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FDP-Vorschlag: Post-Zerschlagung: Gelbes Gegacker

von Reinhold Böhmer

Die Briefsparte der Deutschen Post zerschlagen - die Idee aus den Reihen der FDP ist nicht gerade das Gelbe vom Ei. Sie ist ein untauglicher Versuch, sich als wirtschaftsliberale Kraft zu präsentieren, und zeugt von allem, nur nicht von industriepolitischer Kompetenz.

Eine Mitarbeiterin der Quelle: AP
Eine Mitarbeiterin der Deutschen Post im Post-Verteilzentrum in Langenfeld Quelle: AP
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Über die Marktmacht der Deutschen Post im Briefgeschäft zu jammern, ist rückwärts gewandt und verkennt die aktuellen Entwicklungen. In der kommenden Woche geht eine mächtige Allianz aus der niederländischen Post TNT und deutschen Verlegern mit einem eigenen deutschlandweiten Briefbeförderungnetz an den Start, darunter auch die Holtzbrinck-Gruppe, die der WirtschaftsWoche nahe steht. Die Unternehmen würden das nicht tun und eigenes Geld aufs Spiel setzen, wenn sie die Deutsche Post als übermächtig betrachten würden. Im Gegenteil: Sie sehen die Schwächen im Angebot des Gelben Riesen, an erster Stelle das überhöhte Porto. Das verschafft dem Marktführer zwar horrende Gewinne, ermöglicht aber den Angreifern vergleichsweise einfach, es zu unterbieten und trotzdem Geld zu verdienen. Hinzu kommen Dienstleistungen bei der Zustellung, die der Post schwerfallen.

Steuerprivileg auf der Kippe

Dass die Post trotz Liberalisierung noch immer über 90 Prozent der Briefe befördert und den ersten Angriff auf ihr Beinahe-Monopol durch den Springer-Verlag vor einigen Jahren erfolgreich abwehrte, ist jedenfalls kein Grund, jetzt über eine Zerschlagung zu zu schwadronieren.

Zudem ändern sich die Zeiten schon länger - und das zuungunsten der Post. Das uneingeschränkte Privileg, keine Mehrwertsteuer auf das Briefporto bezahlen zu müssen, steht auf der Kippe. Einigt sich die Bundesregierung hier auf eine saubere Lösung, erfüllt sie eine zentrale Forderung der Wettbewerber - und hilft ihnen damit genau da, wo es besonders Not tut. Ein Geschwätz, sagte schon Bertolt Brecht, macht niemanden satt, auch nicht in gedruckter Form und auch nicht die Wettbewerber.

Auch Mindestlohn vor dem Ende

Auch die zweite Hürde, an der bisherige Wettbewerber scheiterten, nämlich der von der Post politisch geschickt eingefädelte Mindestlohn, der sich an den vergleichsweise hohen Verdiensten der Post-Briefträger orientiert, steht vor seinem Ende. Demnächst dürfte das Bundesverwaltungsgericht gegen das sozialdemokratische Projekt aus Zeiten der Großen Koaltion einschreiten. Damit steht dem Wettbwerb künftig deutlich weniger im Wege.

Und was heißt eigentlich zerschlagen. Wenn es ein Unternehmen in Deutschland gibt, das sich schleichend selbst zerschlägt, dann ist das die Deutsche Post mit ihrer Briefsparte. Um die hohen Löhne aus unbeschränkten Monopolzeiten wegzudrücken, wurden die Postfilialen verselbständigt und auf andere Betreiber übertragen, vom Kioskbesitzer bis zum Getränkehändler. Taxifahrer leeren für kleines Geld Briefkästen. Minitransporter mit dem Schild hinter der Scheibe "Im Auftrag der Deutschen Post" sind Legende. Die Verlagerung der guten alten Briefzustellung auf Subunternehmer ist angelaufen und langfristig das erklärte Ziel von Konzernchef Frank Appel. Offenbar verdienen die Dritten genug daran - auch ohne Zerschlagung.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.02.2010, 14:34 UhrAnonymer Benutzer: Der Markt

    Die Post sollte zerschlagen werden, damit sich der globale Logistikmarkt von der Unfaehgikeit der Post "commercial reasonable" Entscheidungen zu treffen wieder erholen kann.

    Leider betreibt die Post oft nur Preisdumping um Makrtetshare zu vergroessern, oft ohne jeglichen kommerziellen Sinn.

  • 30.01.2010, 00:53 UhrAnonymer Benutzer: Postliesel

    TEiL 3 des Kommenatrs: DAs Resultat kann nur der Preiskampf sein und daher Qualitätsverluste. Die Post war früher mal ein Stück Kulturgut, keine Ware. Wer keinen Sinn mehr für den brief, sei er nun geschäftlich, werblich oder privat, hat, erscheint mir arm im Geiste. ich finde das traurig, was passiert. Weil es mit hoher Wahrscheinlichkeit unumkehrbar ist, weil zuviel jetzt investiert wird, so dass man sich nicht trauen wird,den investoren dieses wieder wegzunehmen, die Post wieder zu einer "teilprivatisierten, aber letztlich staatlich hoheitlichen Aufgabe" werden zu lassen. Für die volkswirtschaft erscheint das nicht gut. Aber die Geldgier mit dem billigen Geschäft, mit dem brief als Ware, nicht als Dienstleistung, denkt nicht so komplex und in Werten.

  • 30.01.2010, 00:52 UhrAnonymer Benutzer: Postliesel

    Nun, auch ein "Monopolist" kann kontrolliert werden. Portokosten müssen genehmigt werden. Produktionsprozesse müssen optimiert werden. briefträger müssen m.E. keine unkündbaren Vollzeit-beamten sein, aber für einen "knochenjob" bei Wind und Wetter tagein, tagaus wenigstens halbwegs anständig bezahlt werden, und zwar "konkret ein paar Euro zwischen 10 und 15 EU bRUTTO die Stunde", also etwas oberhalb des Mindestlohns, das sollte drin sein.
    ich sehe sonst meine unersetzbaren handgeschriebenen (Liebes)-briefe, die die hin und wieder schreibe und bekomme, sonst durch völlig unmotivierte, lustlose, frustrierte, für einen Hungerlohn versklavte Zusteller und Sortierer der Vernichtung, der Missachtung und der Zerstörung anheimfallen. Heutzutage verweigern ja sogar z. b. Zahnärzte eine qualitätsorientierte Arbeit, wenn nicht noch etwas mehr Kohle vom "kunden" zu ihm rüber für die Füllung fließt....) Und ob ein brief nun 10 oder 20 cent mehr kostet: meine Güte, so eine "Pfennigfuchserin" bin ich Gott sei Dank nicht, auch wenn mein Verdienst im Niedriglohnsektor annzusiedeln ist. Und MAssenbriefe: die sparen sich die Firmen und behörden zunehmend gleich ganz, da spielen doch Portokosten nicht die entscheidende Rolle ! Entweder brief oder gar kein brief mehr, diese Frage stellen sich die Versender der Post. Und jetzt machen sich ein paar private ANbieter einen Sport daraus, eine noch funktioniereden FLÄCHENDECKENDE Zustellung hinsichtlich Effizienz und Gewinn (wissen die Leser, wieviel eine briefsortiermaschine kostet?) kaputt zu machen.....

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