Fehlerhafte Gaspedale: Toyota Deutschland: "Absatz ging um 20 Prozent zurück"

Fehlerhafte Gaspedale: Toyota Deutschland: "Absatz ging um 20 Prozent zurück"

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Der Vizepräsident von Toyota Deutschland, Alain Uyttenhoven

von Franz W. Rother und Martin Seiwert

Seit Tagen sorgt Toyota mit einem Rückruf wegen fehlerhafter Gaspedale für negative Schlagzeilen. In Deutschland ging der Absatz um 20 Prozent zurück, sagte Toyota-Deutschland-Vizechef Alain Uyttenhoven im Gespräch mit wiwo.de. Die Probleme der Kunden will Toyota schnell und sicher lösen. Bislang reagieren die Kunden besonnen.

Herr Uyttenhoven, Sie kommen gerade von einem Meeting aus der Toyota-Zentrale in Japan. Wie schlecht ist die Stimmung dort?

Natürlich sind wir sehr unzufrieden mit dem, was derzeit passiert. Wir haben in den letzten Tagen alles dafür getan, eine Lösung für das Thema zu finden, um es für unsere Kunden so schnell wie möglich zu lösen. Vielleicht sind durch organisatorische Schwierigkeiten, wie etwa dem Zeitunterschied zu Japan, in den letzten Tagen auch Verwirrungen in der Öffentlichkeit entstanden, was wir bedauern.  

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Toyota stand immer für Qualität. Woher kommen nun die Probleme? Ist das Unternehmen zu schnell gewachsen? Sicher ist Toyota sehr schnell gewachsen. Seit 1998 haben wir unseren Absatz verdoppelt. Aber wir sind bestimmt nicht um jeden Preis gewachsen. Toyota hat nach wie vor höchste Qualitätsstandards und wird seine Qualität immer weiter steigern. Deshalb ist es uns auch wichtig, die derzeitigen Probleme genau zu beschreiben: Da ist in den USA das Problem mit Gummifußmatten, die auf das Gaspedal drücken können. Und ein im Prinzip davon völlig unabhängiges Problem mit dem Gaspedal, das in seltenen Fällen klemmen kann.

Aber wie konnte es dazu kommen, wenn Sie so hohe Qualitätsansprüche haben? Die genauen Ursachen werden wir erst in einigen Wochen oder Monaten kennen. Momentan steht das nicht im Vordergrund, sondern dass wir die Probleme der Kunden schnell und sicher lösen.

Firmenchef Toyoda hat heute angekündigt, dass im Unternehmen neue Gremien eingerichtet werden, die die Qualität besser überwachen. Warum ist das nötig, wenn Sie doch schon jetzt einen strikten Qualitätskurs fahren?

Es ist unsere Firmenkultur, dass wir niemals mit einem erreichten Niveau zufrieden sind. Wir können immer noch besser werden.

Warum hat es Monate gedauert, bis Toyota die Sicherheitsprobleme wirklich ernst genommen hat? Ich denke nicht, dass wir Zeit verloren haben. Das Gaspedal klemmt nur in sehr seltenen Fällen, nur unter einem bestimmten Temperatur- und Feuchtigkeitseinfluss und erst, wenn das Auto einige zehntausend Kilometer gefahren wurde. Unsere Tests haben ergeben, dass das Pedal nur dann klemmt, wenn das Auto in der Kälte war, dann schnell aufgeheizt wird und zusätzlich Nässe im Spiel ist. Es war nicht leicht, das herauszufinden.

Wer ist Schuld, Toyota oder der Zulieferer CTS? Bei den sehr ähnlichen Gaspedalen von Denso tritt das Problem nicht auf.  

Wir haben das Teil gemeinsam mit dem Zulieferer entwickelt und werden nun nicht mit dem Finger auf ihn zeigen. Wir lösen das Problem gemeinsam mit dem Zulieferer. Die Suche nach dem Schuldigen entspricht nicht unserer Firmenkultur.

Seit wann ist Ihnen das Problem mit den Gaspedalen bekannt? Wir haben das Thema im Lauf des Jahres 2008 aus Kundenbeanstandungen erfahren. Das Thema wurde von den Kunden jedoch niemals als ein Sicherheitsproblem geschildert. Keiner der Kunden hat gesagt, dass er sich unsicher fühlte. Die Kunden haben gesagt: Es gibt ein bisschen Reibung in dem Gaspedal. Wir haben sogenannte Field Technical Reports (FTA), die das dokumentieren.

Wir berichten in der neuen Ausgabe der WirtschaftsWoche, dass Sie auch im Besitz von Unterlagen sind, die das Problem schon 2007 genau beschrieben haben.

Bei Langzeitüberprüfungen mit einem Toyota Auris kam es 2007 in zwei Fällen vor, dass das Gaspedal Geräusche machte oder ruckelte. Daraus wurde dann 2008 ein bisschen mehr, weil es erste, vereinzelte Kundenbeobachtungen in dieser Richtung gab. Dann ergab sich langsam ein Muster und wir konnten herausfinden, unter welchen Bedingungen es zu den Beeinträchtigungen am Gaspedal kommen kann.

Es hat aber ziemlich lang gedauert, bis Sie an den Punkt kamen. Wir konnten aus den ersten Einzelfällen nicht gleich ein allgemeines Problem ableiten. Diese speziellen Testfahrten werden nur mit wenigen Fahrzeugen durchgeführt. Liegt es da nicht in der Natur der Sache, dass es sich um Einzelfälle handelt?

Dennoch ist nicht gleich klar, wie bedeutsam ein geschildertes Problem ist. Bei solchen Tests, bei denen Fahrer in sechs Monaten 100000 Kilometer fahren, gibt es oft Hunderte von aufgezeichneten vermeintlichen oder echten Problemen. Man muss aus der Fülle dieser Daten dann erst einmal die wichtigen Punkte auswählen.

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