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Ex-Conti-Vorstand: Neumann wechselt zu Volkswagen

von Mark C. Schneider und Carsten Herz Quelle: Handelsblatt Online

Heute ist in Wolfsburg ein Tag der wichtigen Entscheidungen. Der Aufsichtsrat von Volkswagen tagt und hat so manche offene Frage zu lösen. Bereits durchgedrungen ist, dass Ex-Conti-Chef Neumann nach Wolfsburg wechselt und VW den Münchener Autohändler Mahag übernimmt. Noch offen ist, ob auch Karmann bald zum Konzern gehört.

Volkswagen übernimmt das Münchener Traditionsunternehmen Mahag. Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com
Volkswagen übernimmt das Münchener Traditionsunternehmen Mahag. Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com

FRANKFURT/STUTTGART. Europas größter Autokonzern Volkswagen hat vor der geplanten Integration von Porsche seine Führungscrew verstärkt. Die Wolfsburger holen den früheren Vorstandschef von Continental, Karl-Thomas Neumann, als Konzernbeauftragten für Elektroantriebe, in das Management des Konzerns.

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Das beschloss der VW-Aufsichtsrat auf seiner gestrigen Sitzung, wie das Unternehmen mitteilte. Neumann, der im Streit mit Conti-Großaktionär Schaeffler in Hannover ausgeschieden war, hatte zuvor bereits bei VW gearbeitet. Intern wird Neumann als möglicher Kronprinz von VW-Boss Martin Winterkorn gehandelt, dessen Vertrag unmittelbar vor der Verlängerung steht.

VW justiert damit vor dem anstehenden Zusammenschluss mit dem Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche die Macht in der Topetage in Wolfsburg neu und ebnet den Weg zur geplanten Integration der Autobauer. So beriet das VW-Kontrollgremium Mittwoch auch über die weiteren Schritte zur Hochzeit mit Porsche. VW plant, auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 3. Dezember sich eine Kapitalerhöhung von 10 Mrd Euro genehmigen zu lassen und damit einen Kapitalrahmen, der für mehr als einen Einstieg in Stuttgart reicht.

Das außerordentliche Aktionärstreffen musste nach dem Ende eines monatelangen Machtkampfes zwischen dem Wolfsburger Konzern und Porsche angesetzt werden. VW will in einem ersten Schritt knapp die Hälfte des Sportwagenbauers übernehmen, 2011 soll dann ein kompletter Zusammenschluss folgen. Um seine finanzielle Basis zu stärken, will VW nun die Aktionäre um frisches Geld bitten.

Der hoch verschuldete Stuttgarter Autobauer vereinbarte nach wochenlangen Verhandlungen Finanzkreisen zufolge mit seinen Kreditgebern ein neues Darlehen über 8,5 Mrd. Euro. Die neue Nähe zu VW zahlt sich dabei offensichtlich jetzt bei der Umschuldung von Porsche aus. Der neue Kreditrahmen ersetzt die bisherige Darlehenszusage über 10,8 Mrd. Euro. Alle Banken hätten zugestimmt, nun müssten die Dokumente noch endgültig verabschiedet werden, hieß es. Porsche wollte sich am Mittwoch dazu nicht äußern.

Die Verringerung der Kreditlinie wurde vermutlich möglich, da VW bei der Übernahme von Porsche schneller vorgeht als ursprünglich geplant. Vor drei Wochen gaben die Wolfsburger bekannt, bis zum Jahresende bereits in einem ersten Schritt 49,9 Prozent an der Sportwagentochter der Stuttgarter zu übernehmen. Geplant waren in der Grundlagenvereinbarung vom August ursprünglich nur 42 Prozent. Statt der ursprünglich vorgesehenen 3,3 Mrd. Euro muss VW deshalb in einem ersten Schritt wohl 3,9 Mrd. Euro auf das Konto der Holding Porsche SE überweisen. Die Aussicht auf das zusätzliche Geld dürfte die Verringerung der Kreditlinie ermöglicht haben. Aufgrund der gescheiterten Übernahme von VW betragen die Schulden des schwäbischen Konzerns 10 Mrd. Euro.

VW und Porsche hatten sich in den vergangen Jahren einen Machtkampf geliefert, den der Wolfsburger Autobauer schließlich gewann. Beide Unternehmen verschmelzen nun bis zum Jahr 2011 unter der Führung von VW. Der Konzern will sein Engagement bei Porsche langsam beginnen und gibt sich zunächst mit einem Minderheitsanteil zufrieden. Im Zuge der Fusion will VW den Porsche-Eigentümerfamilien auch die Salzburger Holding abkaufen. Der Wert des größten europäischen Autohändlers wird auf 3,6 Mrd. Euro geschätzt. Zudem steht Volkswagen vor der Übernahme derder Münchner Autohandelsgesellschaft Mahag. Wie ein VW-Sprecher bestätigte gibt es bereits einen Vorvertrag zwischen beiden Parteien.Details sind aber noch nicht bekannt. Die hauptsächlich im Raum München, aber auch in Ulm und Berlin tätige Autofirma hat bundesweit 30 Standorte und beschäftigt 1850 Mitarbeiter.

VW ist bislang vergleichsweise glimpflich durch die Autokrise gekommen und hat derzeit viele Expansionschancen. Zwar verfügt VW dabei über mehr als zehn Mrd. Euro liquide Mittel, möchte aber durch die Käufe nicht sein Rating gefährden. Auch deshalb will sich VW von seinen Aktionären die Ausgabe von 135 Mio.Vorzugsaktien binnen fünf Jahren genehmigen lassen. Geplant ist eine Kapitalerhöhung für die erste Hälfte des kommenden Jahres.

Porsche hatte sich bei der Übernahme von VW verhoben und einen Schuldenberg von mehr als zehn Mrd. Euro angehäuft. Im August vereinbarten die Unternehmen eine Zusammenführung unter dem VW-Dach. Der Deal kostet den Konzern, bei dem die Familien Porsche und Piëch dann direkt Großaktionäre werden, insgesamt fast 16 Mrd. Euro.

Juristische Fallstricke verzögerten die Verhandlungen. Bis Ende November soll möglichst aber eine Lösung gefunden werden. Ursprünglich hätten Winterkorn und VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch schon im September in den Vorstand der Porsche SE einziehen sollen. Der Aufsichtsrat von VW wollte auf seiner gestrigen Tagung auch über einen Einstieg beim insolventen Zulieferer Karmann beraten. Eine Entscheidung ließ jedoch zunächst auf sich warten.

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