FC Bayern-Chef Rummenigge: "Wir müssen Einfluss nehmen, wie Fußball verkauft wird"

FC Bayern-Chef Rummenigge: "Wir müssen Einfluss nehmen, wie Fußball verkauft wird"

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Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern München

von Peter Steinkirchner

Karl-Heinz Rummenigge, Exstürmerstar und Vorstandschef des FC Bayern, sorgt sich um den Bezahlsender Sky und will mittelprächtige Profis schlechter bezahlen.

WirtschaftsWoche: Herr Rummenigge, als Sie 1974 als 18-Jähriger zum FC Bayern kamen – was haben Sie damals verdient?

Karl-Heinz Rummenigge: Mehr als Sie vermutlich annehmen – es waren nicht 400 Mark, wie häufig kolportiert wird. Ich habe damals gut 8000 Mark verdient, das war wahnsinnig viel Geld, dreimal so viel wie mein Vater damals als Werkzeugmacher bekam.

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Wenn der Spieler Rummenigge heute mit dem Vorstandschef Rummenigge um sein Gehalt feilschen müsste – was würde der Stürmer verdienen?

Zu meinen Top-Zeiten war ich Europas Fußballer des Jahres, Torschützenkönig der Liga und Kapitän der Nationalmannschaft – damit würde ich als Spieler heute sicher weltweit zu den Top Fünf gehören. Das wäre die Güteklasse Cristiano Ronaldo, und der soll angeblich rund 13 Millionen Euro, netto, verdienen.

In der vergangenen Saison stand der FC Bayern im Finale der Champions League, was üppige Zusatzeinnahmen bescherte – wie hoch waren Umsatz und Gewinn?

Wir haben in diesem Geschäftsjahr, das am 30. Juni endete, den bislang höchsten Umsatz unserer Vereinsgeschichte erzielt. Selbst ohne unsere 100-Prozent- Tochter Allianz Arena kommen wir für das Geschäftsjahr 2009/10 auf einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro. Wenn wir die Arena hinzurechnen, landen wir bei mehr als 350 Millionen. Damit sind wir wahrscheinlich unter den fünf umsatzstärksten Vereinen in Europa.

Schreiben Sie auch schwarze Zahlen?

Es gibt Vereine, die trotz eines Erfolges in der Champions League keinen wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen konnten: Sie mussten anschließend so hohe Prämien und Boni ausschütten, dass unterm Strich ein Verlust blieb. Wir sind profitabel trotz hoher Transfersummen, trotz der Millioneninvestition in unser Stadion und trotz 16 Millionen Euro, die wir auf unserem Vereinsgelände in die Infrastruktur gesteckt haben.

Dazu gehört der neue Shop für Fans, die das Training besuchen. Stößt der FC Bayern bei Merchandising- und bei Sponsoringerlösen nicht allmählich an die Decke?

Ja, im Prinzip sind wir an der Dachkante angelangt. Es gibt zwar noch etwas Potenzial, aber viel mehr kann man beim Marketing und beim Merchandising kaum noch machen. Im Sponsoringbereich sind wir heute vielleicht der beste Club der Welt. Alles zusammengerechnet nehmen wir mehr ein als Real Madrid oder selbst Manchester United.

Auch die Erlöse aus den Spieltagen, also Eintrittskarten, Essen, Trinken und Fanartikel, sind kaum noch zu steigern – es sei denn, Sie erhöhen die Eintrittspreise?

Die Allianz Arena ist seit Jahren an jedem Spieltag zu 100 Prozent ausverkauft. Aber wir werden nun deshalb nicht die Ticketpreise erhöhen. Der FC Bayern soll für alle Fans erschwinglich bleiben, der Eintritt kostet in der günstigsten Kategorie mit 7,50 Euro für Kinder und Rentner nicht mehr als eine Kinokarte.

Wo können die Bayern ihre Einnahmen denn dann noch steigern?

Die einzige Chance für spürbare Steigerungen sehe ich darin, dass die Bundesliga als Ganzes ihre Einnahmen aus der TV-Vermarktung erhöht. Unter Europas Top-Ligen sind wir mit den gut 400 Millionen Euro, die die Erste und Zweite Bundesliga gemeinsam in diesem Jahr von den Sendern erhalten, mit Abstand Tabellenletzter. Wenn es nicht gelingt, diese Summe beim nächsten Vertrag, der von der Saison 2013/14 an gelten wird, um 50 Prozent zu steigern, werden wir international Probleme bekommen.

Dem Bezahlsender Sky, dem wichtigsten Geldgeber der Liga, geht es offenbar schlecht – wo soll das Geld herkommen?

Das wird schwer, das weiß ich auch. Ich mache mir große Sorgen, weil es uns gemeinsam – Liga und Bezahlsender – in 20 Jahren nicht gelungen ist, Pay-TV in Deutschland wirklich zu etablieren.

Was macht Sky falsch?

Die haben den Fehler gemacht – und das fing schon zu Zeiten von Georg Kofler an –, die Leute praktisch zu Abos zwingen zu wollen, indem sie Sport mit Filmen koppeln. Jetzt fährt Sky zwar den klugen Kurs, das einzelne Abo aufzuwerten, indem sie die Technik verbessern. Aber der deutsche Fußballfan, der zusätzlich zum Sport auch noch Filme kaufen soll, macht die Tür zu: "Kauf ich nicht."

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