Exklusivstudie: Deutschlands Banken sind noch nicht über den Berg

Exklusivstudie: Deutschlands Banken sind noch nicht über den Berg

Bild vergrößern

Potenzieller Gewinner Josef Ackermann. Der Verzicht auf Staatshilfe dürfte sich auszahlen

Eine exklusive Studie belegt: Die zweite Welle der Finanzkrise trifft deutsche Banken härter als die europäische Konkurrenz.

Josef Ackermann hat es schon immer gewusst. Selbst in den dunkelsten Stunden der Finanzkrise, in denen er Milliardenverluste und Abschreibungen verkünden musste, stellte der Chef der Deutschen Bank eine „Flucht in Qualität“ in Aussicht, von der sein Institut profitieren werde. Nun scheint er recht zu behalten. So vermeldete er für das erste Halbjahr einen Milliardengewinn, der fast an selige 25-Prozent-Rendite-Zeiten erinnerte. Seit wenigen Tagen blättern seine Abgesandten nun auch die Bücher der einst ehrwürdigen Privatbank Sal. Oppenheim durch — der Einstieg scheint beschlossen, der Komplettkauf nicht ausgeschlossen.

Während Ackermann auf Einkaufstour geht, muss sein Kollege Martin Blessing, Chef der teilverstaatlichten Commerzbank, es seinen Aktionären schon als Erfolg verkaufen, den „operativen Verlust im zweiten Quartal deutlich verringert zu haben“.

Anzeige

Kein Anzeichen auf dauerhafte Erholung

Ähnlich gespalten wie in Deutschland scheint die Lage derzeit fast überall auf der Welt. Die britische Barclays Bank verdient Milliarden, während die mit Staatshilfe gepäppelte Royal Bank of Scotland Milliarden verliert. Die Schweizer Credit Suisse ist auf Rekordkurs, der heimische Konkurrent UBS findet nicht aus den roten Zahlen. In den USA haben Banken wie JP Morgan oder Goldman Sachs die staatliche Unterstützung zurückgezahlt und wieder Milliardengewinne verbucht.

Trennt sich jetzt die Spreu vom Weizen? „Auch wenn Institute wie die Deutsche Bank derzeit herausragen, ist es zu früh, um von Krisengewinnern zu sprechen“, sagt Dieter Hein, Bankenanalyst von Faire-search in Frankfurt. Die derzeitigen Gewinne stammen vor allem aus dem als Zockerei geschmähten Handel mit Wertpapieren auf eigene Rechnung. Von einer dauerhaften Erholung ist die Branche weit entfernt. Gerade den europäischen Banken drohen weitere Abschreibungen, die noch einmal so hoch ausfallen könnten wie die bisher erfolgten. Stark betroffen sind auch die deutschen Geldhäuser, wie eine Studie der Beratung Bain & Company zeigt, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt.

Die zweite Welle wird auch Sparkassen erfassen

„Die Banken befinden sich derzeit im Auge des Orkans“, sagt Stefan Frank, Bankenexperte und Partner bei Bain. So dürften die Abschreibungen auf strukturierte Wertpapiere zwar inzwischen zumindest in großen Teilen verdaut sein, auch wenn hier etwa durch die Herabstufung von Ratings noch weitere Belastungen möglich sind. Die deutlich größere Bedrohung geht inzwischen jedoch von der Krise der Realwirtschaft und vor allem von der dadurch steigenden Zahl von Kreditausfällen aus.

Licht und Schatten (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Licht und Schatten (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Die Studie zeigt, wie schwer diese Krise die deutschen und europäischen Banken in den wichtigsten Geschäftsbereichen treffen kann. „Die zweite Welle wird viele Institute in den Strudel reißen, die bisher noch relativ gut durch die Krise gekommen sind“, sagt Frank. Zu ihnen werden auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken zählen, die sich bisher werbewirksam als Horte der Solidität präsentieren.

Vor allem die steigende Zahl von Firmenpleiten trifft deutsche Banken überdurchschnittlich hart. Für US-Investmentbanken wie Goldman Sachs, die kaum traditionelle Kreditrisiken in den eigenen Büchern haben, dürfte das Schlimmste vorbei sein.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%