European-Business-School-Chef Jahns: "Wir brauchen mehr Fairness"

InterviewEuropean-Business-School-Chef Jahns: "Wir brauchen mehr Fairness"

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Christopher Jahns

Christopher Jahns, Präsident der European Business School und Experte für Einkauf und Logistik, über die Lehren aus der Krise, die Tradition des Ehrbaren Kaufmanns und warum wir wieder mehr Ethik in der Wirtschaft brauchen.

Herr Professor Jahns, Sie verlangen von Führungskräften mehr Ethik bei unternehmerischen Entscheidungen. Solche Forderungen erwartet man eher von Kirchenvertretern als vom Rektor einer Kaderschmiede für Top-Manager. Warum also?

Es gibt einen eindeutigen Nachholbedarf– das hat uns die Wirtschafts- und Finanzkrise gezeigt. Deren Ursachen sind weniger auf fachliche Versäumnisse sondern vor allem auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen – auf Gier, Maß- und Verantwortungslosigkeit. Business Schools wie wir bilden den Führungskräftenachwuchs aus und dabei haben wir Fehler gemacht. Wir haben in der Ausbildung ethische Belange vernachlässigt. Damit sind wir – zumindest indirekt – Mitverursacher der Krise und mitschuldig an ihren Folgen. Daraus müssen wir Konsequenzen ziehen.

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Das Streben nach mehr gilt als Antriebskraft unserer Wirtschaftsordnung. Wollen Sie den Kapitalismus abschaffen?

Darum geht es nicht – entscheidend ist die Frage, ob das, was ich als Unternehmer oder Manager mache, anderen schadet und wie man unternehmerisches und ethisches Handeln unter einen Hut bekommt. Die Ethik ist in den vergangenen Jahren eindeutig zu kurz gekommen.

Woran machen Sie das fest?

Denken Sie an die Debatte um die Managergehälter in Deutschland. Angestoßen wurde sie mit dem Argument, deutsche Top-Manager seien im internationalen Vergleich unterbezahlt. Jetzt haben wir das groteske Ergebnis, dass auf US-Niveau verdient wird – aber mit Absicherung nach deutscher Tradition: Wer ausscheidet, bekommt im Gegensatz zu den USA auch noch eine Abfindung. Diese Vollkasko-Raffgier ist nicht in Ordnung.

Die Globalisierung bringt oft eine Amerikanisierung der Unternehmen mit sich. Welche Auswirkungen hat das auf die Ethik?

Schauen Sie sich zum Beispiel die Bilanzierungsregeln an: Solange in Deutschland nach den Regeln des Handelsgesetzbuches bilanziert wurde, orientierten sich unternehmerische Entscheidungen eher an langfristigen Zielen. Mit Übernahme der US-Bilanzierungsregeln hat sich unser ökonomisches Wertesystem verschoben, unser ökonomisches Handeln ist kurzfristig und damit kurzatmig geworden. Entschieden wird im Drei-Monats-Rhythmus und fokussiert auf den nächsten Quartalsbericht. Diese Denke mit ihrem Mangel an Nachhaltigkeit ist mitverantwortlich für die Krise.

Was setzen Sie dagegen?

Statt sich ausschließlich an der Rendite zu orientieren, müssen im Unternehmen auch die Interessen der Arbeitnehmer, der Zulieferer, der Umwelt und der Allgemeinheit berücksichtigt werden...

...Stakeholder- statt Shareholder-Value?

Richtig. Darüber hinaus brauchen wir einen neuen, auf mehr Fairness basierenden Umgang der Unternehmen untereinander. Etwas überspitzt: Früher galt zwischen Kaufleuten das Handschlagprinzip, es gab das stillschweigende Übereinkommen, fair miteinander umzugehen und sich nicht gegenseitig zu übervorteilen. Heute gibt es statt dessen Rechtsabteilungen – es wird getrickst, was das Kleingedruckte hergibt. Deshalb haben wir begonnen, künftige Manager auf das Prinzip des Ehrbaren Kaufmanns einschwören, wie es zum Beispiel im Städtebund der Hanse Gültigkeit hatte.

Mittelalterliches Denken für ökonomisches Handeln im 21. Jahrhundert?

Das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns als Synonym für verantwortliches Handeln im Wirtschaftsleben hat nach wie vor Gültigkeit. Es steht für ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für das Unternehmen, aber auch für Gesellschaft und Umwelt. Der Ehrbare Kaufmann stützt sein Verhalten auf Tugenden, die auf langfristigen wirtschaftlichen Erfolg abzielen, ohne den Interessen der Gesellschaft zu schaden. Heute würde man sagen, ein Ehrbarer Kaufmann wirtschaftet nachhaltig. Genau das brauchen wir.

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