Ex-Landesbank-Vorstand verhaftet: Die Skandale bei der BayernLB

Ex-Landesbank-Vorstand verhaftet: Die Skandale bei der BayernLB

von Jürgen Salz, Mark Fehr, Stephanie Heise und Henryk Hielscher

Die Verhaftung eines Ex-Vorstandes, dubiose Geschäfte, Milliardenrisiken: Eine Serie von Skandalen erschüttert die Landesbank - das hat System.

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Der frühere Risikomanager der BayernLB Gerhard Gribkowsky

Für Drehbuchautoren gäbe die jüngste Affäre der Bayerischen Landesbank wohl ein perfektes Skript ab: Ein Banker mit feudalem Lebensstil und einem Faible für Formel-1-Boliden lässt sich auf zweifelhafte Geschäfte ein und kassiert Millionen. Die Orte des Geschehens verbreiten einen Hauch Exotik: protzige Rennstrecken, die karibischen Jungferninseln, Mauritius und das idyllische Salzburg. Selbst der Name der Affäre klingt licht und klar: Sonnenschein.

So hatte der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky seine Privatstiftung in Österreich getauft, die nun im Zentrum einer der spektakulärsten Korruptionsermittlungen der vergangenen Jahre steht. Der Verdacht: Gribkowsky soll für sein „Entgegenkommen“ beim Verkauf von Formel-1-Anteilen seitens der BayernLB mit Millionensummen geschmiert worden sein, vermuten die Münchner Staatsanwälte. Am Mittwoch ließen sie Gribkowsky wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft nehmen und lenkten damit den Blick auf eine Bank, die in den vergangenen Jahren auch ohne die jüngste Affäre zum Synonym für Missmanagement und Amigo-Wirtschaft avanciert war.

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3,7 Milliarden Euro hat die BayernLB versenkt

So hatten sich die Bayern-Banker mit Schrottpapieren auf dem US-Hypothekenmarkt verzockt, was nach dem Platzen der dortigen Immobilienblase zu Milliardenverlusten führte. Die Fehlspekulationen wurden auch Risiko-Vorstand Gribkowsky angelastet. Er musste im Frühjahr 2008 gehen. Wenig später genehmigte die EU-Kommission insgesamt 15 Milliarden Euro rettende Staatshilfen des Freistaates Bayern für seine angeschlagene Landesbank. Zehn Milliarden Euro zahlte Bayern als Finanzspritze, mit weiteren 4,8 Milliarden Euro garantierte der Freistaat für faule Wertpapiere.

3,7 Milliarden Euro hat die BayernLB bei der mittlerweile wieder abgestoßenen Bank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) versenkt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss prüft das Desaster. Auch bei zahlreichen Großpleiten, etwa der des Elektronikgeräteherstellers Grundig und des Flugzeugherstellers Fairchild Dornier, durfte ein Name unter den Gläubigern nie fehlen: BayernLB.

Zwar dürfte der aktuelle Korruptionsfall nach dem derzeitigen Stand nichts mit den Altlasten der Bank zu tun haben. Doch dass es immer wieder die BayernLB erwischt, hat System: Und das heißt enge Verbandelung mit der Politik und mangelnde Kontrolle.

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