Ferrostaal: Saubermann im Fadenkreuz

KommentarFerrostaal: Saubermann im Fadenkreuz

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WirtschaftsWoche-Reporter Andreas Wildhagen

von Andreas Wildhagen

Für Ferrostaal-Chef Matthias Mitscherlich wird es wegen eines Korruptionsskandals beim Essener Anlagenbaukonzern sehr eng.

Er ist der Sohn des berühmten Psychotherapeuten Alexander Mitscherlich ("Die Unfähigkeit zu Trauern"), aber seine fast schon in den Genen angelegte Sensibilität nützt ihm nun wenig. Die Staatsanwaltschaft München ist hinter ihm her. Sie ermittelt gegen den 61-jährigen Chef des Industriedienstleistern und Anlagenbauers, seitdem es im März in der Essener Firmenzentrale eine staatsanwaltiche Durchsuchung gegeben hat. Ein Verfahren wegen Untreue wurde eingeleitet.

Ihm und anderen Ferrostaal-Managern wird vorgeworfen, über Jahre hinweg systematisch internationale Geschäfte mit Schmiergeldern angeschoben zu haben. Es geht um die Lieferung von U-Booten nach Portugal, Münzprägemaschinen nach Indonesien und um Geschäfte mit Hochseeschleppern in Deutschland. Bisher wurden zwei Mitarbeiter verhaftet, darunter ein Vorstandsmitglied, der immer noch in Untersuchungshaft sitzt und der mit Aufsichtsratsbeschluss vom 8. April bereits aus Ferrostaal-Diensten entlassen wurde.

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Der Ferrostaal-Großaktionär IPIC hat bereits im vergangenen Jahr einen Rechtsanwalt als Aufsichtsratsvorsitzenden berufen. Es ist Georg Thoma, Leiter der deutschen Depandance der Rechtsanwaltskanzlei Shearman & Sterling. IPIC ist ein arabischer Staatsfonds, der Anfang 2009 von der früheren Ferrostaal-Mutter MAN 70 Prozent der Unternehmensanteile übernommen hatte. Nun soll auch der Rest an die Araber gehen - doch die Transaktion stockt wegen der Korruptionsaffäre.

MAN hat den Schaden

IPIC soll Mitscherlich einen sehr schleppenden Umgang mit der Aufklärung der Schmiergeldfälle vorwerfen. Heute sollte dazu eigentlich der Aufsichtsrat tagen. Doch die Sitzung wurde auf Anfang Mai verschoben. Ob es hinter den Kulissen zu einem Scherbengericht über Mitscherlich kommt, ist dabei noch offen.

Zwar können die Aufsichtsräte wegen der Vulkanwolke nicht vollzählig erscheinen, doch eine Entscheidung  über Mitscherlich ist auch im schriltlichen Umlaufverfahren möglich. Auf jeden Fall wird die Komplettübernahme von Ferrostaal für IPIC wahrscheinlich nun erheblich billiger. Das auf 700 Millionen Euro Wert taxierte Essener Unternehmen wird ein Bußgeld zahlen müssen, das vom Kaufpreis abgezogen wird. Den Schaden muss MAN tragen.

Wird Mitscherlich, der sich gern als Saubermann darstellt, nun von der IPIC geopfert? Was wusste er? Diese fast schon kriminaltechnische Frage kursiert in den Kreise der ermittelnden Staatsanwälte und Anwälte. Mitscherlich ist einer der wenigen Manager, die als Außenseiter an die Spitze der deutschen Industrie gelangten. Der Jurist war früher wissenschaftlicher Assistent am Max-Planck-Institut in Hamburg. Dort stieg er in den 1960er Jahren ein kleines Anlagenbau-Büro ein, dessen Mitinhaber zeitweilig auch Richard Gruner war, Mitbegründer des Verlags Gruner+Jahr ("Stern").

Mitscherlich, der in seiner Jugend mit Ernst Bloch, Jürgen Habermas, Horckheimer und Adorno am elterlich Abendbrotstisch saß, ist der Umgang mit Großkopfeten ein Leichtes. Nun muss er auch Scheich-Mansour bin Zayed al Nahyan von seiner Unschuld überzeugen. Scheich Mansour ist der entscheidende Mann hinter der IPIC, deren Beteiligung Ferrostaal nun unerwartet mächtig Probleme bereitet.

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