Top-Manager. Warum also?

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Es gibt einen eindeutigen Nachholbedarf– das hat uns die Wirtschafts- und Finanzkrise gezeigt. Deren Ursachen sind weniger auf fachliche Versäumnisse sondern vor allem auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen – auf Gier, Maß- und Verantwortungslosigkeit. Business Schools wie wir bilden den Führungskräftenachwuchs aus und dabei haben wir Fehler gemacht. Wir haben in der Ausbildung ethische Belange vernachlässigt. Damit sind wir – zumindest indirekt – Mitverursacher der Krise und mitschuldig an ihren Folgen. Daraus müssen wir Konsequenzen ziehen.

Das Streben nach mehr gilt als Antriebskraft unserer Wirtschaftsordnung. Wollen Sie den Kapitalismus abschaffen?

Darum geht es nicht – entscheidend ist die Frage, ob das, was ich als Unternehmer oder Manager mache, anderen schadet und wie man unternehmerisches und ethisches Handeln unter einen Hut bekommt. Die Ethik ist in den vergangenen Jahren eindeutig zu kurz gekommen.

Woran machen Sie das fest?

Denken Sie an die Debatte um die Managergehälter in Deutschland. Angestoßen wurde sie mit dem Argument, deutsche Top-Manager seien im internationalen Vergleich unterbezahlt. Jetzt haben wir das groteske Ergebnis, dass auf US-Niveau verdient wird – aber mit Absicherung nach deutscher Tradition: Wer ausscheidet, bekommt im Gegensatz zu den USA auch noch eine Abfindung. Diese Vollkasko-Raffgier ist nicht in Ordnung.

Die Globalisierung bringt oft eine Amerikanisierung der Unternehmen mit sich. Welche Auswirkungen hat das auf die Ethik?

Schauen Sie sich zum Beispiel die Bilanzierungsregeln an: Solange in Deutschland nach den Regeln des Handelsgesetzbuches bilanziert wurde, orientierten sich unternehmerische Entscheidungen eher an langfristigen Zielen. Mit Übernahme der US-Bilanzierungsregeln hat sich unser ökonomisches Wertesystem verschoben, unser ökonomisches Handeln ist kurzfristig und damit kurzatmig geworden. Entschieden wird im Drei-Monats-Rhythmus und fokussiert auf den nächsten Quartalsbericht. Diese Denke mit ihrem Mangel an Nachhaltigkeit ist mitverantwortlich für die Krise.

Was setzen Sie dagegen?

Statt sich ausschließlich an der Rendite zu orientieren, müssen im Unternehmen auch die Interessen der Arbeitnehmer, der Zulieferer, der Umwelt und der Allgemeinheit berücksichtigt werden...

...Stakeholder- statt Shareholder-Value?

Richtig. Darüber hinaus brauchen wir einen neuen, auf mehr Fairness basierenden Umgang der Unternehmen untereinander. Etwas überspitzt: Früher galt zwischen Kaufleuten das Handschlagprinzip, es gab das stillschweigende Übereinkommen, fair miteinander umzugehen und sich nicht gegenseitig zu übervorteilen. Heute gibt es statt dessen Rechtsabteilungen – es wird getrickst, was das Kleingedruckte hergibt. Deshalb haben wir begonnen, künftige Manager auf das Prinzip des Ehrbaren Kaufmanns einschwören, wie es zum Beispiel im Städtebund der Hanse Gültigkeit hatte.

Mittelalterliches Denken für ökonomisches Handeln im 21. Jahrhundert?

Das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns als Synonym für verantwortliches Handeln im Wirtschaftsleben hat nach wie vor Gültigkeit. Es steht für ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für das Unternehmen, aber auch für Gesellschaft und Umwelt. Der Ehrbare Kaufmann stützt sein Verhalten auf Tugenden, die auf langfristigen wirtschaftlichen Erfolg abzielen, ohne den Interessen der Gesellschaft zu schaden. Heute würde man sagen, ein Ehrbarer Kaufmann wirtschaftet nachhaltig. Genau das brauchen wir.

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28 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.01.2011, 13:28 UhrAnonymer Benutzer: Trickser

    @MT: Recht hast Du. Es wird einem übel, wenn man im Artikel liest: "es wird getrickst, was das Kleingedruckte hergibt." Der Trickser entlarvt sich selbst und seine Rechtsanwälte richten insbesondere in der Schweiz Tochtergesellschaften ein, deren Gesellschafterin ja anscheinend nicht dich EbS ist (die auch in der Schweiz keine Töchter haben sollte!), sondern Jahns' bekanntenkreis aus seinem beraternetzwerk. Ein Schelm, der böses dabei denkt.

  • 30.01.2011, 13:23 UhrAnonymer Benutzer: Politikversagen

    Eine Farce, was da passiert. Und bisher hat Herr Jahns nicht einmal die Traute, sich selbst zu den Vorwürfen zu äußern. Der Aufsichtsrat lässt per Kommunikationschefin (die arme Frau soll es ausbaden!) halbherzig dementieren. Alles sei geprüft und in Ordnung. Warum melden sich die Herren Jahns und der Aufsichtsrat nicht persönlich zu Wort? Ersterer vielleicht, weil er in Davos mit den anderen Young Global Leaders Ethikschwüre einstudiert? Letztere vielleicht, weil sie ihrer Aufsichtspflicht weniger nachgekommen sind, als es vielleicht ratsam gewesen wäre. Wer sitzt eigentlich im Aufsichtsrat und welche persönlichen Verbindungen gibt es da zu Herrn Jahns und seinem beraternetzwerk? Herr Jahns hat die EbS doch in den letzten Jahren massiv umgebeut. Hat er auch den Aufsichtsrat aktiv mit gestaltet? Der ihn und die anderen Verantwortlichen der Hochschule doch eigentlich kontrollieren soll! Was ist mit Frau Fuchs, ebenfalls Geschäftsführerin der EbS, die auf Fotos von Spendengalas gern auch mal mit unserer aktuellen Familienministerin auftritt. An der EbS ist Frau Fuchs für das Fundraising verantwortlich. Sie wird doch sagen können, woher welche Mittel aus Steuergelddern stammen. Land Hessen, Stadt Wiesbaden, Stadt Frankfurt. Was ist mit Fördergeldern der Forschungsgemeinschaft DFG, des Forschungsministeriums bMbF, der verschiedenen Forschungsgemeinschaften wie Fraunhofer und andere, die ja auch mit öffentlichen Mitteln arbeiten. Können Frau Fuchs und Herr Jahns da bitte einmal detailliert Auskunft geben, woher welche öffentlichen Mittel stammen und wie diese verwendet wurden! Schonungslose Aufklärung würde unser ehemaliger Ministerpräsident Koch das dann wohl nennen. Aber der hat die brachiale Förderung der EbS ja selbst nach Kräften unterstützt. Sein Wille zur Aufklärung wird gering sein.
    ich bin wirklich gespannt, was wir noch alles erfahren werden.

  • 27.01.2011, 11:26 UhrAnonymer Benutzer: MT

    Welch ein Hohn sind diese Aussagen, wenn man die aktuelle berichterstattung zu Herrn Jahns (Spiegel, hessische tagespresse, bild) liest. Der Mann, der den ehrbaren Kaufmann preist, ist ein blender und Riesen-Abzocker.

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