Evonik-Chef Klaus Engel: "Das klingt nach Science-Fiction"

Evonik-Chef Klaus Engel: "Das klingt nach Science-Fiction"

von Jürgen Salz und Andreas Wildhagen

Evonik-Chef Klaus Engel redet Klartext - über die wirtschaftlichen Aussichten, die Regierungspläne in Nordrhein-Westfalen, die Zukunft der Atomkraft und seine Pläne für das Chemiegeschäft.

WirtschaftsWoche: Herr Engel, Evonik zählt zu den größten Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, das künftig wohl von einer rot-grünen Minderheitsregierung geführt wird. Wie sehen Sie die politische Entwicklung in Ihrem Stammland?

Engel: NRW ist das industrielle Kernland der Republik. Gerade die Wirtschaft ist hier auf eine stabile Landesregierung angewiesen. Und das gilt nicht nur für die Energiepolitik. Politische Instabilität ist schlicht schlecht für unternehmerische Entscheidungen. Deshalb sehe ich eine rot-grüne Minderheitsregierung sehr skeptisch; eine große Koalition wäre die bessere Lösung.

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Wünschen Sie sich das auch für den Bund, weil die schwarz-gelbe Regierung zu schwach und zu angeschlagen ist?

Ich werde hier nicht auch noch auf die Bundesregierung einprügeln. Sie hat es derzeit gewiss schwer genug. Wir können vor unseren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen nicht immerzu in Radikalkritik flüchten. Überrascht hat uns, dass der Graben zwischen ökologischen Zielvorstellungen und der ökonomischen Realität bei Umweltminister Röttgen so tief ist.

Sie meinen Röttgens Skepsis gegenüber einer Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke. Was stört Sie daran, obwohl Evonik nur Kohlekraftwerke betreibt?

Trotzdem bin ich ganz klar für eine Laufzeitverlängerung. Denn wir können uns nicht nur auf die regenerativen Energien verlassen. Wir müssen deren Potenzial zwar zukünftig intensiver nutzen. Aber wir werden trotz aller Anstrengungen Kernenergie und Kohle noch für sehr lange Zeit brauchen. Das ist eine schlichte Realität, die wir nicht wegdiskutieren können. Und unsere Industrie kann auf eine verlässliche preiswerte Grundversorgung mit Strom nicht verzichten. Es geht in nächster Zeit nun mal nicht allein mit Wind und Sonne.

Warum hat Evonik dann die Projekte für Kohlekraftwerke im Ruhrgebiet, in Lünen und in Herne, auf Eis gelegt?

Zurückgestellt sind lediglich die Pläne für das Projekt Herne. Kraftwerke emittieren Kohlendioxid, dazu müssen künftig alle CO2-Zertifikate gekauft werden. Es ist politisch aber noch nicht klar, in welchem Umfang und zu welchem Preis. Deshalb wissen wir nicht, wie uns das finanziell belasten wird. Das ist ökonomisch nicht zu verantworten und zudem ein klarer Wettbewerbsnachteil gegenüber Kraftwerksstandorten außerhalb der EU. Denn dort gibt es keinen Emissionshandel. Ein globaler Wettbewerb funktioniert nur, wenn alle Länder gleichmäßig belastet werden. Ansonsten führt das zu weiterem Export von Arbeitsplätzen in Deutschland.

Evonik entwickelt zusammen mit Daimler Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge. Auch hier stehen Sie unter der Fuchtel der Politik. Was hat der Elektroauto-Gipfel unter Leitung der Bundeskanzlerin Anfang Mai gebracht?

Ich bin sicher, dass das Elektroauto kommen wird, zumindest in den großen Metropolen der Welt. Wir müssen aufpassen, dass uns Japaner, Chinesen und Amerikaner nicht abhängen. Die deutsche Automobilindustrie – allen voran EVN für unser neues Kraftwerk in Walsum. Im Übrigen machen wir hier kein Hackepeter. Wir wissen, was unser Energiegeschäft wert ist...

...in der Branche werden drei Milliarden Euro kolportiert.

Falls wir keinen Preis bekommen, der unseren Vorstellungen entspricht, dann wird es auch keinen Deal geben. Wir werden im Herbst entscheiden.

Nun wollen Sie auch noch Ihr Immobiliengeschäft umstrukturieren. Bei der Zusammenlegung Ihres Wohnungsbestands mit dem Immobilienunternehmen THS, an dem Evonik und die Gewerkschaft IG BCE paritätisch beteiligt sind, droht Ihnen im Zweifelsfall doch nur Ärger mit ängstlichen Mietern. Was haben Sie damit vor?

Wir wollen mit der Zusammenführung das drittgrößte und zugleich beste Immobilienunternehmen in Deutschland bauen. Dafür nehmen wir uns viel Zeit. Unser Ziel ist es zu zeigen, dass die Interessen von Mietern, Mitarbeitern und Gesellschaftern gut zusammengehen. Das wird das Gegenmodell zu großen Wettbewerbern.

Und Sie würden nicht an einen Finanzinvestor verkaufen, der dann möglicherweise die Mieten deutlich erhöht?

Nein!

Es sein denn, es gäbe ein interessantes Chemieunternehmen zu übernehmen. Würden Sie sich dann auch schneller von den Immobilien trennen?

Nur im Einverständnis mit der IG BCE, unserem Mitgesellschafter. Und nicht zum Nachteil von Mietern und Mitarbeitern.

Bei all den Umstrukturierungen, Käufen, Verkäufen, Ausgliederungen: Kommt Evonik eigentlich auch mal zur Ruhe?

Also, ich fühle mich schon ganz wohl, wenn im Unternehmen ordentlich was los ist. Es gibt nun mal keinen Fortschritt ohne Bewegung. 

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