Ex-Sanierungsfall: Opel auf Aufholjagd

Ex-Sanierungsfall: Opel auf Aufholjagd

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Opel-Chef Stracke

von Martin Seiwert

Der Absatz des einstigen Pleitekandidaten wächst überraschend stark. Mit etwas Wohlwollen der US-Konzernmutter GM könnte der Traditionsautobauer sogar VW angreifen. Doch es gibt offene Flanken.

Was anderswo Kirmes oder Kirchweih heißt, ist in Rüsselsheim die Kerb – ein feuchtfröhliches Stelldichein, bei dem die Lokalprominenz Nähe zum Volk demonstriert. Das wollte sich auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke nicht nehmen lassen und mischte sich am vergangenen Montag bei schwüler Mittagshitze im dunklen Anzug unters Volk.

Jahrelang hatte sich niemand aus der Chefetage des Autobauers auf der Kerb blicken lassen. Die Tochter von General Motors (GM) rang wie ihre Konzernmutter im amerikanischen Detroit ums Überleben, bettelte um Staatshilfen, bekniete Investoren aus aller Welt und musste schließlich europaweit 8000 Arbeitsplätze auf die Streichliste setzen. Schunkeln und Schlemmen vor hessischen Lederhosen-Kapellen hätten dazu schlecht gepasst.

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Auf in die Zukunft

Doch das ist Vergangenheit. Vorstandschef Stracke, seit vier Monaten im Amt, könnte es gelingen, das Sorgenkind in eine neue Zukunft zu führen. Der Zuwachs bei den Verkaufzahlen liegt über dem Branchenschnitt. Das Traditionsunternehmen, das im kommenden Jahr seinen 150. Geburtstag feiern wird, steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 23 Prozent auf 7,5 Milliarden Dollar, kehrte in die Gewinnzone zurück (Vorsteuergewinn 102 Millionen Dollar) und muss nicht mehr damit rechnen, verkauft zu werden. Gelingt es Stracke, die noch offenen Flanken zu schließen, hat die Marke die Chance, Europas Platzhirsch Volkswagen anzugreifen. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz, der an Strackes Seite über die Kerb schritt, jubelt bereits: „Opel lebt, und wir leben Autos, das ist die Botschaft der Stunde.“

Stracke will in diesem Jahr operativ schwarze Zahlen schreiben und hat für 2012 den Konzernbossen in Detroit einen ordentlichen Gewinn versprochen. Den Absatz will er von zuletzt 1,2 Millionen Autos auf 1,3 Millionen im laufenden Jahr steigern. Fast ein Jahrzehnt lang hatte Opel in Krisen stärker verloren als die Wettbewerber und sich im darauffolgenden Aufschwung nicht so schnell erholt. In dieser Krise jedoch büßte der Autobauer trotz Insolvenzgefahr und Verkaufsabsichten der Konzernmutter weniger ein als die anderen und legt jetzt stärker zu. Für die Opelaner sei das ein „Schlüsselerlebnis“ gewesen, frohlockt Betriebsrat Franz.

Chance für Eisenach

Tatsächlich luchst Opel den Wettbewerbern Marktanteile ab. In Deutschland musste sich Opel beim Wachstum im ersten Halbjahr 2011 nur Ford geschlagen geben. In Europa rangieren die Rüsselsheimer auf dem zweiten Platz. In 19 von 27 europäischen Ländern stieg in diesem Jahr der Opel-Marktanteil.

Das könnte so weitergehen, wie eine Studie der Mineralölgesellschaft Aral nahelegt. Für die Untersuchung wurden deutsche Autofahrer gefragt, für welche Marke sie sich beim nächsten Autokauf entscheiden würden. 19 Prozent nannten VW, drei Prozentpunkte weniger als vor zwei Jahren. An zweiter Stelle steht schon die Marke Opel, die sich von acht auf neun Prozent verbessern konnte. Auf den Plätzen dahinter liegen Mercedes, BMW und Ford.

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