Familien-Imperium: Merckle-Gruppe: Rettung in Sicht?

Familien-Imperium: Merckle-Gruppe: Rettung in Sicht?

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** ARCHIV ** Das Logo des Generika- Arzneimittelherstellers Ratiopharm ist am Dienstag, 2. Dez. 2008 auf dem Firmengebaeude am Hauptsitz des Unternehmens in Ulm zu sehen. Der am Montag, 5. Januar 2008, ums Leben gekommene schwaebische Unternehmer Adolf Merckle hat mit seiner Familie ein weit verzweigtes Geflecht verschiedenster Firmen kontrolliert. Dazu zaehlen unter anderem der Baustoffhändler HeidelbergCement und der Generikahersteller Ratiopharm. (AP Photo/Daniel Maurer) ** APD5636 ** --- ** FILE ** The company name and logo of generic medicine company Ratiopharm is seen on a building of the headquarters in Ulm, southern Germany, on Monday Dec. 2, 2008. (AP Photo/Daniel Maurer)

In das Merckle-Imperium kommt fünf Monate nach dem Selbstmord von Firmenpatriarch Adolf Merckle langsam Bewegung. Um die gewaltigen Schuldenberge abzutragen, muss sein Sohn Ludwig, der nun an der Spitze des Unternehmens steht, Teile der Gruppe verkaufen.

Sicher ist, dass sich die Familie von dem Generikahersteller Ratiopharm trennen wird – möglicherweise aber auch, zumindest teilweise, vom Pharmagroßhändler Phoenix und dem Bauzulieferer Heidelberg Cement. Beim Geländefahrzeughersteller Kässbohrer, der ebenfalls zum Merckle-Imperium gehört, steht eine  Einigung mit Kaufinteressenten bevor – allerdings dürfte der Verkauf von Kässbohrer nur etwa 150 Millionen Euro in die Kasse spülen. Bei Ratiopharm, Phoenix und Heidelberg Cement geht es dagegen um Milliarden.

Familienerbe Ludwig Merckle benötigt etliche davon: Bis Anfang 2011 sollen Kredite in Höhe von mehr als acht Milliarden Euro fällig sein. Schon seit Mitte Mai liegt den Gläubigerbanken ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG vor, das die Sanierungsfähigkeit von Ratiopharm, Phoenix und auch Heidelberg Cement bestätigt. Heute gab die Merckle-Gruppe bekannt, die 61 Gläubigerbanken hätten das Stillhalteabkommen verlängert. Bis Ende 2010 wollen sie die Forderungen stunden. Zusätzlich sei ein laufender Überbrückungskredit in einen längerfristigen Kredit umgewandelt worden.

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Der Sanierungsplan für die Gruppe sieht  umfassende Umschuldungsmaßnahmen vor. Dafür drängen die Gläubigerbanken auf den Verkauf von Unternehmen. Erster Verkaufskandidat ist Ratiopharm. Die Commerzbank und die Royal Bank of Scottland seien mit dem Verkauf beauftragt worden, hieß es heute aus Firmenkreisen.

Im Jahr 2008 hatte Ratiopharm, die Nummer zwei auf dem deutschen Generikamarkt hinter Sandoz/Hexal, einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Kaufinteresse wird unter anderem dem Finanzinvestor EQT sowie dem französischen Pharmakonzern Sanofi-Aventis und dem weltgrößten Generikahersteller Teva Pharmaceuticals nachgesagt. Analysten beziffern den Wert von Ratiopharm auf etwa 3,5 Milliarden Euro. Problematisch für Ratiopharm könnte jedoch der Preisverfall auf dem Markt für Generika werden. Dennoch rechnet man bei Merckle mit konkreten Verkaufsgesprächen nach der Sommerpause.

Schwierige Verhandlungen bei Phoenix

Der Verkauf des Mannheimer Pharmahandels Phoenix hing ebenfalls an einer Einigung zwischen den Gläubigerbanken und der Unternehmerfamilie. Schwierig sind hier aber auch die verstrickten Eigentumsverhältnisse: Nach Informationen des Branchendienstes „Apotheke Adhoc“ verpfändete Adolf Merckle vor vier Jahren Anteile am Mannheimer Pharmahändler, um die Übernahme von Heidelberg Cement zu finanzieren.

Zur Sicherung des Darlehens hätte Merckle nicht nur eine private Bürgschaft abgegeben und seine Anteile an Heidelberg Cement hinterlegt, sondern auch mehr als die Hälfte der Anteile an Phoenix verpfändet, heißt es dort. Dabei gehörte ihm das Phoenix-Paket, das er zum Ausbau seines Imperiums einsetzte, nicht allein. Bis heute halten Minderheitsaktionäre rund zehn Prozent der Anteile an der Hamburger F. Reichelt AG, die ihrerseits mit jeweils rund 20 Prozent an Phoenix und der übergeordneten Komplementärgesellschaft beteiligt ist.

Merckle hatte den mit einem Umsatz von rund 22 Milliarden Euro heute zweitgrößten europäischen Pharmahändler Phoenix im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre durch zahlreiche Übernahmen aufgebaut. Daher befindet sich Phoenix teilweise noch im Besitz der börsennotierten Mantelfirmen mit externen Aktionären, verknüpft zudem durch komplizierte Pachtverträge. Die Entflechtung der Konzernstruktur wird wohl noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Mit einem Verkauf wird erst Anfang des kommenden Jahres gerechnet.

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