Familienpolitik: Betriebliche Sozialpolitik made in Mecklenburg-Vorpommern

Familienpolitik: Betriebliche Sozialpolitik made in Mecklenburg-Vorpommern

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Klaus-Dieter Fiebig

von Mario Brück, Thomas Stölzel, Lothar Schnitzler und Peter Steinkirchner

Ein Hamburger Unternehmer wird in Mecklenburg zum Nischenstar – und zum außergewöhnlichen Familienpolitiker.

Ein Schloss, ein altes Rathaus, ein kleiner Flugplatz und reichlich -Natur – keine Frage, in Neustadt-Glewe im westlichen Mecklenburg-Vorpommern lässt sich gut urlauben. Niemand sieht der 7000-Einwohner-Stadt jedoch an, dass sie zugleich Teil der globalisiert-arbeitsteiligen Weltwirtschaft ist. Ob in Malaysia, Kalifornien, China oder in Sachsen – fast überall, wo Halbleiter produziert werden, sind Rohre der Dockweiler AG aus Neustadt-Glewe im Einsatz. Die Rohre in der Chipherstellung müssen innen besonders glatt und sauber, zudem exakt geschweißt sein, weil jeder Fremdkörper in den Reinraumanlagen die Produktion zunichte macht.

Über 80 Prozent dieses Geschäfts hat sich der Familienbetrieb aus Meck-Pomm gesichert. Auch als Rohrlieferant für die Pharmaindustrie gehört der 300-Mitarbeiter-Betrieb zu den drei größten Herstellern weltweit. Die Ursprünge liegen -allerdings rund 80 Kilometer -westlich in einem Hamburger Vorort. Bis 1996 produzierte Dockweiler dort. „Wir mussten umziehen, am alten Stammort wurde es zu eng“, sagt Finanzvorstand Klaus-Dieter Fiebig, „in den Osten sind wir vor allem wegen der Fachkräfte gekommen.“ Zusätzlich liegt Neustadt-Glewe direkt an der Auffahrt zur Autobahn Hamburg–Berlin.

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Zur Geburt einen Scheck

Fiebig, der den Vorstandsvorsitz vor Kurzem abgegeben hat, hat den Umzug nicht bereut. Als das Geschäft boomte, holte er auch die Verwaltung herüber. Und statt – wie ursprünglich geplant – ein neues Werk in Thailand zu errichten, entschied sich der heute 65-Jährige im vergangenen Jahr für den Ausbau der Fabrik in Neustadt-Glewe.

Der Hanseat hat sich – neben seinen Rohren – auch einen Namen mit seiner betrieblichen Sozialpolitik gemacht. Zur Geburt eines Kindes bekommen die Mitarbeiter einen Scheck von 2000 Euro. Der Obolus ist für Fiebig nur ein Symbol: Die Eltern sollten spüren, dass die Geburt eines Kindes auch vom Unternehmen als Glück betrachtet werde. Um dies zu untermauern, lässt Fiebig Mütter mit Kindern unter zehn Jahren eine Stunde pro Tag weniger arbeiten. Und 40 Prozent aller Führungskräfte bei Dockweiler sind Frauen – mittelständische Unternehmen in Deutschland kommen normalerweise gerade mal auf 17 Prozent.

Sozialmodell zahlt sich aus

Fiebig, dessen Familie 100 Prozent der Dockweiler-Aktien hält, ist sicher, dass sich sein Sozialmodell langfristig auszahlt. „Wir haben bis zu zehnmal mehr Bewerber als andere Unternehmen“, sagt der Firmenpatriarch. Für ein Unternehmen aus der tiefsten Provinz sei das ein unschätzbarer Vorteil – vor allem bei der Alterung der Gesellschaft und der Abwanderung junger Fachkräfte aus dem Osten.

Zwar geht Fiebig davon aus, dass der Umsatz von 90 Millionen Euro im vergangenen Jahr 2009 um 30 Prozent zurückgeht und die Gewinne sogar um 80 Prozent schrumpfen. Das sei wegen der Abhängigkeit von der Chipindustrie jedoch „nicht ungewöhnlich“. An seiner Familienpolitik will der Vater dreier erwachsener Töchtern dennoch nichts ändern: „Wir sind ein kerngesundes Unternehmen und können das durchhalten.“

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