Ex-Porsche-Chef: Wiedeking zurück auf der großen Bühne

Ex-Porsche-Chef: Wiedeking zurück auf der großen Bühne

, aktualisiert 05. November 2011, 08:25 Uhr
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Bei Porsche wurde Wendelin Wiedeking sein Größenwahn zum Verhängnis.

von Carsten Herz und Mark Christian SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Finanziell unabhängig, gefällt sich der ehemalige Porsche-Chef in der Rolle des Investors. Zwei Jahre agierte er im Hintergrund, jetzt spielt er beim Poker um Kaufhof eine Schlüsselrolle.

Frankfurt/HamburgWendelin Wiedeking ist wieder in seinem Element: "No Risk, no Fun!" heißt sein Lebensmotto, und das nahm er stets ernst. So riskierte und verlor er als Porsche-Chef einst seinen Job, als er versuchte, den viel größeren Volkswagen-Konzern zu übernehmen. Nach seinem Abgang 2009 wurde es still um den polternden Westfalen. Der heute 59-Jährige tauchte in den letzten Jahren nur noch mal in den Klatschspalten auf, nachdem er auf dem Oktoberfest gefeiert hatte.

Als Teilhaber der Immobilienfirma Signa, die um die Warenhauskette Kaufhof buhlt, ist der selbstbewusste Manager nun wieder da, wo er sich zu Hause fühlt: auf der großen Bühne. Signa-Chef René Benko schmückt sich mit dem schillernden Wiedeking. Wiedeking soll der Türöffner für Signa sein. Denn hinter Signa, der größten österreichischen Immobiliengesellschaft, steht eigentlich George Economou, ein umstrittener griechischer Reeder.

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Seit seinem Abschied von Porsche berät Wiedeking die Österreicher von seinem Haus in Bietigheim bei Stuttgart aus. Er hält auch Anteile an dem Unternehmen, will sich aber selbst nicht zu dem Thema äußern. Für eine Stellungnahme war er nicht zu erreichen. Dem Vernehmen nach war er es jetzt, der die Gespräche mit Kaufhof-Eigentümer Metro geführt hat. Schließlich kennt er den scheidenden Vorstandschef Eckhard Cordes noch gut aus dessen Zeit als Chef von Mercedes-Benz.

Und das könnte erst der Anfang gewesen sein. Denn die Verbindung soll bald noch enger werden: Wiedeking zieht in den Beirat und Aufsichtsrat von Signa ein. Immobilien sind kein Neuland für ihn. Schon während seines Maschinenbaustudiums in Aachen gründete er eine Maklergesellschaft, später einen Bauträger, den heute seine Brüder im Heimatort Beckum führen.


Zu Fall gebracht hat ihn sein Größenwahn

Noch einmal ein Unternehmen, noch dazu einen Dax-Konzern zu führen, könne sich Wiedeking nicht mehr vorstellen, sagen Menschen, die ihn gut kennen. Dazu ist es eher unwahrscheinlich, dass ein Dax-Konzern sich den ebenso erfolgreichen wie umstrittenen Manager ins Haus holen würde. Noch immer ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Wiedeking. Gemeinsam mit seinem Vertrauten Holger Härter, damals Finanzchef von Porsche, soll er die Anleger im Zuge des Übernahme-Deals getäuscht haben. Vor allem die Fonds verloren bei dem Manöver Milliardenbeträge. Nicht nur in Deutschland, auch in den USA klagen Investoren gegen Porsche und VW.

Für den erfolgsverwöhnten Wiedeking, lange einer der bestbezahlten Manager der Welt, ist das Scheitern bei der VW-Übernahme die einzige wirkliche Niederlage seiner Karriere. Zu Fall gebracht hat ihn sein Größenwahn - und der erbitterte Widerstand von Porsche-Enkel und VW-Patriarch Ferdinand Piëch, den er mit der Machtübernahme bei Volkswagen reizte. Versüßt wurde Wiedeking der Abschied durch eine Abfindung in Höhe von 50 Millionen Euro.

Nun sieht und übt sich der Mann, der bei Porsche 16 Jahre lang regierte, als sei es sein eigenes Unternehmen, als Investor. An gut zehn Firmen ist der Hobbylandwirt beteiligt - aus allen möglichen Branchen. An dem Edelschuhmacher Dinkelacker gehört ihm ein knappes Drittel. Anfang des Jahres stieg er bei der Kommunikations-Beratungsfirma WMP Eurocom von Ex- "Bild"-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje als drittgrößter Anteilseigner ein. Und seit Mitte des Jahres sitzt er im Beirat der Fischer-Gruppe (Dübel) im Schwarzwald. Daneben beschäftigen Wiedeking seine drei Stiftungen. Aus ihren Erträgen hat er in den vergangenen Jahren gut eine Million Euro investiert, er pflegte auch sein Image als Freund der Literatur durch ein Sponsoring für das Deutsche Literaturarchiv in Marbach.

Und jetzt Kaufhof, eine der letzten großen Warenhausketten. Dank dem Bieterwettstreit zwischen Signa und Karstadt-Retter Nicolas Berggruen ist Wiedeking wieder zurück auf der großen Bühne und in der ersten Liga der deutschen Wirtschaft. 2,4 Milliarden Euro soll die Immobiliengesellschaft für Kaufhof geboten haben. Das steht für viel "Risk" und "Fun" in Wiedekings neuem Lebensabschnitt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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