Festgefahrene Tarifverhandlungen: Pilotenstreik bei Lufthansa: Hunderte Flugausfälle zu befürchten

Festgefahrene Tarifverhandlungen: Pilotenstreik bei Lufthansa: Hunderte Flugausfälle zu befürchten

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Schon Anfang des Monats hatte ein Streik von Piloten der Lufthansa-Töchter Cityline und Eurowings zu massiven Beeinträchtigungen des Flugverkehrs geführt: Passagiere warteten Anfang Juli auf dem Flughafen Franz-Josef-Strauss in München an einem Ticket-Schalter der Lufthansa

Nach dem Streikaufruf bei den Piloten von zwei Lufthansa-Töchtern sind im deutschen Luftverkehr mehrere hundert Flugausfälle zu befürchten. Die Vereinigung Cockpit (VC) rief ihre Mitglieder bei Eurowings und Cityline auf, von heute 12 Uhr bis morgen 24 Uhr die Arbeit niederzulegen.

Bereis vor zwei Wochen hatte ein 24-Stunden-Streik zu mehr als 600 Flugausfällen geführt. „Wir versuchen die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten“, sagte Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty. Passagieren werde soweit es geht eine Umbuchung auf andere Maschinen angeboten, darunter auch auf Flugzeuge anderer Gesellschaften. Bei innerdeutschen Flügen könnten Passagiere Gutscheine für die Nutzung der Bahn erhalten. Es werde auch für die Betreuung der Passagiere an den Flughäfen gesorgt.

Die beiden Lufthansa-Töchter Eurowings und Cityline sind unter Lufthansa-Flugnummern mit kleineren Maschinen auf innerdeutschen und innereuropäischen Strecken unterwegs. Darunter sind auch Zubringerflügen zu den großen Drehkreuzen Frankfurt und München. Nicht betroffen von den Streiks sind dagegen Langstreckenflüge nach Asien oder Amerika, die von der Lufthansa AG geflogen werden. Die Gewerkschaft hatte die Tarifverhandlungen für die zusammen mehr als 1000 Piloten beider Gesellschaften im Mai für gescheitert erklärt. In einer Urabstimmung sprachen sich anschließend mehr als 99 Prozent der VC-Mitglieder für Streiks aus.

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Im Kern geht es bei den Verhandlungen um mehr Geld, eine konkrete Forderung für eine Anhebung hatte die Gewerkschaft in der Öffentlichkeit aber nicht genannt. Die Leiterin Tarifpolitik bei der Gewerkschaft, Ilona Ritter, bedauerte Auswirkungen der Streiks auf die Passagiere. „Wir gehen mit Augenmaß vor“, sagte sie. Nach mehreren Jahren Nullrunden oder nur minimalen Gehaltsanhebungen bei den Lufthansa-Töchtern wollten diese Piloten nun aber auch am Erfolg des Lufthansa-Konzerns beteiligt sein. „Wir haben leider keinen anderen Weg vor uns“, sagte Ritter.

Die Gewerkschaft rechnet mit einer hohen Streikbeteiligung. „Wir haben einen sehr hohen Organisationsgrad“, sagte Ritter. Laut Vereinigung Cockpit sind von den Arbeitskämpfen unter anderem die Flughäfen Frankfurt, Düsseldorf, Hannover, Stuttgart, Berlin-Tegel, Leipzig und Hamburg betroffen.

Lufthansa-Aktien sind größter Verlierer im Dax

Die Verhandlungen bei den Piloten der Töchter finden unabhängig von den Tarifverhandlungen für die rund 50.000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine bei der Lufthansa-Konzernmutter statt. Hier läuft derzeit eine Urabstimmung der Gewerkschaft Verdi, die ebenfalls den Weg für unbefristete Streiks frei machen soll. Mit einem Ergebnis der Mitgliederbefragung wird am Freitag gerechnet, anschließend könnten auch hier Streiks den Flugplan durcheinanderwirbeln.

Dagegen hatte es bei dem ebenfalls von Lufthansa kontrollierten Billigflieger Germanwings vergangene Woche eine Einigung über die Bezahlung der Piloten gegeben. Diese steht allerdings noch unter dem Vorbehalt, dass die VC-Mitglieder und die Gesellschaft dem Kompromiss am Verhandlungstisch zustimmen.

Die Situation hat heute die Aktien der Lufthansa belastet. Die Titel fielen um fast fünf Prozent auf 14,37 Euro und waren damit einer der größten Verlierer im Dax. Daneben hat Händlern zufolge Merrill Lynch das Kursziel für Lufthansa auf 14 von 15 Euro gesenkt und die Einschätzung „Underperform“ bekräftigt. Zugleich zog der Ölpreis wieder leicht an: Das Barrel US-Öl der Sorte WTI kostete mit 131,85 Dollar 0,6 Prozent mehr als am Vorabend, während sich Brent-Öl um 0,7 Prozent auf 133,51 Dollar verteuerte.

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