Exportindustrie: Japan kämpft mit Umsatzeinbrüchen

Exportindustrie: Japan kämpft mit Umsatzeinbrüchen

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Toyota erwartet mit 1,3 Milliarden Euro im aktuellen Geschäftsjahr (zum 31. März) den ersten operativen Verlust seiner Geschichte. Erstes personelles Krisenopfer: Präsident Katsuaki Watanabe, der im Juni seinen Sessel für Akio Toyoda räumen muss, den 52-jährigen Enkel des Firmengründers.

Die Exportindustrie in Japan kämpft mit dramatischen Umsatzrückgängen und der brutalen Aufwertung des Yen. Vor allem Elektroindustrie und Autobauer leiden. Um Kosten zu sparen, hilft nur der Gang ins Ausland.

Bei Toyota ist nichts mehr unmöglich – selbst peinliche Hilferufe nicht. Fast schon rührend klang es, als der Vorstand kürzlich 2500 Führungskräfte aufforderte, privat einen Toyota zu kaufen – ohne Rabatt. Konzernsprecher Paul Nolasco ist „froh, dass meine Position nicht hoch genug ist, um diesem Druck nachgeben zu müssen“.

Nicht nur beim weltgrößten Fahrzeughersteller macht sich Panik breit. „Erbarmungslos, wie es Japans Top-Konzerne auf breiter Front zerlegt“, staunt Martin Schulz vom Fujitsu-Forschungsinstitut in Tokio. Peter Tasker, Japan-Stratege bei Dresdner Kleinwort in Tokio, verspürt selbst bei Industrie-Ikonen wie Toyota „blanke Angst, denn der Absturz ist atemberaubend“. „Wenn wir nur den globalen Absatzeinbruch durchstehen müssten, könnte die Autoindustrie darauf schnell reagieren“, klagt Renault-Nissan-Lenker Carlos Ghosn. „Aber in Japan kämpfen wir gegen eine geballte Front aus Rezession, Kreditklemme und Yen-Kurs.“

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„Vor allem die verheerende Yen-Aufwertung trifft Nippons Exportindustrie“, sagt Hiromichi Shirakawa, Chefvolkswirt von Credit Suisse in Tokio. Gegenüber dem Dollar stieg der Yen-Kurs seit dem Frühsommer um fast 20 Prozent, aktuell auf ein 13-Jahres-Hoch. Gegenüber dem Euro waren es sogar mehr als 40 Prozent. „Sinkende Ausfuhren und hoher Yen sind die schlimmste vorstellbare Kombination für die Exportindustrie“, klagt Shirakawa.

Grund für die Aufwertung sind sogenannte Carry Trades, die seit einigen Wochen aufgelöst werden. Internationale Anleger hatten sich in den vergangenen Jahren niedrigverzinsliche Yen-Kredite besorgt, das Geld in US-Dollar und andere Währungen umgetauscht und in Hochzinsländern wie den USA oder Australien angelegt. Als dort die Zinsen sanken, lohnten sich diese Anlagen nicht mehr. Also wurden die ausländischen Währungen wieder umgetauscht, um die Kredite zu tilgen. Das hat die Nachfrage nach Yen enorm getrieben.

Starker Yen sorgt dafür, dass Exportunternehmen weniger verdienen

Der starke Yen sorgt dafür, dass die Exportunternehmen weniger verdienen. Denn sie bekommen für ihre in Dollar oder Euro verkauften Waren immer weniger. „Mit jedem Yen, um den der Kurs zum Dollar steigt, verlieren Japans Autoexporteure zwei bis drei Prozent Profitabilität“, hat Branchenanalyst Koji Endo von Credit Suisse in Tokio ausgerechnet: Bei Toyota macht ein einziger Yen Kursunterschied mehr als 400 Millionen Dollar Jahresgewinn aus.

Rettung könnte von außerhalb kommen: Um Kosten zu sparen, wollen immer mehr japanische Industrieriesen Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagern. Denn Entwarnung ist nicht in Sicht. „Die ungewollte Währungs-Hausse kann noch ein Jahr dauern“, fürchtet Eisuke Sakakibara, Professor an der Tokioter Waseda-Universität. „Keine Ökonomie der Welt hält eine solche Blitzaufwertung so lange aus. Das ist eine ständig blutende Wunde.“ Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, befürchtet sogar den „Todesstoß für die Exportfähigkeit“ der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Elektronikbranche: mörderische Konkurrenz

Durch massive Yen-Verkäufe eine künstliche Abwertung zu provozieren, wie Japan das früher oft praktiziert hat, hält Ökonom Sakakibara „für politisch nicht durchsetzbar“. Schon warnt der neue US-Finanzminister Timothy Geithner die japanische Notenbank vor Eingriffen, die den Yen schwächen könnten. Währungsturbulenzen lösen aber vor allem in der Elektronikbranche einen mörderischen Konkurrenzkampf aus. Seit Anfang 2008 hat die japanische Währung gegenüber dem südkoreanischen Won über drei Viertel an Wert zugelegt. Davon profitieren die koreanischen Elektronikhersteller Samsung und LG – zu- lasten von Sony und Sharp, „die gnadenlos aus dem Geschäft gedrängt werden“, sagt Jesper Koll, Chef des Tantallon-Research-Instituts in Tokio.

Ein operativer Verlust von 2,2 Milliarden Euro zwingt Sony zu einem zehnprozentigen Stellenabbau. Weltweit müssen 16.000 Mitarbeiter gehen. Panasonic drohen erstmals seit sechs Jahren rote Zahlen, Toshiba sieht bereits rot, Canon meldet für das zurückliegende Quartal 80 Prozent Gewinneinbruch. „In dem guten Umfeld der vergangenen fünf Jahre wurde nie so viel Geld gemacht, wie nötig und möglich gewesen wäre“, sagt Fujitsu-Forscher Schulz.

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