Ferrostaal, Siemens, Daimler: Korruption als Karriere-Killer

Ferrostaal, Siemens, Daimler: Korruption als Karriere-Killer

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Der frühere Siemens-Chef Heinrich v. Pierer

von Andreas Wildhagen

Ferrostaal-Chef Matthias Mitscherlich muss gehen - zu zögerlich war er bei der konzerninternen Aufklärung. Bei Daimler verlief der Prozess glimpflich - Siemens traf es am härtesten. Dort wurde aber auch geschmiert wie nie zuvor in der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Was muss ein einst hochgeachteter Topmanager getan haben, um seinen Hut zu nehmen, weil in seinem Unternehmen Korrupitonsfälle bekannt wurden? Bisher waren es zwei, die geschasst wurden: Heinrich v. Pierer, ehemaliger Aufsichtsrats- und Vorstandschef von Siemens, und jetzt auch Matthias Mitscherlich, der laut Aussagen des Aufsichtsrates den Chefsessel von Ferrostaal verlässt.

Das Ferrostaal-Kontrollgremium wirft Mitscherlich vor, nicht hart genug die nun hochkochende Korruptionsaffäre, genannt werden angebliche Schmiergeldzahlungen in Höhe von 180 Millionen Euro, aufgedeckt zu haben. Eingeschaltet von die US-Rechtsanwaltskanzlei Debevoise & Plimpton, die auch von Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme im Fall des eigenen Konzerns eingeschaltet wurde. Mit der Korruptionsaffäre bei Siemens begann die öffentliche Debatte darüber, wie anfällig deutsche Spitzenmanager sind für "nützliche Aufwendungen" und "außerordentliche Provisionen" wie sie früher legal waren - nun aber geächtet und von internationalen Gerichten hart verfolgt.

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Ganswindt noch nicht aus dem Schneider

Mit den fetten Korruptions-Schlagzeilen fing es an, als im November 2006 die Staatsanwaltschaft München mit ihren Ermittlungen gegen Siemens begann. Die Aufarbeitung der Schmiergeldaffäre, in der über Jahre hinweg 1,3 Milliarden Euro in dunkle Kanäle flossen, hat das Unternehmen seither rund 2,5 Milliarden Euro gekostet, horrende Zahlungen für Rechtsanwälte und Bußgelder inklusive. Es war bisher der größte Schmiergeldskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Der seit Juli 2007 amtierende Vorstandschef Peter Löscher und sein Aufsichtsratschef Cromme hatten eine gnadenlose Aufklärung der Schmiergeldaffäre zugesagt. Siemens forderte Schadensersatz von Pierer und bekam ihn. Fünf Millionen Euro musste der Jurist auf den Tisch des Hauses legen.

Noch nicht aus dem Schneider ist der ehemalige Topmanager Thomas Ganswindt, der einmal als möglicher Nachfolger von Ex-Konzernlenker galt. Mit harter Hand versuchte er, die marode Kommunikationssparte zu sanieren. Doch nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft waren ihm dabei fast alle Mittel recht - sie hat Anklage erhoben unter anderem wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur Bestechung ausländischer Amtsträger. Erst in der vergangenen Woche war sein früherer Mitarbeiter Michael K. zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Damit nicht genug: Siemens hat ihn auf Zahlung von Schadensersatz verklagt.

Wenn das die strafrechtliche und zivilrechtliche Währung ist, kann Mitscherlich vorläufig mit einer gewissen Gelassenheit in die nun erzwungene Pension gehen. Es steht 1,3 Milliarden Euro Schmiergelder zu 180 Millionen Euro. Auch der Fall Daimler sah bisher lange nicht so dramatisch aus wie das Korruptions-System bei Siemens. Daimler willigte kürzllich in die Einstellung eines Verfahrens wegen Bestechung gegen die Zahlung von 185 Millionen Dollar ein. Das US-Justizministerium warf dem Konzern vor, zwischen 1998 und 2008 in 22 Ländern Bestechungsgelder von rund 56 Millionen. Dollar gezahlt zu haben.

Ferrostaal? Daimler? Im Vergleich zu Siemens bisher nur Peanuts - es sei denn, der harmlose Korruptions-Schneeball weitet sich bei Ferrostaal noch zur Frühlings-Lawine aus.

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