Ex-SAP-Chef Apotheker leitet HP: Hewlett-Packard: Vom Regen in die Traufe?

Ex-SAP-Chef Apotheker leitet HP: Hewlett-Packard: Vom Regen in die Traufe?

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Leo Apotheker: Wechsel von SAP zu HP

von Michael Kroker

Der im Februar geschasste Ex-SAP-Chef Léo Apotheker wird neuer Boss beim amerikanischen IT-Giganten Hewlett-Packard. Ein strategischer Fingerzeig?

Die Nachricht hat die Märkte bereits bewegt: Vom 1. November an wird Léo Apotheker als Vorstandsvorsitzender die Geschäfte von Hewlett-Packard (HP) leiten. Das gab der US-Technologiekonzern bekannt. Prompt fiel die HP-Aktie im nachbörslichen Handel um vier Prozent - eine Kapitalvernichtung von mehr als vier Milliarden Dollar. Grund: Der 1953 in Aachen geborene Apotheker, der bis Februar dieses Jahres noch Chef des deutschen Softwarekonzerns SAP war,  ist er für die meisten US-Marktbeobachter ein weitgehend unbeschriebenes Blatt.

Das freilich muss kein Nachteil sein, wie sein Vorgänger im Amt beweist: Ex-HP-Boss Mark Hurd, der im August wegen des Verstoßes gegen interne Ethikrichtlinien seinen Posten räumen musste, rückte 2005 als externer Manager auf den HP-Chefsessel . Hurd hatte zuvor den im Vergleich zu HP winzigen Registrierkassen- und Bankautomathersteller NCR geleitet. In der Folge krempelte Hurd HP radikal um. Dank mehrerer Übernahmen machte er das Unternehmen gemessen am Umsatz zum größten IT-Konzern der Welt. Durch mehrere Sparrunden mit teils drastischem Personalabbau verdreifachte er binnen fünf Jahren den Konzerngewinn.

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Die Kehrseite jener Medaille: Hurd sparte auch eisern bei den Kosten für Forschung und Entwicklung und hat so die einst HP-typische Innovationskultur abgewürgt. Das in Verbindung mit den vielen Stellenstreichungen der vergangenen Jahre hat die Stimmung bei den HP-Beschäftigten auf einen Tiefpunkt sacken lassen.

Weniger Geld für Forschung und Entwicklung

Genau diese Herausforderungen muss nun Apotheker bewältigen. Zur Erinnerung: Das ist jener Manager, der den Chefposten bei SAP im Februar 2010 nach weniger als einem Jahr an der Spitze räumen musste. Einer der Hauptgründe: Durch seinen rüden Umgangston und seine bisweilen handstreichartigen Entscheidungen hatte Apotheker SAP-Kunden wie Mitarbeiter gegen sich aufgebracht. Kurz vor seinem Rausschmiss wurde eine interne Befragung publik, die eine tiefe Verunsicherung der Belegschaft gegenüber dem Management offenbarte.

Zudem unterzog Apotheker den Softwarekonzern aus dem nordbadischen Walldorf einem tiefgreifenden Sparprogramm, baute erstmals in der SAP-Geschichte mit 4000 Jobs in größerem Stil Stellen ab – und reduzierte die Ausgaben für Forschung und Entwicklung.

Kommt Hewlett-Packard so gewissermaßen vom Regen in die Traufe? Das lässt sich erst beurteilen, wenn Apotheker seine Arbeitsschwerpunkte präsentiert. Anderseits sendet der Verwaltungsrat von HP mit der Berufung eines Software-Experten – Apotheker hat immerhin rund 20 Jahre bei SAP verbracht – ein strategisches Signal aus: Für den Gemischtwarenladen HP mit seinem breiten Produktportfolio von Druckern, PC, Server-Computern über Smartphones bis hin zu IT-Dienstleistern soll Software künftig eine größere Rolle spielen. Was kaum wundert, schließlich ist die Softwaresparte mit einem Umsatzanteil von rund drei Prozent geradezu verschwindend klein.

Mehr noch: Die Berufung Apothekers an die Spitze von HP dürfte auch Übernahmespekulationen bezüglich seines Ex-Arbeitgebers erneut anfachen. Seit einigen Jahren kommen immer wieder Gerüchte im Markt auf, Microsoft, IBM – oder eben HP – wollten SAP schlucken. Hintergrund sind Gespräche zwischen Microsoft-Boss Steve Ballmer und den SAP-Gründern und -Großaktionären Dietmar Hopp, Hasso Plattner und Klaus Tschira aus dem Jahre 2003, in dem ein Zusammengehen beider Konzerne erwogen und die drei Großaktionäre einem Verkauf zumindest nicht abgeneigt gegenüberstanden (abgeblasen wurde er dann unter anderem wegen kartellrechtlicher Bedenken). Zumindest Hopp hat seine Zuneigung gegenüber Microsoft Anfang 2006 im Interview mit der WirtschaftsWoche auch öffentlich unterstrichen. Vielleicht kann Apotheker ja dereinst eine ähnliche Begeisterung bei den SAP-Gründern für seinen neuen Arbeitgeber entfachen?!

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