Fernbuslinien: Offener Markt stärkt Deutsche Bahn

KommentarFernbuslinien: Offener Markt stärkt Deutsche Bahn

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Omnibusse auf einem Parkplatz

von Christian Schlesiger

Künftig dürfen Fernbuslinien in Konkurrenz zur Deutschen Bahn fahren, entschied das Bundesverwaltungsgericht Leipzig. Der Markt ist damit geöffnet - und die Deutsche Bahn kann sich freuen.

Seit fünf Jahren herrschte Ungewissheit, dem hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gestern ein Ende gesetzt. In einem Grundsatzurteil entschieden die Richter, dass Busunternehmen künftig mit dem Argument niedriger Preise Fernstrecken rechtfertigen und beantragen dürfen. Damit ist der Busmarkt in Deutschland auf der Fernstrecke de facto geöffnet.Für die Wettbewerber der Deutschen Bahn ist die Entscheidung ein Meilenstein. Sie können und werden künftig richtig Gas geben, um die Bahn auf der Straße zu überholen. Veolia Verkehr, Autobahnexpress und Deutsche Touring haben bereits neue Strecken angekündigt. Die Deutsche Bahn scheint der Verlierer der gestrigen Entscheidung zu sein. Es ist auch nur allzu verständlich, dass sie mobil macht gegen jeglichen Versuch eines Konkurrenten, den Monopolraum der Deutschen Bahn zu knacken. Es gibt ein Personenbeförderungsgesetz, dass der Eisenbahn in Deutschland besonderen Schutz zuspricht. Die Bahn wäre dumm, würde sie nicht ihre Juristen in Stellung bringen, um die schriftlich fixierten Vorteile auch für die Zukunft zu sichern. Doch der vermeintliche Rückschlag der Deutschen Bahn durch eine stärkere Öffnung des Busmarktes ist in Wahrheit keiner. Tatsächlich wird die neue Konkurrenz den Staatskonzern nur bedingt treffen und  außerdem kann die Deutsche Bahn selbst kräftig profitieren:

Vier Gründe für Fernbuslinien

Es entsteht ein neuer Markt. Wissenschaftliche Studien belegen, dass sich zunehmender Wettbewerb durch Fernbusse vor allem auf den Autoverkehr auswirkt. Nicht Bahnfahrer steigen in den Bus, sondern preissensible Autofahrer. Der Marktanteil der Bahn bei Fernverkehrsstrecken von rund 300 Kilometern bliebe auch nach Öffnung des Busmarktes konstant bei 25 Prozent, so eine Studie der TU Dresden. Beim Pkw hingegen sinkt der Marktanteil um einige Prozentpunkte auf 64 Prozent. Für Reisende, die heute etwa häufig per Mitfahrgelegenheit ihren Zielort erreichen, stellen Busse künftig die bessere Alternative dar.

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Busse sprechen eine andere Klientel an. Fernbuslinien wildern keinesfalls in der Gruppe der Bahnreisenden. Bei dem jungen Start-up-Unternehmen deinbus.de beispielsweise, einer Art Mitfahrzentrale für Busfahrten, buchen vor allem Studenten und Migranten eine Bustour, weil sie wesentlich preiswerter ist als die Bahn. So kostet ein Ticket für eine einfache Fahrt von Frankfurt nach Köln 12,50 Euro. Bei der Bahn kostet die Fahrt 64 Euro beziehungsweise 32 Euro mit Bahncard 50. Selbst Sonderangebote beginnen erst ab 29 Euro. Die Buslinien ziehen aber vor allem Konsumenten an, die die Bahn meist gar nicht oder zumindest wesentlich seltener nutzen würden. Vor allem bei einem Einkommen von weniger als 1500 Euro im Monat könnten Buslinien Marktanteile gewinnen, so die Wissenschaftler der TU Dresden. In dem Einkommensbereich könnten Busunternehmen 6,3 Prozent Marktanteil gewinnen. Die Deutsche Bahn kann ihre Stärken ausspielen. Wenn es keine Konkurrenz gibt, entlädt sich Wut der Fahrgäste immer bei der Deutschen Bahn. Künftig kann sie jenen Nörglern aber auch sagen: Nehmt doch den Bus. Die Umsteiger werden schnell erkennen: Die Deutsche Bahn bleibt in vielerlei Hinsicht die bessere Wahl. Das Platzangebot ist größer als in herkömmlichen Fernbussen, Service und Komfort dürften besser sein. Allein der Kaffee und die Speisen in den Bordbistros und -restaurants sind für viele ein Argument für die Bahn. Und das wichtigste Argument: Die Bahn ist deutlich schneller. Sie verbindet etwa die Städte Frankfurt und Köln in etwas mehr als einer Stunde. Der Bus benötigt 2:15 Stunden. Die Bahn bleibt daher praktisch kokurrenzlos. Gelingt es ihr etwa, auch die Pünktlichkeit und Verlässlichkeit zu verbessern, wird der Bus als Alternative von den allermeisten Menschen gar nicht erst in Betracht gezogen. Die Deutsche Bahn ist der größte Profiteur. Die Deutsche Bahn könnte am Ende gar der große Gewinner einer Marktöffnung im Busbereich sein. Der Konzern verfügt über eine Flotte von rund 12.000 Bussen. DB-Tochterunternehmen wie Bex und Autokraft verbinden schon heute viele deutsche Städte mit der Hauptstadt Berlin. Die Deutsche Bahn verfügt schon jetzt über genügend Busse, um auch weitere Strecken zu beantragen. Die Expansion des Busgeschäftes in Deutschland bietet dem Konzern erhebliche Wachstumschancen. Diese Begründung benutzt sie derzeit vor allem, um den Kauf von Arriva zu rechtfertigen und auf das Wachstumspotenzial im Ausland hinzuweisen. Das stimmt zwar, aber auch der Ausbau des Busgeschäftes dürfte ordentlich Umsätze generieren. Zumal die Bahn durch die erheblichen Mengenrabatte beim Einkauf der Busse und besseren Finanzierungsmöglichkeiten ohnehin besser da steht als die Konkurrenz. Es gibt keinen Grund, warum die Deutsche Bahn den Wettbewerb auf der Straße fürchten muss. Vor allem gibt es genügend Gründe dafür. Wettbewerb belebt das Geschäft - am Ende auch das der Deutschen Bahn.

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