_

Fernverbindungen: Deutsche Bahn bekommt Konkurrenz

von Christian Schlesiger

Der Staatskonzern bekommt Konkurrenz auf der Fernstrecke. Ein privater Anbieter startet im August 2010 einen eigenen Intercity-Verkehr.

ICE 3 der Deutschen Bahn und Quelle: Reuters
ICE 3 der Deutschen Bahn und TGV der SNCF in Paris Quelle: Reuters
Anzeige

Im August kommenden Jahres geht es los. Das neue Bahn-Unternehmen Locomore Rail aus Berlin wird als erster ernsthafter Konkurrent den Frontalangriff auf die Deutsche Bahn eröffnen. Mehrmals täglich sollen Fernzüge zwischen Köln und Hamburg fahren. „Wir werden preiswerter sein als die Deutsche Bahn und hinsichtlich der Qualität keine riesigen Abstriche machen“, sagt Locomore-Geschäftsführer Derek Ladewig. Die Verträge mit dem Schienennetzbetreiber DB Netz seien schon unterschrieben.

Von 2011 an will das neue Unternehmen, hinter dem ausländische Investoren stehen, weitere Strecken bedienen. Konkret geplant ist bereits eine Verbindung von Berlin über Hannover und Köln nach Frankfurt. Zudem möchte Locomore von Hamburg nach Stuttgart fahren – über Hannover, Fulda und Frankfurt. Geplant ist ein Zwei-Stunden-Takt.

Auch SNCF will mitmischen

Für den Taktverkehr setzt das Unternehmen gebrauchte Intercity-Züge ein, ausgestattet mit erster und zweiter Klasse. Sie sollen ein Höchsttempo von 200 Stundenkilometern erreichen - auf der vergleichsweise langsamen Strecke dürfte Locomore damit nur unwesentlich langsamer sein als ein ICE der Deutschen Bahn.

Die Deutsche Bahn gerät damit in einem Geschäft in Bedrängnis, das sie bisher als Monopolist weitgehend nach Belieben bestimmen konnte. Auch der französische Staatskonzern SNCF - derzeit als Kooperationspartner der Deutschen von Paris nach Stuttgart und Frankfurt unterwegs - will von 2011 an gegen die Deutsche Bahn antreten – und die Städte Frankfurt, Hamburg und Berlin miteinander verbinden.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.11.2009, 22:01 UhrAnonymer Benutzer: saarländer

    Die Versorgung der bevölkerung steht in allen Regionen im Vordergrund Die Deutsche bahn sichert in vielen Regionen den Nahverkehr. Diese Strecken sind teilweise nicht kostendeckend. Verliert die bahn die gewinnbringenden Strecken muss mit Einsparungen gerechnet werden. Wer leidet darunter?

  • 03.11.2009, 17:14 UhrAnonymer Benutzer: Michael Rabe

    ... und wann fahren deutsche Züge nach Paris oder Moskau ...
    oder wäre das uneuropäisch ... ?

  • 02.11.2009, 17:25 UhrAnonymer Benutzer: Privatisieren auf Teufel komm raus

    Es ist eigentlich immer wieder das gleiche: ob Post und Paketdienste, infrastruktur wie z.b. die bahn. Privatisierung ist in Mode. Kurzfristig werden Scheinverbesserungen gefeiert und schon bald beginnt der Katzenjammer: der Service wird schlechter, die Preise steigen und irgendwie ist für den Kunden wieder alles noch komplizierter und komplexer geworden.
    Sicher, Konkurrenz soll ja das Geschäft beleben. Aber ist diese immer sinnvoll? ich denke, gerade bei infrastrukturthemen ganz klar NEiN! Es ist doch völlig klar, dass ein neuer Marktteilnehmer sich ersteinmal die Rosinen rauspickt. Der neue briefdienst beliefert nur 3 ballungszentren (die Post muss selbst jede Hallig versorgen) und der neue bahnanbieter sucht sich die rentabelste Strecke aus, auf der heute die vollsten Züge auf und ab fahren (während die Db jedes Kuhdorf regelmäßig anzufahren hat). Klar, dass der neue Wettbewerber anders wirtschaften kann. Und so führt eben gerade diese Öffnung erst zu einer Wettbewerbsverzerrung! Und zu Komforteinbußen. Plötzlich kann der bahngast nicht mehr bei einer Stelle buchen, sondern benötigt mehrere Tickets. Und ob es eine Umsteigeverbindung und abgestimmt Fahrpläne gibt ist wohl zweifelhaft. Sollte irgendwann einmal für alle Teilnehmer der pure Wettbewerb herrschen, so werden sich dann alle nur noch auf die rentablen Strecken fokussieren und alle anderen aufgeben. Wäre damit jemandem geholfen?
    Das Problem ist zudem, dass die benefits einer infrastruktur nicht sofort ersichtlich sind. Die bahn ist nicht nur ein autonomer betrieb, der Kosten und Erlöse verursacht. Vielmehr ist eine hervorragend ausgebaute infrastruktur deutlich mehr als das reine befördern von Personen von A nach b. Sie ist Grundlage für Mobilität, industrien, Wohnqualität u.v.m. Hier alle Kosten und Erlöse gegenüber zu stellen, ist quasi unmöglich. Dies jedoch wäre die Voraussetzung für funktionierenden Wettbewerb.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Thalys: In Zukunft ohne Deutsche Bahn
Thalys: In Zukunft ohne Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn steigt aus dem Gemeinschaftsprojekt Thalys aus. Das Unternehmen besitzt derzeit zehn Prozent an dem...