Familienunternehmen: Knauf-Chefs: "Wir haben kein Stammesprinzip"

InterviewFamilienunternehmen: Knauf-Chefs: "Wir haben kein Stammesprinzip"

von Lothar Schnitzler

Die beiden Familiengesellschafter des Gipskonzerns Knauf, Nikolaus und Baldwin Knauf, über die Auswirkungen der Krise, Familienfirmen, Kommunalpolitik und Steuern.

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Knauf Treppe

WirtschaftsWoche: Sie sind Inhaber eines milliardenschweren Weltunternehmens, waren aber beide jahrzehntelang in der Lokalpolitik aktiv. Warum begeben Sie sich in die Niederungen der örtlichen Politik?

Nikolaus Knauf: Das ist für mich Dienst an Volk und Vaterland. Aber ich gestehe, dieser Dienst hat mir unglaublich viel Freude bereitet, besonders das Bürgermeisteramt in meinem Wohnort Markt Einersheim. Leider konnte ich wegen der Arbeitsüberlastung nur kurze Zeit erster Bürgermeister sein.

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Baldwin Knauf: In einem Stadtrat einer Kleinstadt mit weniger als 20 Mitgliedern kann man wirksam mitgestalten. Wir sind in meiner Heimatgemeinde Iphofen ein wichtiger Gewerbesteuerzahler, und da ist es angenehm, direkt zu sehen und mitzuentscheiden, wohin das Geld geht.

Sie haben seit dem Sommer 2008 Fremdmanager an der Spitze des Unternehmens. Fällt es Ihnen schwer, sich aus dem Geschäft herauszuhalten?

Nikolaus Knauf: 2007 war das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte. Unsere Nachfolger müssen das Unternehmen jetzt durch die schlimmste Wirtschaftskrise nach dem Kriege steuern. Dennoch mischen wir uns in das operative Geschäft nicht ein. Wir sehen uns als Sparringspartner der Geschäftsführer.

Wie haben Sie den Übergang organisiert?

Baldwin Knauf: Wir hatten Herrn Manfred Grundke und Herrn Hans Peter Ingenillem schon in den Monaten vor dem Wechsel zunehmend in die Entscheidungen eingebunden. Später haben wir uns angewöhnt, nicht mehr auf jede Frage eine Antwort zu geben. Heute sind wir allerdings etwas häufiger im Büro. Aber das ist nur eine Reaktion auf die Krise. Denn jetzt sind unsere Erfahrungen und unsere oft jahrzehntealten Beziehungen in viele Länder hilfreich.

Wird Knauf Verluste machen?

Nikolaus Knauf: Nein, auf keinen Fall. Die große Herausforderung war für uns, die Rentabilität des Unternehmens auf gleichem Niveau zu halten. Das ist nicht einfach in einer Industrie mit hohem Einsatz von Kapital sowohl für den Abbau der Rohstoffe wie für die Weiterverarbeitung zu Fertigprodukten. Die Ertragskraft verschwindet in solchen Krisen geradezu über Nacht. Aber wir haben verhindert, dass der Ertrag in stärkerem Maße als der Umsatz sinkt.

Wie konnten Sie das erreichen? Haben Sie in größerem Umfang Arbeitsplätze abgebaut?

Nikolaus Knauf: Wir haben keine Stammarbeitsplätze abgebaut, sondern lediglich die Anzahl der Zeitarbeitnehmer reduziert.

Und wie sehen Sie mittelfristig die Zukunft Ihres Unternehmens?

Baldwin Knauf: Positiv. Unsere Produkte wie Gipsplatten, Isoliermatten oder Verputze helfen beim Energiesparen. Und wir sind nicht nur vom Neubau abhängig, der sehr konjunkturanfällig ist. Wir leben auch von der Renovierung und Modernisierung, die viele Haus- und Wohnungsbesitzer in Eigenleistung verrichten. Die Menschen müssen wohnen, die Menschen wollen Energie sparen. Gebaut wird deshalb immer, vor allem in den Schwellenländern, wo es erheblichen Nachholbedarf gibt.

Spüren Sie die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe?

Baldwin Knauf: Zurzeit geht unser Investitionstempo eher in Richtung null. Die begonnenen Projekte stellen wir fertig, fangen aber so gut wie keine neuen an und warten ab, wie der Markt sich entwickelt. Davon abgesehen: Wir haben wenig mit Banken als Kreditgeber zu tun, weil wir uns fast ganz selbst finanzieren.

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