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Filmindustrie: "3D-Kino sorgt für einen Push"

von Peter Steinkirchner

Brille auf - mit "Up" zeigte das Filmfestival in Cannes erstmals einen 3D-Animationsfilm zum Auftakt. Für den Filmproduzenten Thomas Peter Friedl steckt hier enormes Innovationspotenzial für das Kino der Zukunft.

Peter Friedl
Peter Friedl

wiwo.de: Herr Friedl, kann man mit Filmen überhaupt noch Geld verdienen?

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Friedl: Ja klar, selbst in einer Krise sieht man, dass der weltweite Bedarf an Content stetig steigt, und man kann jede Woche im Kino sehen, dass man mit guten Kinofilmen Geld verdienen kann. Deshalb haben wir UFA Cinema ja Anfang 2008 gegründet – Kinofilme sind Werte für Jahrzehnte und oft waren ja die besten unternehmerischen Ideen diejenigen, die antizyklisch gestartet wurden.

Was macht Sie so optimistisch – alle Welt stöhnt wegen der Krise?

In den Kinos ist die Krise bis jetzt nicht angekommen. Das war historisch schon immer so. In schlechten Zeiten gehen die Leute mehr ins Kino, sie suchen diese Form des Eskapismus. Hinzu kommt, dass der deutsche Film in den vergangenen fünf Jahren sein Image beim Zuschauer deutlich verbessert und eine echte Marktmacht entwickelt hat. 2008 lag der Marktanteil für deutsche Filme bei mehr als 25 Prozent. Mittlerweile ist der deutsche Film ein Exportgut geworden. In den vergangenen fünf, sechs Jahren hatten wir fünf Oscar-Nominierungen, „Nirgendwo in Afrika“ und „Das Leben der Anderen“ haben sogar gewonnen, auch bei den großen internationalen Festivals laufen deutsche Filme mit großem Erfolg.

Trotzdem ist es ja kein Zufall, dass es bis auf die Constantin heute praktisch keinen großen Filmproduzenten mehr gibt in Deutschland?

Das ist in der Tat verwunderlich, denn das größte Risiko für einen Produzenten besteht dann, wenn er nur einen oder zwei Filme im Jahr herstellt. Da ist man zu abhängig von einem Einzelerfolg. Das Kino-Geschäft ist aber wie ein Aktienportfolio, also ein Ausreißergeschäft. Das ist bei den US-Studios so, das wird auch bei UFA Cinema so sein. Misserfolg im Kino ist leider Teil unseres Geschäfts. Sie müssen deshalb ein breiteres Portfolio herstellen, damit sie ihr Downside-Risiko dadurch ausgleichen, dass zwei oder drei ein gutes Geschäft werden.

Wie viele Filme werden Sie produzieren?

Wir planen, acht bis zehn Filme im Jahr herzustellen – davon etwa drei Viertel deutsch- und ein Viertel englischsprachige Filme. Unser Budget-Rahmen liegt zwischen 4,5 und knapp 30 Millionen Euro, die zum Beispiel die Verfilmung des Bestsellers „Medicus“ kosten wird. Das sind Budgetgrößen, die in Deutschland und Europa refinanzierbar sind.

Wann wird Ihr erster Film zu sehen sein?

Ostern 2010 werden wir mit unserem Partner Universal Pictures den erster Film in die Kinos bringen –„Teufelskicker“. Drehstart wird im Juli sein. Insgesamt wollen wir in diesem Jahr mit der Produktion von vier Filmen starten. Kreativ sind die Filme vorbereitet, also Bücher, Crew und Cast stehen weitgehend, jetzt geht es darum die Finanzierung zu schließen. Im kommenden Jahr wollen wir sieben Filme drehen – und sind damit voll im Plan, den wir uns vorgegeben haben.

Bekommen Sie die Finanzierung für Ihre Filme denn wirklich zusammen?

Ja, sicher! Sie spielen auf die Finanzkrise an. Die bekommen wir bislang nicht so stark zu spüren, was aber primär daran liegt, dass Banken in Deutschland bei der Finanzierung von Kinofilmen eine eher marginale Rolle spielen, anders als etwa in den USA – deutsche Filme werden durch Vorverkäufe an die Fernsehsender, Kino- und Home-Entertainment-Rechte, Filmförderung und Eigenkapital finanziert. Das ist bei US-Produktionen vollkommen anders.

In Deutschland gibt es dagegen Streit um die Bundesförderung von Filmen – die Kinobetreiber sperren sich gegen die Abgabe an die Filmförderungsanstalt FFA?

Das ist eine extrem ungute Situation – einen deutschen Film können sie ohne Förderung nicht herstellen. Dazu ist das deutschsprachige Auswertungsterritorium zu klein. Und der Kinobesucher nimmt keine Rücksicht darauf, dass er gerade eine deutsche Produktion anschaut. Er sagt sich nicht: „Ah, ein deutscher Film, bei dem müssen die special effects und die Schauspieler nicht ganz so toll sein“. Wir stehen im Vergleich zu Hollywood, und dem müssen unsere Filme standhalten. Entsprechend teuer sind sie leider auch. Inzwischen scheint das aber Gott sei dank allen Beteiligten klar zu sein.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.05.2009, 11:59 UhrAnonymer Benutzer: Schonbesser

    Nicht wirklich. Die neue digitale 3D-Technik ist viel besser: Ultrascharfes bild, bequeme brille, keine Kopfschmerzen. Die Produktionen stellen sich längst drauf ein, siehe "Monsters vs. Aliens", "My bloody Valentine 3D", "Avatar" etc. Die Verleiher sparen die teuren 35-Millimeter-Kopien und senden ihren Film auf Festplatte ins Kino. Obendrein können die Unternehmen in digital umgerüsteten Sälen ihre Werbung vor bestimmten Filmen schalten, jetzt buchen sie einen festen Saal. Eine Nische wird 3D vielleicht bleiben, aber eine ultra-profitable.

  • 16.05.2009, 13:55 UhrAnonymer Benutzer: Celsus

    3D wird ein Nischenmarkt bleiben. Es ist anstrengend zu schauen und noch anstrengender zu produzieren. Jedes Mal muss eine 3D brille auf der Nase getragen werden und mehr als 90 Minuten hält man das u.a. der Effekte nicht durch. Kurzfilme sind "nett" wie Terminator 3D im Universal Studio Hollywood. Sehr gute Produktionen brauchen derzeit..hmm...10 Jahre? Siehe Avatar. PC-Animationsfilme sind auch nur "nett" und der derzeitge "boom" hat einen einfachen Grund: Man will was neues sehen. Aber jede Vorstellung in 3D anzubieten, das wird unmöglich und auch vom Publikum unerwünscht sein. bei diesen Filmen muss noch mehr auf Qualität geachtet werden, bei steigenden Produktionskosten und erhöhtem Aufwand. Wie gesagt, ein Nischenmarkt wird es bleiben. Man bedenke, daß man mit den "Effekten" nicht Mal Werbung machen kann...wie auch, in 2D auf dem TV oder PC bildschirm. Hype.

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