Fehlende Kontrolle: Das Versagen der Banken

Fehlende Kontrolle: Das Versagen der Banken

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Dunkle Regenwolken hängen über der Skyline von Frankfurt

von Cornelius Welp und Yvonne Esterházy

Wieder hat ein Investmentbanker Milliarden versenkt. Das Risikomanagment der Schweizer Großbank UBS hat offensichtlich versagt - kein Einzelfall meinen Experten und warnen vor neuen Desastern.

Der Opernturm ist das jüngste der vielen Frankfurter Hochhäuser, 170 Meter ragt er mitten in der Stadt in die Höhe, auf über 70.000 Quadratmetern bietet er Anwaltskanzleien und Beratern Platz. In die obersten Stockwerke ist Anfang 2010 die Schweizer Großbank UBS als Hauptmieter eingezogen. Von den luftigen Räumen oberhalb der 40. Etage wirkt alles, was unten groß und mächtig erscheint, nichtig und klein. Die Fenster reichen bis auf den Boden, wer nahe an sie herantritt, sollte schwindelfrei sein.

Weit weg von der Wirklichkeit und stets nur einen Schritt vom Abgrund entfernt – ein Londoner Kollege der Frankfurter Banker hat diese weit verbreitete Vorstellung von der Lebenswelt der Investmentbanker vor gut einer Woche eindrucksvoll bestätigt. Seit die UBS ausgerechnet am dritten Jahrestag der Pleite von Lehman Brothers offenbar manipulierte Geschäfte des 31-jährigen Kweku Adoboli veröffentlichen musste, die zu einem Verlust von 2,3 Milliarden Dollar führten, steht die gesamte Branche erneut unter dem Generalverdacht der unkontrollierbaren Zockerei.

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Ein Weckruf für die Branche

Die Finanzierung der Institute wird schwieriger

Die Finanzierung der Institute wird schwieriger

Entsprechend ungläubig bis entsetzt reagieren die Banker. „Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas nach dem Skandal um Jérôme Kerviel noch möglich ist“, sagt ein hochrangiger Investmentbanker in Frankfurt. Der Franzose hatte Anfang 2008 bei der Pariser Bank Société Générale einen Verlust von fünf Milliarden Euro produziert. „Das ist eine ganz schlechte Nachricht, aber auch ein Weckruf für die Branche“, sagt der Deutschland-Chef einer ausländischen Großbank. Mancher sieht sich zu düsteren Voraussagen veranlasst: „Die Investmentbanken sterben den Tod der 1000 Stiche“, so ein Londoner Händler.

Der Fall bei der UBS deckt womöglich einen schwer verzeihlichen Fehler im Risikomanagement des Instituts auf. Vor allem aber ruft er in Erinnerung, mit welch enormen Summen hier hantiert wird und welche Risiken daraus entstehen können. Der Schaden könnte den gesamten Jahresgewinn der Bank ausradieren, er gefährdet sie aber nicht in ihrer Existenz. Aber könnte es beim nächsten Mal bei der nächsten Bank nicht anders sein?

Schlag zur Unzeit

Der Skandal trifft nicht nur die UBS, die sich nach Milliardenverlusten während der Finanzkrise gerade erfolgreich auf dem Weg zurück zur Seriosität sah, sondern alle Institute zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Die Branche ist ohnehin hochnervös, die Staatsschuldenkrise stellt längst auch die Stabilität der Institute infrage. Die Risikoaufschläge haben ein höheres Niveau als nach der Lehman-Pleite erreicht. Ende vergangener Woche stuften Ratingagenturen die Bonitätsnoten einer ganzen Reihe von Banken herab, darunter die US-Institute Wells Fargo und Bank of America. Auch der internationale Währungsfonds (IWF) warnte vor gewachsenen Risiken und sah erneut erheblichen Kapitalbedarf bei den Instituten. Dass die Deutsche Bank und die Commerzbank ihre Gewinnziele für dieses Jahr immer deutlicher infrage stellen, ist noch eine der weniger beunruhigenden Nachrichten.

Vor allem aber ist der Fall UBS ein schwerer Schlag für die weltweite Lobbyarbeit der Banken. Ihre Vertreter hatten in den Diskussionen mit Regulierern stets die Fortschritte im Risikomanagement betont und den Anschein verbreitet, nach dem Desaster der Finanzkrise alles im Griff zu haben. Nun hat ein einzelner Händler gezeigt, wie anfällig das Geschäft weiterhin ist. Damit steigt der Druck auf die verantwortlichen Aufseher, die Branche noch stärker als bislang zu reglementieren.

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