Fehlerhafte Produkte: Hersteller und Kunden sollten Rückrufe ernst nehmen

Fehlerhafte Produkte: Hersteller und Kunden sollten Rückrufe ernst nehmen

Der Autohersteller Toyota sorgt mit seiner Millionen-Rückrufaktion wegen fehlerhafter Gaspedale für Schlagzeilen. Dabei sind Rückrufe keine Seltenheit. Wie Kunden darauf reagieren sollten - und wie sich Unternehmen optimal vorbereiten.

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ARCHIV - Ikea-Kataloge in einer Filiale des schwedischen Möbelhauses

Toyota-Fahrer haben derzeit kein leichtes Los: Bei insgesamt acht Modellen, die zwischen 2005 und Anfang 2010 produziert wurden, könnte das Gaspedal klemmen - im schlimmsten Fall bei Vollgas (Details zu Modellen und Baujahren finden Sie hier). Zwar gab es laut Toyota in Deutschland noch keinen Unfall, trotzdem ruft der Konzern europaweit 1,8 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurück. Mit Hilfe des Kraftfahrtbundesamts wird Toyota alle betroffenen Fahrzeugbesitzer anschreiben. Nur 20 Minuten soll die Reparatur pro Fahrzeug dauern - trotzdem drohen Toyota Kosten in mindestens dreistelliger Millionenhöhe.

Rein rechtlich gesehen sind Kunden allein aufgrund der Aufforderung von Toyota nicht dazu verpflichtet, den Mangel beheben zu lassen. Falls es aber zu einem Unfall kommt, stehen dem vorgewarnten Verweigerer aber im Zweifel keine Ansprüche mehr gegen den Hersteller zu - oder den entsprechenden Kunden trifft aber ein Mitverschulden.

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Trotz des großen medialen Interesses sind Auto-Rückrufe aber eher selten: Der Produkthaftungsexperte Tobias Bomsdorf von CMS Hasche Sigle sieht sie eher als medienwirksamen Sonderfall an, da sich die Fahrzeughalter mit Hilfe des Kraftfahrtbundesamtes exakt ermitteln lassen. Viel häufiger kommen Rückrufe von Produkten wie etwa Elektrohaushaltsgeräten oder Kinderspielzeug vor, die über verschiedenste Händler und Vertriebswege verkauft werden. Deren Besitzer lassen sich nicht so einfach über eine zentrale Stelle ermitteln, sondern müssen über Anzeigen in Zeitungen, Plakataushänge oder ähnliches erreicht werden. Hersteller oder Importeure müssen - um ihrer Pflicht zu genügen - dabei genau darauf hinweisen, welches Risiko von den betroffenen Produkten ausgeht und den Konsumenten droht.

Kunden sollten rasch reagieren

Das Portal Produktrueckrufe.de listet solche Risiken auf - doch nicht alle Rückrufer machen sich die Mühe genauer Hinweise: Zur Zeit werden etwa Kik-Herrensocken mit Simpsons-Motiv zurückgerufen. In ihnen wurde ein Farbstoff festgestellt, der "zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen könnte". Genauere Angaben zur Gesundheitsgefährdung konnte Produktrueckrufe.de auf der Kik-Website nicht finden. 

Präziser ist da schon der Eintrag über Wärmeflaschen des Filialisten Tiger. Verschiedene Wärmeflaschen können platzen, das dann austretende Wasser kann Hautverbrennungen verursachen. Und auch das schwedische Einrichtungshaus Ikea ist vor Rückrufen nicht gefeit: Aktuell muss Ikea seinen Kinderhochstuhl Leopard zurückrufen, wie der Website zu entnehmen ist. Die Einraststege können abbrechen, wodurch der Sitz durch den Rahmen fallen kann, heißt es in dem Rückruf. Kinder können sich beim Sturz Kopf- und andere Verletzungen zuziehen, auch könenn die abgebrochenen Einraststege von Kindern verschluckt werden.

Bei solchen Rückrufen sollten auch die betroffenen Kunden rasch reagieren, meint Rechtsanwalt Bomsdorf. Ruft ein Gartengerätehersteller ein bestimmtes Produkt zurück, wird er dafür einen Grund haben. Wenn Käufer ihre Produkte einfach weiterverwenden, obwohl sie von dem fehlerhaften Produkt und der davon ausgehenden Gefahr aus den Medien erfahren haben, begeben sie sich auf dünnes Eis. Passiert mit dem Gartengerät ein Unfall, können die Kunden möglicherweise keine Ansprüche gegen den Hersteller geltend machen. „Denn der hat in dem konkreten Fall dann alles getan, was er tun konnte“, sagte Bomsdorf zu wiwo.de.

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