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Exklusivstudie: Deutschlands Banken sind noch nicht über den Berg

von Thomas Katzensteiner (Frankfurt), Cornelius Welp (Frankfurt) und Stefan Hajek

Eine exklusive Studie belegt: Die zweite Welle der Finanzkrise trifft deutsche Banken härter als die europäische Konkurrenz.

Potenzieller Gewinner Josef Ackermann. Der Verzicht auf Staatshilfe dürfte sich auszahlen Quelle: laif
Potenzieller Gewinner Josef Ackermann. Der Verzicht auf Staatshilfe dürfte sich auszahlen Quelle: laif

Josef Ackermann hat es schon immer gewusst. Selbst in den dunkelsten Stunden der Finanzkrise, in denen er Milliardenverluste und Abschreibungen verkünden musste, stellte der Chef der Deutschen Bank eine „Flucht in Qualität“ in Aussicht, von der sein Institut profitieren werde. Nun scheint er recht zu behalten. So vermeldete er für das erste Halbjahr einen Milliardengewinn, der fast an selige 25-Prozent-Rendite-Zeiten erinnerte. Seit wenigen Tagen blättern seine Abgesandten nun auch die Bücher der einst ehrwürdigen Privatbank Sal. Oppenheim durch — der Einstieg scheint beschlossen, der Komplettkauf nicht ausgeschlossen.

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Während Ackermann auf Einkaufstour geht, muss sein Kollege Martin Blessing, Chef der teilverstaatlichten Commerzbank, es seinen Aktionären schon als Erfolg verkaufen, den „operativen Verlust im zweiten Quartal deutlich verringert zu haben“.

Kein Anzeichen auf dauerhafte Erholung

Ähnlich gespalten wie in Deutschland scheint die Lage derzeit fast überall auf der Welt. Die britische Barclays Bank verdient Milliarden, während die mit Staatshilfe gepäppelte Royal Bank of Scotland Milliarden verliert. Die Schweizer Credit Suisse ist auf Rekordkurs, der heimische Konkurrent UBS findet nicht aus den roten Zahlen. In den USA haben Banken wie JP Morgan oder Goldman Sachs die staatliche Unterstützung zurückgezahlt und wieder Milliardengewinne verbucht.

Trennt sich jetzt die Spreu vom Weizen? „Auch wenn Institute wie die Deutsche Bank derzeit herausragen, ist es zu früh, um von Krisengewinnern zu sprechen“, sagt Dieter Hein, Bankenanalyst von Faire-search in Frankfurt. Die derzeitigen Gewinne stammen vor allem aus dem als Zockerei geschmähten Handel mit Wertpapieren auf eigene Rechnung. Von einer dauerhaften Erholung ist die Branche weit entfernt. Gerade den europäischen Banken drohen weitere Abschreibungen, die noch einmal so hoch ausfallen könnten wie die bisher erfolgten. Stark betroffen sind auch die deutschen Geldhäuser, wie eine Studie der Beratung Bain & Company zeigt, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt.

Die zweite Welle wird auch Sparkassen erfassen

„Die Banken befinden sich derzeit im Auge des Orkans“, sagt Stefan Frank, Bankenexperte und Partner bei Bain. So dürften die Abschreibungen auf strukturierte Wertpapiere zwar inzwischen zumindest in großen Teilen verdaut sein, auch wenn hier etwa durch die Herabstufung von Ratings noch weitere Belastungen möglich sind. Die deutlich größere Bedrohung geht inzwischen jedoch von der Krise der Realwirtschaft und vor allem von der dadurch steigenden Zahl von Kreditausfällen aus.

Licht und Schatten (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)
Licht und Schatten (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Die Studie zeigt, wie schwer diese Krise die deutschen und europäischen Banken in den wichtigsten Geschäftsbereichen treffen kann. „Die zweite Welle wird viele Institute in den Strudel reißen, die bisher noch relativ gut durch die Krise gekommen sind“, sagt Frank. Zu ihnen werden auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken zählen, die sich bisher werbewirksam als Horte der Solidität präsentieren.

Vor allem die steigende Zahl von Firmenpleiten trifft deutsche Banken überdurchschnittlich hart. Für US-Investmentbanken wie Goldman Sachs, die kaum traditionelle Kreditrisiken in den eigenen Büchern haben, dürfte das Schlimmste vorbei sein.

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.10.2009, 17:06 UhrReiner Tiroch

    Sie haben doch nichtmal den ersten Hügel bezwungen und waren schon Pleite, weil sie erst einen bruchteil der Miesen ausgebucht haben. 2 bilionen sind noch offen, und 845 Mred warten nebst weiterer bilionen aus versteckten Schrottpapieren. Landesbanken, Städte, Länder und Gemeinden sind Pleite. Was brauchen wir noch bis zum Gau den keiner der verantwortlichen sehen will?

  • 28.08.2009, 14:26 UhrStefan Wehmeier

    Damit nicht nur die Geschäftsbanken über den "berg" kommen, müssen zunächst 6 Gleichungen mit 9 Unbekannten gelöst werden:

    (001) Wer die Erklärung dieser Worte findet, wird den Tod nicht schmecken.

    (044) Wer den Vater lästern wird, dem wird man vergeben; wer den Sohn lästern wird, dem wird man vergeben; wer aber den heiligen Geist lästern wird, dem wird man nicht vergeben, weder auf der Erde noch im Himmel.

    (055) Wer nicht seinen Vater hasst und seine Mutter, wird mir nicht Jünger sein können. Und wer seine brüder nicht hasst und seine Schwestern und nicht sein Kreuz trägt wie ich, wird meiner nicht würdig sein.

    (105) Wer den Vater und die Mutter kennen wird, er wird Sohn der Hure genannt werden.

    (106) Wenn ihr die zwei zu einem macht, werdet ihr Söhne des Menschen werden. Und wenn ihr sagt: "berg, hebe dich hinweg!", wird er verschwinden.

    (113) Seine Jünger sagten zu ihm: "Das Königreich, an welchem Tag wird es kommen?" Jesus sagte: "Es wird nicht kommen, wenn man Ausschau nach ihm hält. Man wird nicht sagen: "Siehe hier oder siehe dort", sondern das Königreich des Vaters ist ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen es nicht." ***

    (Nag Hammadi Library / Thomas-Evangelium)

    Mutter = Summe aller Ersparnisse
    Hure = Finanzkapital
    brüder und Schwestern = Sachkapitalien
    berg = Rentabilitätshürde
    Tod = Liquiditätsfalle
    Vater = Kreditangebot
    Sohn = Kreditnachfrage
    heiliger Geist = umlaufgesichertes Geld
    Königreich = Natürliche Wirtschaftsordnung

    *** "Die Wirtschaftsordnung, von der hier die Rede ist, kann nur insofern eine natürliche genannt werden, da sie der Natur des Menschen angepasst ist. Es handelt sich also nicht um eine Ordnung, die sich etwa von selbst, als Naturprodukt einstellt. Eine solche Ordnung gibt es überhaupt nicht, denn immer ist die Ordnung, die wir uns geben, eine Tat, und zwar eine bewusste und gewollte Tat."

    (Silvio Gesell, Vorwort zur 3. Auflage der NWO)

  • 26.08.2009, 23:54 UhrJF

    Was mir nicht ganz geheuer war und ist sind die Verkaufserfolge der
    vielen Finanzprodukte. Dieser war wohl in der vergangenen Jahren
    in allen Ländern ein Erfolg, aber irgendwann war dann doch mal
    Schluss damit. Die Leute sind einfach vorsichtiger geworden, haben
    vielfach die Konsequenzen gezogen.
    Sehr viel weniger scheint dies in Deutschland der Fall zu sein.
    Das erinnert schon mal, so wie es weiterläuft, an blinde Gehorsams-
    leistungen. Allzu viel ist eingeschränkt auf sowas wie ein mechanist-
    isches Denken.
    Das Niveau bewegt sich wohl auf jener Ebene, auf die Vertreter
    mal eingeschult wurden. Da ging es vor Jahren mal darum auf
    die Kunden so einzugehen dass man ihnen gleichzeitig recht
    gab. Da hat man Einwände mal in der Weise zur Kenntnis
    genommen das man die Vertreter auf sich oft wiederholende
    Einwände einschulte bzw. die Prospekte und Gespräche darauf
    abstellte, dass derlei lästige Fragen erst gar nicht zur Debatte
    kamen.
    Anders gesagt: man hat die Kunden auf ein Narrenpodest
    gehoben, ihnen in jedem recht gegeben (das alles wurde zu
    einer eigenen Erfahrung und Vertriebswissenschaft) und hatte
    damit Erfolg.
    Auf bilanzkennziffern darf natürlich niemand angesprochen
    werden - das will weder der Kunde noch der umtriebige und
    erfolgreiche Vertrieb. Dafür ist allerdings viel von Garantien
    und Sicherheiten die Rede die jeder Grundlage entbehren, durch
    nichts gedeckt sind ( teilweise die nunmehr zu leistenden Steuern).

    Und in dieser Hinsicht, gewissermassen auch intellektuell -
    fachlich, waren die banken und sonstwer (auch die vielen
    Medien) wohl etwas zu erfolgreich.

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