Filmindustrie: 3D-Streifen Avatar schaut in die Kino-Zukunft

Filmindustrie: 3D-Streifen Avatar schaut in die Kino-Zukunft

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Schauspieler Sam Worthington (L) and Zoe Saldana als Neytiri in James Camerons 3-D-Film "Avatar"

von Peter Steinkirchner

Popcorn raus und Spezialbrillen auf – Avatar, der jüngste Streifen von Bombast-Regisseur James Cameron, prallt nach mehr als vier Jahren Dreharbeiten an diesem Wochenende erstmals auf reale Kinobesucher. Das Monster von einem Film, 2 Stunden und 46 Minuten lang, ist nicht weniger als ein Versprechen auf nie zuvor gesehene Bilder und bietet eine Vorgeschmack darauf, was uns künftig im Kino erwartet.

 James Camerons neuestes Epos "Avatar" ist ein Monster von einem Film, 2 Stunden und 46 Minuten lang, ein Versprechen auf nie zuvor gesehene Bilder, die dennoch nicht allzu fremd werden. Denn die seltsamen Wesen, die eine weit entfernte Zukunftswelt bevölkern,  erzählen eigentlich eine sehr alte Geschichte: Gute, diesmal blauhäutige Wilde gegen gierige Technokraten; wer dabei an Winnetou denkt, liegt vermutlich nicht ganz daneben.

Die Erwartungen an den erwarteten Blockbuster sind gigantisch: Dafür sorgen schon allein die Produktionskosten, die bei mindestens 237 Millionen Dollar liegen sollen, vermutlich sogar darüber. Beim Filmstudio 20th Century Fox, das den cinematographischen Klotz produzierte, wird mancher Verantwortliche an diesem Wochenende Schwitzehändchen haben: Hoffentlich rechnet sich der Spaß. Die Pannen am Starttag in Deutschland – 3D klappte nicht überall – dürften nicht eben zur Beruhigung beitragen.

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Auf den fernen Mond Pandora gesaugt

Den dicksten Batzen des grandios aufgeblähten Budgets frisst dabei die Technik: James Cameron, der mit Avatar seinen ersten Spielfilm seit zwölf Jahren  in die Kinos bringt – damals schickte er die Titanic auf Tauchstation -, ließ unter anderem eigens neuartige Kameras konstruieren, denn er will die Zuschauer mitten hinein saugen auf den fernen Mond Pandora.

Die Frage ist nun: Was machen die da? Und: Vorausgesetzt, die Bilder fliegen so wie es sich Cameron vorstellt und die Zuschauer strömen in die Kinos - wie kommen sie wieder raus? Wächst mit Avatar tatsächlich der Wunsch, künftig noch viel häufiger 3D-Streifen geboten zu bekommen? Filme wie der durchaus bezaubernde Alter-Mann-fliegt-mit-seinem-Haus-davon-Animationsstreifen „Oben“ waren ja schon ganz nett. Doch Cameron hat weit größeres im Sinn: Avatar soll den Zuschauer knapp drei Stunden lang komplett vereinnahmen, ihn überwältigen und am Ende erschöpft entlassen. Was, wenn sich jüngere Kinogänger nun an genau diese Art von Filmen gewöhnen wollen und ihnen konventionelle Streifen anschließend schlicht flach erscheinen?

Hey, ich war aber teuer

Für die Filmindustrie steckt daher in 3D-Streifen eine enorme Chance. Mit ihrer Hilfe könnten Kinos tatsächlich wieder zu wirklich besonderen Orten werden. Große Leinwände, Beinfreiheit, Dolby Surround sind längst fast überall Standard. Allein: Die Leinwand blieb zumeist eine Fläche – auch wenn Woody Allen sie etwa in „Purple Rose of Cairo“ ironisch durchbrach. Das ist nun vorbei. In 3D steckt zugleich eine Chance gerade auch für deutsche Produktionsunternehmen: Hier entwickelt sich etwas neues; die richtige Förderpolitik vorausgesetzt, die auch technische Dienstleistungen einbezieht, können sie womöglich mit den großen Hollywoodstudios ins Geschäft kommen – schon länger überlegen sie etwa beim Studio Babelsberg, verstärkt in Postproduktion zu investieren.

Dem „Filmstandort Deutschland“ könnte das weiter Auftrieb verleihen. Nun ist Avatar zwar sündhaft teuer. Doch für die Zukunft ist wohl kein weiterer finanzieller Overkill zu befürchten, weil die Technik in den kommenden Jahren schlicht preiswerter und verfügbarer werden wird.

Und ums Programmkino muss man schließlich wohl auch nicht sorgen– erstens bleibt ein Meisterwerk wie Citizen Kane auch in 100 Jahren noch ein sehenswerter Film. Und zweitens kann man die 3D-Chose auch ganz nüchtern sehen: Die neue Technik verschafft kreativen Regisseuren schlicht zusätzliche Möglichkeiten, Bilder zu erfinden. Sie erweitert das Handwerkzeug. Und klar ist: Ein Film wird auch mit der ausgefuchstesten und teuersten Technik floppen, wenn er keine Seele hat, wenn er keine Geschichte erzählt, der die Zuschauer glauben und der sie zuschauen wollen. Ein paar Geldbündel vor der Kamera herumzuschwenken und die Zuschauer anzubrüllen: Hey, ich war aber teuer, reicht nicht. Wer das weiß, wird auch künftig mit Strichmännchen Menschen verzaubern können.

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