Feindliche Übernahme: Hochtief-Chef gibt sich ACS noch nicht geschlagen

Feindliche Übernahme: Hochtief-Chef gibt sich ACS noch nicht geschlagen

von Stephanie Heise und Harald Schumacher

Hochtief-Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter hofft auf die Hilfe der Bundesregierung bei der Abwehr der Übernahme durch den Baukonzern ACS. Das Windpark-Geschäft soll eine halbe Milliarde Euro Umsatz einbringen.

„Wir gehen davon aus, dass Berlin ein Interesse daran hat, dass die deutsche Bauindustrie international wettbewerbsfähig bleibt. Hochtief ist der internationale Player in Deutschland“, sagte Herbert Lütkestratkötter, Vorstandschef von Hochtief. Außerdem sei der spanische Markt „für Bauunternehmen aus dem Ausland regelrecht abgeschottet“. Der massiv über EU-Mittel finanzierte Infrastrukturausbau in Spanien habe dort „in geschütztem Umfeld“ einige Großkonzerne entstehen lassen, die enorme Gewinne erwirtschaftet haben: „Es wäre schon grotesk, wenn Hochtief von einem spanischen Konzern übernommen würde, der seine Größe unter anderem EU-Steuermitteln – auch aus Deutschland – verdankt.“

Der Hochtief-Chef steht der Behauptung des spanischen Baukonzerns ACS, Hochtief zwar mehrheitlich übernehmen zu wollen, aber keinen Beherrschungsvertrag anzustreben, sehr skeptisch gegenüber. Auf die Frage, ob er ACS glaube, antwortete der Manager: „Glauben ist in der Kirche.“ Es gebe „viele Anfragen von Kunden – geprägt von der Sorge, dass Hochtief eines Tages nicht mehr als zuverlässiger Partner zur Verfügung steht“.

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Auch die operativen Kooperationsmöglichkeiten, die ACS als Grund für die Übernahme nennt, sieht Lütkestratkötter nicht. Diese Möglichkeit habe ACS seit drei Jahren fast ungenutzt verstreichen lassen: „Wenn ACS und Hochtief bei Auftragsvergaben hätten kooperieren wollen, wäre das ja leicht möglich gewesen. Es gab aber nur ein einziges gemeinsames Projekt, den Bau einer Mautstraße in Chile aus der Zeit vor 2007, als ACS mit rund 25 Prozent bei Hochtief eingestiegen ist. Danach haben wir kein einziges weiteres Projekt mehr gemeinsam gemacht.“

Auch die vertraglichen Ausstiegsrechte der Hochtief-Kunden, sogenannte Change-of-Control-Klauseln, spielen offenbar im Abwehrkampf gegen die Übernahme eine Rolle. Lütkestratkötter glaubt, dass ACS dieses „Risiko auf dem Ticker hat“.

Gute Geschäfte

Lütkestratkötter bestätigt trotz der Kosten, die Hochtief durch die Abwehrmaßnahmen gegen die Übernahme durch ACS entstehen, die angekündigten Geschäftszahlen: „Ja, wir bestätigen alle Prognosen aus unserem Halbjahresbericht für das Gesamtjahr 2010“, sagte der Manager. Auftragsbestand und Auftragseingang bei Hochtief werden demnach 2010 insgesamt leicht über Vorjahr liegen, die Umsatzerlöse auf Vorjahresniveau und der Gewinn etwas höher als 2009. Zur Frage nach dem Abbau von Jobs im deutschen Baubereich sagte Lütkestratkötter: „Wir werden an einzelnen Standorten unsere Kapazitäten weiter anpassen. Wo immer es geht, sprechen wir über Versetzungen. Jedenfalls gilt das, solange wir Herr im Hause sind.“

Strategisch setzt Lütkestratkötter massiv auf neue Geschäftsfelder wie den Bau von Offshore-Windkraftanlagen. Aktuell verkündet er „in diesen Tagen einen neuen Auftrag über 170 Millionen Euro“: Hochtief werde „in der Nordsee einen Windpark mit 80 Anlagen errichten“. Der Geschäftszweig entwickle sich so gut, dass „wir mit einer Umsatzgröße von mindestens einer halben Milliarde Euro pro Jahr“ rechnen. Dadurch schaffe Hochtief  „hunderte“ neuer Arbeitsplätze in Deutschland.

In Kürze werden laut Lütkestratkötter die Verträge für den Bau eines ersten innovativen Spezialschiffs zur Errichtung und Wartung von Offshore-Windanlagen unterzeichnet. Das Hochtief-Joint Venture mit der Schwergutreederei Beluga Shipping mit Namen Beluga Hochtief Offshore, werde einen dreistelligen Millionenbetrag in den Bau neuer Spezialschiffe investieren, die den Bau der Windkraftanlagen in bis 35 Meter Wassertiefe ermöglichen: „Hochtief verdient nicht nur am Bau von Windkraftanlagen vor der Küste, sondern an einer Kette von Dienstleistungen rund um Entstehung, Instandsetzung und Betrieb der Anlagen.“

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